Käse und Schokolade oder Martabak manis

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Käse und Schokolade. Im ersten Moment dachte ich, das käme dem zweifarbigen Apfel in dem Märchen von Schneewittchen gleich. Doch da irrte ich sehr. Käse und Schokolade, das entspricht mehr Schneeweißchen und Rosenrot. Denn beide sind gleich gut, gleich schön, gleich köstlich und harmonieren wunderbar, wie eben dieses Schwesternpaar im Märchen. Aber ich  beginne mal von vorne:

Als ich  Ril’s Martabak als einen meiner ersten Beiträge veröffentlichte, meldete sich mein Sohn bei mir. „Mama, das ist kein Martabak. Martabak ist süß, mit Käse, Schokolade, Erdnüssen und süßer Kondensmilch.“ Er war sich ganz sicher. Schließlich war er der Indonesienreisende, nicht ich, und er liebte wohl martabak manis. Und was macht so eine Mutter wie ich? Sie kommt ihrem Sohn entgegen und erwähnt in ihrem Beitrag, dass es süßes Martabak gibt und sie erkundigt sich darüber. Das geht natürlich heute sehr bequem über das Internet.

Martabak oder auch Muttabaq im arabischen bedeutet so viel wie „gefaltet“ oder „zusammengeklappt“. Ursprünglich war es wohl ein hauchdünner Mehlteig, der herzhaft gefüllt über die Handelswege von Indien aus in den Orient und nach Südostasien, also auch nach Indonesien, weitergetragen wurde. Martabak manis hat allerdings mit den herzhaften Martabaks, die es auch unzählige in Indonesiens Garküchen zu kaufen gibt, nur noch gemeinsam, dass es ein gefüllter und gefalteter Mehlteig ist.

Mich erinnert Martabak manis eher an einen riesengroßen, fluffigen, gefüllten niederländischen Poffertje. Poffertjes werden ja auch aus einem Hefeteig in kleinen Pfännchen gebacken, allerdings mit Buchweizenmehl. Auch der Schokohagelslag und der Kuhmilchkäse läßt mich an die Niederländer denken.

Es ist sehr spannend, wenn man sich so auf die Spurensuche begibt und dabei feststellt, dass diese niederländische Nationalspeise wohl ürsprünglich aus Frankreich stammt. Dort sollen Mönche bei Bordeaux im Mittelalter Buchweizenmehl für ihre Hostien verwendet haben… und gleich kommen mir die russischen Blinschki in den Sinn. Wie viel Fusion steckt da bereits in diesem Martabak manis und kann man es noch mehr fusionieren? Ja, man kann! Mittlerweile gibt es Martabak manis, das wohl für eine Lieblingssüßigkeit zumindest der Touristen in Indonesien, steht, gefüllt mit Toblerone und Greyerzer, Mozartkugeln und vielem anderen mehr. Man bekommt sie in Indonesien, in Malaysia und sogar in Kalifornien.  Wenn also auch die Kombination von Käse und Schokolade auf mich sonderbar wirkte, so musste doch ein Zauber darin verborgen sein und meine Neugier wuchs, bis ich es dann einfach einmal ausprobierte. Ein klassisches Rezept findet ihr hier. Hier die Fotodokumentation meines ersten Versuchs:

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Was soll ich euch sagen? Ich war begeistert! Ein wundervolles Soulfoud, besonders – so stelle ich es mir vor – abends im pulsierenden Jarkarta oder auf Bali unter einer Palme am Strand, mit einer Schale kühlem Kokoswasser, Gitarrenklängen und fröhlichen Gesprächen. Martabak manis in seiner klassischen Zubereitungsart mit zartbitteren Schokostreuseln, geriebenem Käse, Erdnüssen und süßer Dosenmilch ist perfekt und sollte bei keinem Streetfood-Spektakel fehlen. Also auch nicht bei der Buchmesse im Oktober in Frankfurt. Und so habe ich heute einen zweiten Beitrag für

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in der Pfanne gebacken. Das fast schon klassische Street Food habe ich ein klein wenig modernisiert, damit der Anspruch auf gesund etwas mehr Beachtung findet und die Küchen der Welt noch ein wenig inniger verschmelzen. Und wer mag nicht nach einem herzhaften Snack mit feurigem Sambal, quasi im Vorübergehen, die Mahlzeit mit Käse, Obst und Schokolade abrunden?

