Norooz – Wenn Ostern und Weihnachten zusammenfallen

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Norooz, das altpersische Neujahrsfest, das seit über 3000 Jahren in  Ländern des altpersischen Gebietes wie Afghanistan, Iran, Kirgistan, Kurdistan, Turkmenistan und Usbekistan gefeiert  wird, ist seit 2009 in der Liste des Menschheitskulturerbes aufgenommen.

Es ist wie Ostern und Weihnachten zusammen.

Das Haus wird gerüttelt (geputzt), die Teppiche werden in der ersten Frühjahrssonne ausgeklopft, bei uns gründlich gestaubsaugt, neue Kleidung und Schuhe werden gekauft… so wird das Alte bereinigt und sich auf das Neue eingestimmt.  Anstelle des Weihnachtsmannes gibt es den Hadschi-Firuz. Auch er ist ganz in rot gekleidet und er hat ein schwarzes Gesicht. Lachend, singend und tanzend vertreibt er den Kummer und die Sorgen der Menschen.

Anstelle des Osterfeuers gibt es in der Nacht des letzten Dienstags auf Mittwoch vor dem Frühlingsanfang das Tschahar-Shanbe-Suri, das Mittwochsfeuer.

Feuer ist ein wichtiges Symbol in der Zaratustrischen Kultur. Es ist das Symbol für das Heilige, für Energie und Kraft. Das Feuer soll das Schlechte vernichten und das Gute zum Vorschein treten lassen. Deshalb sollte auch jeder wenigstens einmal in dieser Nacht über das Feuer springen und mit ihm das eigene Gelb (Schwäche) gegen dessen Rot (Stärke) eintauschen. Es wird dabei gesungen und getanzt und das die ganze Nacht hindurch.

Wir begrüßen seit  Anfang der 80ziger Jahre des letzten Jahrhunderts den Frühling mit dem Nouruz – Fest. Meine Kinder sind so selbstverständlich damit groß geworden, wie mit Weihnachten, Silvester und Ostern. Es ist für uns nicht mehr wegzudenken.

Auch dieses Jahr habe ich wieder einen Tisch mit  “Haft-Sin” aufgebaut. Haft heißt Sieben und Sin ist eines der fünf S des persischen Alphabets. Anfang März hatte ich Weizenkörner und Linsen keimen lassen. Sie sind nun zu Gräserbüschel aufgewachsen, die mein Sabzi bilden, das frische Grün, welches das neue Leben symbolisiert.  Am 13. Tag werden wir es mit allem Verbrauchten und Schlechtem aus dem vergangenen Jahr auf einem Gewässer davonschwimmen lassen.

Sir (Knoblauch) steht für die persische Medizin und Gesundheit. Die persische Naturmedizin wird heute noch in der Küche groß geschrieben.

Sib (Apfel) steht für Schönheit und Vitalität.

Somak ist ein Gewürz aus der Essigbaumbeere, welches auf dem Gabentisch den Sonnenaufgang, also auch Neubeginn, symbolisiert.

Seke (Münzgeld) steht für den Reichtum. Goldmünzen schenken die Alten den Jungen bei den vielen Besuchen, die nun in den nächsten Tagen anstehen.

Sendsched, die Frucht des Ölweidenbaumes symbolisiert die Liebe (Ich nehme Datteln).

Sombol (Hyazinthen) strömen ihren schönen Frühlingsduft über den Tisch und symbolisieren die Natur.

Serke (Essig) repräsentiert die Geduld.

Persische Süßigkeiten und persisches Studentenfutter, bemalte Eier, frische Blumen, ein Spiegel, Kerzen, Bilder von Familienangehörigen, ein poetisches Buch und manchmal auch Goldfische im Glas könne den Gabentisch vervollständigen.

Das Neujahrsfest findet seinen Abschluss mit dem 13. Tag. Da machen die Familien einen Ausflug und picknicken. In der Regel grillen wir dann gleich auch an, wenn es das Wetter schon her gibt. Man lässt diesen Tag in der Natur passieren, um dem möglichen Unglück der Zahl 13 zu entgehen. Die Tage dazwischen sind von Besuchen und Gegenbesuchen geprägt. Die Jüngeren besuchen zunächst die Älteren, um ihnen damit ihre Liebe und ihren Respekt entgegen zu bringen. Das ganze wird begleitet von Geschenken, leckerem Essen und Süßigkeiten.

Ich persönlich mag dieses Neujahrsfest so gerne, weil es eine schöne Art ist, den Frühling zu begrüßen und weil auch für mich der beginnende Frühling mehr Aufbruch und Neuanfang verkörpert, als die Wintersonnenwende und der Übergang in ein neues Jahr des gregorianischen Kalenders.

 

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