Sekanjabin mit Wassermelone – سکنجبین

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Sekanjabin, das ist Wohlklang in meinen Ohren, ein sanftes süßlich-saures Prickeln auf meiner Zunge, ein herrlich zarter Duft von Minze, Melone und Gurke in meiner Nase und erfrischende innere Kühle unter brennend heißer Sommersonne.

Sekanjabin bringt an diesen heißen Tagen die Frische und das Wohlbefinden in den von Hitze strapazierten Körper zurück und weckt in mir Erinnerungen an schöne Picknickstunden am Rhein und an der Elbe. Viele der hier lebenden Exiliraner mögen mit Sekanjabin nostalgische und die Sehnsucht lindernde Gefühle verbinden. Denn es ist eine uralte traditionelle persische Köstlichkeit mit heilkräftiger Wirkung und vielleicht eines der ältesten isotonischen Getränke der Welt überhaupt. Die Anwendung sowie Kontra-Indikation der diversen Sekanjabin’e und Sharbat’e wurde bereits in alten persischen medizinischen Manuskripten und in Ibn Sinas (Avicenna) Kanon der Medizin beschrieben. Weit über 1200 Rezepturen mit unterschiedlichen medizinischen Wirkungen sind so überliefert. Griechen und Römer begeisterten sich frühzeitig für diese köstlichen Wunderwasser, die sie kopierten und Oxymel (Essighonig) nannten. Aber auch die Angelsachsen kannten ein Getränk aus Essig, Honig und diversen Kräutern.

Zumindest in dem Iran aus den Erzählungen meiner Freundinnen ist es eine Selbstverständlichkeit, dass jeder Haushalt mehrere Flaschen  selbstgekochter, bunter Sharbat’e bereit stehen hat, die mit eiskaltem Wasser und Eiswürfeln verdünnt, gerne einem Gast in einem großen Glas gegen die Sommerhitze angeboten werden: Quitte, Granatapfel, Zitrone, Rhabarber, Erdbeere, Maulbeere, Brombeere, Himbeere bezaubern jeweils auf ihre eigene Weise. Oder aber auch Rosenwasser, Safran, Chicorée, Moschus und/oder Orangenblüten – Zutaten, die den poetischen Charakter der persischen Küche widerspiegeln, Leib und Seele wohlig wiederbelebend erfrischen und präventiv wie heilend wirken.

Sekanjabin wird auch unverdünnt als Dip zu frischen knackigen Salatblättern, wie z.B. Römer- oder Eisbergsalat, serviert. Dies ist beispielsweise eine der traditionellen Speisen des Picknicks zu Sizdah Bedar, dem Picknick am 13. Tag nach dem altpersischen Neujahrsfest.

http://www.youtube.com/watch?v=lUl68BSB3mo

Sekanjabin ist also einerseits eine sehr gesundes und vernünftiges isotonisches Sommergetränk, das auch gedipt werden kann und Sekanjabin ist eine poetische Liebeserklärung, gleich einem Gedicht aus Schāhnāme oder einer Erzählung aus 1001 Nacht. Probiert es einmal aus und lasst euch verzaubern.

⭐️ 🌟 ⭐️

Ich habe das klassische Rezept ein wenig meinen Möglichkeiten angepasst indem ich den Traubenessig durch naturtrüben Apfelessig von Kronprinz Rudolf Äpfeln ersetzte und statt Honig Rohrohrzucker verwendete. Denn die Vitalstoffe des Honigs werden weitgehend zerstört, wenn man diesen über 45° C erhitzt. Schlussendlich nahm ich getrocknete Minze, ein eher fauler Kompromiss, einfach, weil ich keine frische Minze am Sonntag zur Hand hatte.

