Der Johannisbeerkönig radelt an…

am

man ich freu‘ mich auf den jungen Mann!

Ich war noch keine 10 Jahre alt, da war der Mann meiner ostpreussischen Omi auch ein Gärtnergatte, nämlich der ihre. Die Erinnerungen an diese Zeit im Garten meiner Großeltern sind blass. Doch an die hohe Johannisbeerhecke und an die Stachelbeersträucher erinnere ich mich gut. Ich liebte die Beeren, die grünen pelzigen mehr, als die roten. Die Stachelbeertorte meiner Omi war die beste auf der ganzen Welt, wie überhaupt so ziemlich alles, was sie kochte und backte.

Die Johannisbeeren aber drehte meine Oma in ihrer Küche mit „Stumpf und Stiel“ durch einen Entsafter, der wie ein Fleischwolf mit Kurbel aussah. Unten lief der Saft heraus und vorne drückten sich die fast trockenen  Pressrückstände heraus. Diese kochte sie im Wasser nochmals auf, drehte sie dann wieder durch diesen Johannisbeerwolf und gab die Reste  meinem Opa, für den Kompost in seinem Garten. Irgendwann dann gab es den Garten nicht mehr, wohl aber die Säfte, den Kompott und den Fruchtaufstrich, den meine Omi in ihrem Keller eingelagert hatte.

Jahrzente später, meine Großeltern waren bereits Urgroßeltern, da bekam ich mein erstes eigenes kleines Gartenbeet und ich pflanzte sofort Johannisbeer- und Stachelbeersträucher. Doch die ersten Jahre sah ich nichts von deren Früchten: Neben den Vögelchen war es mein Sohn, der mir jedes Beerchen wegnaschte, kaum war es reif. Erst im 3. oder 4. Jahr trugen die jungen Sträucher Früchte genug, dass auch ich ein wenig ernten durfte. Und weil mein Sohn Johannisbeeren so gerne mag und Mitte Juli Geburtstag hat, wurde er mein Johannisbeerprinz. Manches Jahr hatte ich Glück und zu seinem Geburtstag trugen die Sträucher noch Beeren genug, dass ich ihm daraus einen Geburtstagskuchen machen konnte. An anderen Jahren war es einfach schon zu spät, die Früchte waren alle weg genascht und ich musste sie für seinen Geburtstagskuchen nachkaufen.

Jetzt sind wieder Jahrzehnte vergangen. Aus meinem Sohn ist ein junger Mann geworden, kein Prinz mehr, nein ein König und das schon lang‘. Auch dieses Jahr war ich an seinem Geburtstag im Garten und pflückte die Johannisbeeren und das Mitten im Sommerregen. So war ich in Gedanken bei ihm, denn im realen Leben sind wir kilometerweit getrennt. Einen Kuchen zu backen wäre quatsch an diesem Tag, da wir uns nicht sehen würden. Es war überhaupt nicht absehbar, wann wir beide Zeit füreinander finden würden. Doch ich hatte eine Idee:

1Ich setzte einen roten Johannisbeerlikör an auf Basis eines weichen Rums. Er ist ein begnadeter Cocktailmixer und wird sicherlich tolle Drinks daraus zaubern.

Gerade ist er auf dem Weg hierher: Früher kamen Prinzen und Könige ja hoch zu Ross. Doch er, er fuhr zunächst kanpp 200 Kilometer mit dem Zug, um dann die letzten 120 Kilometer auf seinem Drahtesel durch den Sommer zu radeln. Ganz schön ambitioniert der Mann!

2Und während er so durch die Landschaft radelt habe ich mich in die Küche gestellt, um ihm einen nachträglichen Geburtstagskuchen zu backen. Klar und selbstverständlich mit gekauften roten Johannisbeeren.

Dazu habe ich einen schnellen Beiskuit gebacken, wieder einmal mit Pandan grün gefärbt. Dann habe ich eine französische Konditorcreme angerührt, ein wenig mit Johannisbeerlikör parfümiert und vor dem erkalten zu gleichen Teilen auf 2 Schälchen aufgeteilt. Unter die eine Hälfte habe ich dann 75 g weiße Schokolade und unter die andere Hälfte 75 g Vollmilchschokolade gerührt.

Nachdem der Biskuit und die Creme abgekühlt waren habe ich  eine Schichttorte aufgebaut und über jede Cremschicht frische Johannisbeeren verteilt. Die wartet jetzt im Kühlschrank auf ihren Johannisbeerkönig.

Doch sicherlich wird er müde, verschwitzt und bärenhungrig sein. So habe ich ein Stück Schweinefleisch in den Crockpot gelegt. Das schmort nun schon den lieben langen Tag vor sich hin und wird nachher die Grundlage für ein feines Pulled Pork bilden.

Dazu habe ich ein fruchtiges

Johannisbeer-Tomaten-Chutney

IMG_1373aus folgenden Zutaten gekocht:

  • 200g bunte Tomaten, enthäutet
  • 200 g rote Johannisbeeren
  • 2 Knoblauchzehen
  • 2 rote Chilis
  • 1 Vanilleschote
  • 5 Scheibchen Ingwer
  • 5 Wachholderbeeren
  • 4 EL Palmzucker
  • 6 El Balsamessig

Das ging sehr schnelle. Alles kurz aufkochenlassen, mit dem Kartoffelstampfer ein wenig die Früchte zerstampfen, in ein ausgekochtes und verschließbares Glas umgefüllt und abkühlen lassen. Lecker fruchtig, mit milder Schärfe schmeckt es, feinwürzig und leicht süß. Es wird gut zu unserem Pulled Pork passen, das ich sicherlich in den nächsten Tagen, vielleicht morgen schon hier einstellen werde.

Nun kann er kommen, der Johannisbeerkönig. alles hier ist parat und neben mir freut sich die jüngste Prinzessin auf die Ankunft des großen Bruders. Oh, es klingelt, das wird er sein….

6 Kommentare Gib deinen ab

  1. Es Marinsche kocht sagt:

    An sich mag ich keine Johannisbeeren, aber Du verpackst sie so delikat, das mir das Wasser im Mund zusammenläuft 🙂

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    1. wiltrud sagt:

      echt 🙂 Das freut mich. Aber nicht, dass du plötzlich zur Johannisbeerliebhaberin wirst 😉

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      1. Es Marinsche kocht sagt:

        Äh….nee….das jetzt ganz sicher nicht 😉

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  2. Limenaria sagt:

    Wunderschön liebe Wili, ich habe zwar keine Kinder, aber deine Liebe kommt nicht zwischen den Zeilen hervor, sondern sie spiegeln sich in den Worten wider. Einen schönen vierten Adventsonntag wünsche ich dir :).

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    1. Wili sagt:

      Danke 🙂 Dir auch einen geruhsamen 4. Advent. ich werde mit meiner Freundin, die ich vor ca 25 Jahren auf Thassos kennen lernte über die Feiertage in Köln und in der Eifel sein.

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      1. Limenaria sagt:

        Das ist ja spannend 🙂 und ich wünsche dir viel Spaß und geruhsame Tage und bin schon sehr gespannt, wenn ich dir Honig und Kräuter persönlich übergeben kann. 🙂

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