آلبالو پلو – Sauerkirschenreis „Albalu Polo“

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Endlich ist sie wieder da, wenn auch leider nur kurz, diese herrliche kirschrote Sommerzeit, süßsauer, rotsaftig und voller Lachen. Ich freue mich!

So wie seine Früchte süß, sauer oder auch ein wenig bitter schmecken, so ranken sich um den Kirschbaum die lieblichsten und die schauerlichsten Sagen und Mythen: Mit Moos und Rinden bekleidete Wald- und Baummeister sollen in seinen Ästen versteckt warten, um ahnungslose Wanderer zu belästigen. Ein Kirschzweig hingegen, der am „Barbaratag“ geschnitten und in Wasser gestellt zu Weihnachten aufblüht, soll für das kommende Jahr Glück und eine Hochzeit ankündigen.

Als Kind hatte ich im April/Mai zur Kirschblüte oft heimlich auf den Vollmond gewartet, um aus dem Fenster auf den silbrig scheinenden Kirschbaum in unserem Garten zu schauen. Meine Omi hatte es mir streng verboten, weil dann die Elfen um den Baum tanzen würden. Wer sie erblicke, dem widerfahre großes Unglück, warnte sie mich und meinte, die Kirschbaumelfen würden die Seelen der Menschen fangen und nicht mehr frei lassen…. Unglaublich, unheimlich, gruselig. Und doch meine Neugier war größer, als die Angst. Leider hatte ich mich bloß jedes mal vergeblich aus dem Bett ans Fenster geschlichen. Entweder mochten die zarten Elfen unseren alten Kirschbaum nicht oder sie bemerkten hellhörig wie sie waren das Tapsen meiner Füßchen über den Teppich durch die Hauswand, den Sommerwind und das Rascheln der Kirschbaumblätter hindurch und versteckten sich rasch, um auch mich zu schützen. So böse und gemein konnten sie also doch auch gar nicht sein.

Kirschen, schön rot und rund, sind wohlschmeckend und rundum gesund. Zwar haben sie nicht so berauschend viele Mineralien und Vitamine, dafür aber besonders wertvolle natürliche rote Farbstoffe, die unsere Organismen Schutz und Abwehrstärke schenken.

Die Kirschkerne eignen sich nicht nur zum Kirschkernweitspucken oder für wohlig wärmende Kirschkernkissen. Nein, sie sollen zermahlen in Wasser gelöst sogar gut für die Nieren sein und ein Kirchstieltee wirkt schleimlösend gegen hartnäckigen Husten sowie gegen Blutarmut. Also nichts einfach achtlos wegwerfen, sondern fleißig aufheben und sammeln, bis zur kalten Jahreszeit.

Heute auf dem Markt gab es Sauerkirschen. Ich habe ein kleines Schälchen mitgenommen, davon die Hälfte leicht gesalzen einfach so vernascht und mit der anderen Hälfte einen furchtbar leckeren Klassiker der iranischen Küche zubereitet. Dabei habe ich statt des traditionellen Lammfleischs dieses mal Putenbrustfleisch genommen. Dieses Reisgericht kommt aber auch ganz vorzüglich vegetarisch daher. Nur der weiße Basmatireis muss es hier für mich zwingend sein. Aber probiert selber aus, wie es am besten für euch schmeckt. Natürlich kann man auch Sauerkirschen aus dem Glas nehmen. Die sind allerdings meistens schon gesüßt und mir persönlich schmecken sie auch nicht ganz so gut, wie frische Sauerkirschen. Nun aber zum Rezept:

Sauerkirschenreis „Albalu Polo“ -آلبالو پلو

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Zutaten für 2 – 3 Portionen:

