makan-makan – indonesische Essgewohnheiten

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Wir waren damals, Anfang der 80ziger Jahre des letzten Jahrhunderts, junge Studenten. Ril und seine Freunde holten sich ein Stück Heimat gerade auch über das indonesische Essen in das ihnen fremde Deutschland. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass es streng geregelte Essenszeiten gab, so wie ich es von uns her kannte. Gegessen wurde eigentlich immer. Kamen wir irgendwohin wurde gegessen, kamen wir von irgendwoher zurück wurde gegessen, hatten wir etwas erledigt wurde gegessen, kamen wir mit anderen zusammen wurde spätestens dann mit der Zubereitung des Essens begonnen, wenn sich der Erste langsam hungrig fühlte. Es war selbstverständlicher und unaufgeregter Bestandteil unseres Miteinanders.

Irgendwer ging als erstes zur Küche. Die anderen folgten nach und nach und jeder übernahm eine Tätigkeit: Einer dämpfte den Reis, bzw. wärmte diesen wieder auf, ein anderer machte aus Chilis, Knoblauch, Sojasauce und weiteren Gewürzen ein Sambal, wieder jemand anderes zerlegte ein Hähnchen und würzte es, um anschließend die mundgerechten Hähnchenteile zu frittieren. Andere putzen und schnitten Gemüse, das angebraten wurde, ebenso wie Tempeh und Tahu. Irgendeiner, manchmal auch zwei, spielte dazu etwas auf der Gitarre. Es wurde sich unterhalten, gescherzt und gelacht. Alles ging immer sehr fröhlich und entspannt daher. Gelegentlich machte jemand eine kleine Pause und rauchte eine Kretek. Das sind mit Nelken gewürzte Zigaretten. Wenn dann alles fertig war, gab es zu dem fein gedämpften und duftenden Reis wenigstens fünf bis sechs verschiedenen Beilagen sowie verschiedene Sambals. Alles wurde auf einen Tisch gestellt und jeder nahm sich davon etwas auf den Teller, setzte sich dorthin, wo Platz war und aß mit der rechten Hand. (Die linke Hand gilt als unrein und hat nichts über dem Teller, an den Speisen oder auf dem Tisch zu suchen). Dazu formten wir einen kleinen Reisklumpen, den wir auf die Fingerkuppen von Zeige- und Mittelfinger leicht andrückten bevor wir die Hand vor den Mund führten. Mit dem Daumen schoben wir den Reis von den Fingerkuppen in den Mund, ohne dass die Finger den Mund berührten. Obwohl wir wenig Geld hatten gab es von allem reichlich, fast im Überfluss. Was zunächst übrig blieb wurde dann wieder mit aufgetischt, wenn der nächste Hunger kam.

Ich erinnere mich auch noch gut, dass die Indonesier viel Reis und sparsam Beilagen aßen, während die Deutschen es umgekehrt hielten.

Recherchiert man grob im Internet, findet man die Aussage, dass Essen die liebste Beschäftigung der Indonesier und quasi eine Art Volkssport sei. Ich kann das nicht beurteilen, aber eine gute und ausreichende Ernährung ist grundsätzlich bedeutungsvoll. Das indonesische Wort „kendut“ bedeutet sowohl gesund als auch Wampe oder voller Bauch und erinnert daran, dass es nicht zwingend selbstverständlich ist gut genährt zu sein.

Was in Deutschland die Kartoffel ist, ist in Indonesien der Reis, wenn er nicht sogar noch bedeutungsvoller und wesentlicher ist. Zu jeder Mahlzeit wird er gereicht. Ungewöhnlich für uns ist es wohl, dass Reis sogar zu Nudeln gegessen wird. Eine Mahlzeit ohne Reis gilt eher als Snack. Da jeder immer dann isst, wenn er Zeit dazu hat, stehen in den meisten Haushalten gedämpfter Reis und wenigstens fünf bis sechs verschiedene Beilagen jederzeit bereit, bzw. kann man sich jederzeit etwas preisgünstig an den unzähligen Warungs am Strassenrand kaufen.

Vor kurzem entdeckte ich ethariesta’s Blog. Besonders gut gefiel mir ihr Videoportrait über ihre Zeit als au pair in Deutschland. Ich sprach Sie an und fragte nach, wie denn heute in Indonesien der Alltag mit seinen Essgewohnheiten in einer Großstadt aussehen würde und sie antwortete:

In Indonesien isst man 3 mal pro Tag. Zu allen Mahlzeiten isst man immer warm.
 Zum Frühstück isst man von 8 bis 10 Uhr. Man isst von 12 bis 15 Uhr zu Mittag und von 7 bis 9 Uhr zu Abend.

Zum Frühstück isst man gerne Ketoprak, Nasi uduk, oder Lontong sayur. Das sind alles verschiedene Reisspezialitäten und sie sind warm. Manche Leute essen gerne kleine Kuchen sowie Bakwan (gleich wie Bratlinge) oder andere traditionelle Kuchen sowie apem, pastel, kue lumpur. Man kann auf dem Markt früh Morgen kaufen. Manche Leute essen auch belegte Weißbrot, sowie mit Schokolade oder Käse (ich erinnere mich, dass Ril Käse nicht kannte, als er nach Deutschland kam und auch nicht sonderlich schätzte. Für ihn war Käse quasi schlecht gewordene Milch).

Zu Mittag isst man unterschiedlich. Z.B Reis mit gebratenes Hähnchen, Fisch, usw.

Zu Abend isst man normalerweise zusammen, denn die Eltern sind aus der Arbeit zurückgekommen.

Ich fragte auch nach, ob die Mütter in Indonesien ähnlich wie in Deutschland berufstätig seien und wie dann die Kinderbetreuung geregelt sei und Riesta antwortete:

Das ist unterschiedlich. Manche Mütter gehen zur Arbeit. Aber es gibt auch Hausfrauen.
 Wenn die Mutter arbeiten geht, betreut ein Babysitter oder die Großmutter die Kinder. Die gehen natürlich auch in den Kindergarten oder in die Schule.

Aber hier in Indonesien haben die Frauen lange Arbeitszeiten bis 8 oder 9 Stunden pro Tag. Außerdem gibt es immer in Jakarta Stau, so brauchen die Frauen viel Zeit unterwegs, bis zu 2 Stunden. Also haben Sie nur sehr wenige Zeit für ihre Kinder. Als Alternative mieten die Familien ein Appartement in der Nähe vom Büro um diese langen Wegezeiten zu vermeiden.

Zur Zeit arbeiten die Frauen auch gerne von zu Hause aus. Sie verkaufen viele Dinge online. Das ist eine gute Auswahl, damit sie ihre Kinder betreuen können.

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