Wassermelonensirup mit Minze und Apfelessig

IMG_3899Zutaten für ca 1 Liter Sirup

  •  500 ml Wasser
  • 1 gute Prise Salz
  • 260 g Rohrohrzucker
  • 4 EL getrocknete Nanaminze
  • 500 g Wassermelone in kleine Stückchen zerteilt
  • 150 ml naturtüber Apfelessig

 

zum Anrichten

  • kaltes Mineralwasser (wer mag mit Soda)
  • Eiswürfel
  • Gurkenscheiben

 Küchengeräte

1 großer Topf, 1 Schüssel, 1 feines Sieb, idealer Weise ein Mulltuch, 1 Flasche oder 1 Krug

Zubereitung

In einem Topf das Wasser mit dem Zucker aufkochen lassen und warten, bis der Zucker aufgelöst ist

dann die Minze und die Wassermelone hinzugeben und den Herd ausschalten

die Mischung auf Zimmertemperatur runterkühlen und dann für mehrere Stunden oder besser über Nacht abgedeckt im Kühlschrank durchziehen lassen

das Sieb mit einem Mulltuch ausgelegt über eine Schüssel geben und den Sirup abseihen, das Tuch ein wenig ausdrücken

den Melonentrester kann man naschen, wenn man mag, unter einen Salat heben oder zu einem Chutney weiterverarbeiten

den Sirup in eine saubere Flasche oder einen sauberen Krug füllen und kalt stellen. Im Kühlschrank hält er sich nun eine gute Woche, wenn ihr ihn nicht vorher schon ausgetrunken haben solltet.

IMG_3896Wenigstens 1 Stunde vor dem Servieren mischt ihr 1 Teil von dem Sirup mit 3 Teilen Wasser und gebt ein paar Gurkenscheiben dazu.

Kurz vor dem Servieren fügt ihr dann noch die Eiswürfel hinzu.

12 Kommentare Gib deinen ab

  1. Es Marinsche kocht sagt:

    Oh wie kööööööstlich 😍 ich glaub ich kopier diesen Satz und kommentier ihn immer bei Dir 😜😂 das werde ich Sirup-Freak demnächst mal probieren….

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    1. wiwor sagt:

      😂😂😂
      mach das bloß nicht, nachher gebe ich mir keine Mühe, weil das Lob ja nur noch kopiert wird 😉

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      1. Es Marinsche kocht sagt:

        Ahsoooooooo….ja dann……😀

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  2. Es Marinsche kocht sagt:

    Sodeli – meine Mischung zieht im Topf vor sich hin 😊 habe mir erlaubt, den Essig mit aufzukochen 😉 ( Du hast ihn erwähnt, aber beim Kochprozess vergessen 😉 )…dafür habe ich die Minze schon am Anfang in den Topf getan und sie müsste mit aufkochen….damminomol 😜….nun geht es auf Zimmertemperatur und danach direkt zum durchsieben heute Abend, da ich nicht soviel Platz im Kühlschrank habe grad…dürfte an sich nicht viel ausmachen, oder? Das was ich bisher schon probiert habe schmeckt vielversprechend….aber recht säurelastig und ich bin froh Rotwein Balsamico genommen zu haben 😊

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    1. wiwor sagt:

      klingt gut 🙂 Stimmt ich hatte den Essig nicht erwähnt und hatte ihn bei mir nicht mit aufgekocht. Mein Essig war eh schon ein milder Trinkessig (vom Naschmarkt in Wien) und ich wollte nicht seine Vitalstoffe durch zu starkes erhitzen zerstören. aber klassisch wird der Essig mit aufgekocht. durch das Ruhen lassen, wird der Sirup auch ganz mild und weich, wenn natürlich eine gewisse Säure erhalten bleibt. Hier musst du dann nach deinem Geschmack verdünnen.

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      1. Es Marinsche kocht sagt:

        Es ist ein soooooo köstliches Getränk – danke für’s posten 😘 ich habe es grad publiziert mit dem Link zu Dir 😊

        Ich denke ich werde immer mal ein wenig experimentieren….etwas weniger Zucker könnte ich mir vorstellen oder auch andere Früchte….

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      2. wiwor sagt:

        ja, es geht mit allen anderen Früchten, mit Kräutern, Gewürzen, schau mal, das habe ich beschrieben. Es gibt über 1200 dokumentierte Varianten 😉

        Aber vor allem freut es mich, dass es dir schmeckt. Hatte schon ein bisschen gezittert.

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      3. Es Marinsche kocht sagt:

        Ja, hab’s ja gelesen…bin gespannt….😊….es ist absolut nach meinem Geschmack….also zittern einstellen… 😉

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      4. wiwor sagt:

        ey ey madam 😀

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      5. Es Marinsche kocht sagt:

        😊

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