  • 250 g Basmatireis
  • Wasser
  • 100 g gestiftelte Mandeln
  • Butterschmalz
  • 1 kleine Zwiebel in Würfelchen geschnitten
  • 1/4 TL Kurkuma
  • 200 g Putenbrustfleisch gewürfelt
  • 250 g Sauerkirschen
  • 1 TL Honig
  • 1 Prise Zimt
  •  TL Butter
  • 3-4 Fäden Safran mit etwas Zucker zerieben

Küchengeräte

1 großer und 1 kleiner Topf, 1 Küchensieb, 1 Pfanne, 1 Ablageteller 2 Holzrührlöffel, ein sauberes Küchentuch und 1 Topfdeckel für den größeren Topf, 1 Servierteller, 1 scharfes Messerchen

Zubereitung

  • Wenigstens 1 Stunde vor Kochbeginn den Reis gründlich waschen und in einem Topf mit Salzwasser einweichen lassen
  • Die Mandelstifte in der heißen Pfanne ohne Fett anrösten und dann auf einem Tellerchen beiseite stellen
  • etwas Butterschmalz in der Pfanne erhitzen und die Zwieblewürfel darin goldbraun anbraten, mit Kurkuma bestreuen und anschließend das Putenfleisch dazu geben. Gut von allen Seiten anrösten lassen und dann vom Herd nehmen
  • die Kirschen vorsichtig waschen, entkernen und in den kleinen Topf geben. Mit  Honig und Zimt kurz aufkochen und ebenfalls beiseite stellen
  • den großen Topf mit Salzwasser zum kochen bringen. Das Einweichwasser vom Basmatireis abschütten, dann den Reis in das kochende Wasser geben und knapp 10 Minuten kochen lassen
  • damit das Wasser dabei nicht überkocht, einen Holzlöffel über den Topf legen. Ich habe keine Ahnung, was da physikalisch passiert, aber es kocht nichts über
  • wenn der Reis al dente ist, wird er in ein Sieb geschüttet und behutsam, damit die Reiskörner nicht brechen, gebuttert
  • den Topf mit ca 100 – 150 ml Wasser  auf den Herd stellen und das Wasser aufkochen lassen
  •  Safran dazugeben und den Herd auf die kleinste Stufe herunterschalten
  • die Hälfte des Reis‘ gleichmäßig auf dem Topfboden verteilen. Darauf die Fleisch-Zwiebelmischung geben, dann die Sauerkischen und die Mandeln. Zum Schluss wird der restliche Reis obenauf gehäufelt
  • mit dem Löffelstiel bohrt man behutsam einige Löcher bis zum Topfboden, damit der Wasserdampf besser aufsteigen kann
  •  um den Deckel wird das Küchentuch gewickelt und damit der Topf abgedeckt. Die Erklärung dazu findet ihr hier
  • nach ca. 40 Minuten sollte der Reis fertig sein. Nun wird der Deckel gegen den Servierteller getauscht und der Topf gestürzt. Der Reis sollte locker und zart sein, schön weiß, rot und safrangelb

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Guten Appetit

5 Kommentare Gib deinen ab

  1. Es Marinsche kocht sagt:

    Wie Geschmäcker sich wandeln….früher mochte ich entweder süß oder herzhaft….heute liebe ich so herzhaft-süße Gerichte…..sieht seeehr fein aus 😍

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    1. wiltrud sagt:

      das passt sooooooo gut zusammen, finde ich. Persischer Reis ist so oder so ein Gedicht, aber mit den frischen Weichseln… da schmelze ich hin und weg. Ist aber eher fruchtig-salzigsauer, statt süß

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      1. Es Marinsche kocht sagt:

        Ja, das liest sich auch so…..ich hatte z.B heute Abend Leftovers mit Berberitzen aufgepeppt….kommt später ON 😊 war sehr lecker

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      2. wiltrud sagt:

        da bin ich gespannt 😍

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      3. Es Marinsche kocht sagt:

        Eigentlich nichts besonderes….aber mal wieder ein Beispiel dafür wie schön es ist gewisse Basics im Vorrat zu haben….

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