Die leeren Kalorien des weißen Mehls tauschte ich gegen das frisch gemahlene volle Weizenkorn aus. Statt der Erdnüsse wählte ich Walnüsse, die es gerade jetzt im goldenen Spätsommer und Herbst hier bei uns zu ernten gibt. Walnüsse harmonieren aber prima mit Orangen in persischen Kuchen und so tauschte ich die Milch für den Pfannekuchenteig gegen frisch gepressten Orangensaft. Zu der Vanille fügte ich etwas von meinem hauseigenem Advieh hinzu. Advieh heißt auf persisch Gewürzmischung. Meine enthält Kardamon, Kreuzkümmel, Koriander, Kurkuma, Piment, Rosenblüten, Nelken und Muskat, darunter also viele Aromen, die auch die indonesische Küche kennt. Den Kuhmilchkäse mischte ich mit salzigem griechischen Feta aus Schafsmilch und schlussendlich, weil frisches Obst so gut zu Käse und zu Schokolade passt, gesellten sich noch die deutsche Birne mit der thailändischen gelben Mango mit zu der Füllung. Das gibt dem Ganzen ehrlich gesagt noch einen besonderen Kick, denn nun werden die Sinne mit Salzig und Süß sowie Kühl und Warm verzaubernd berührt. Aslo lasst euch überraschen von meiner Interpretation des Martabak manis:

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Zutaten

  • 1 Ei und 1 Eigelb
  • 7 EL Weizenvollkornmehl
  • 3 EL Rohrohrzucker
  • 1 Messerspitze Vanille
  • 2 Messerspitzen Advieh
  • 1 Prise Salz
  • 1 TL Hefe
  • 1 TL Backpulver
  • 250 ml frisch gepressten Orangensaft, leicht erwärmt
  • 1 TL Öl
  • 20 g Butter
  • 30 g Feta aus Schafsmilch
  • 30 g Mozarella
  • 60 g Schokostreusel Zartbitter
  • 1/2 Birne
  • 1 kleine gelbe Mango
  • 60 g Walnusskerne grob gehackt
  • süße Kondensmilch

Küchengeräte

1 Schüssel, 1 Schneebesen (oder Mixer), 1 Schneidebrett, 1 Messer, 1 beschichtete Pfanne mit Deckel (meine hat einen Durchmesser von 24 cm)

Zubereitungszeit

mit Ruhezeit für den Hefeteig eine knappe Stunde

Zubereitung

Das Ei und das Eigelb miteinander in der Schüssel verquirlen.

Das Mehl, die Backtriebmittel, 2 El Zucker und die Gewürze dazu geben und alles gut vermengen. Nach und nach den Orangensaft hinzugeben. Es soll ein zähfließender Teig entstehen, ähnlich einem flüßigen Waffelteig.

Die Schüssel mit einem Tuch abdecken und für 40 Minuten an einem warmen Ort stellen. Ich wählte den Backofen, dessen Beleuchtung ich einschaltete. Das aber nur, weil die Vorgabe bei diesem Blogevent 60 Minuten Zubereitungszeit lautet.

Während dieser Ruhephase des Hefeteigs können das Obst geschält und in Würfelchen geschnitten und die Nüsse gehackt werden.

Nach knapp 40 Minuten, wenn der Teig Blasen geworfen hat, die Pfanne dünn einölen und erhitzen und den Teig einfüllen. Dann die Herdtemperatur herunterschalten, damit nichts anbrennen kann. Die Pfanne einmal rundherum schwenken, sodass der Pfanneninnenrand auch mit Teig überzogen ist. Wenn der Teig kleine Blässchen wirft, wird 1 EL Zucker darüber verstreut und der Deckel auf die Pfanne gesetzt.

Nach knapp 10 Minuten sollte der Pfannekuchen fertig sein, mit einem schönen krossen Rand und in der Mitte gewölbt. Tricky ist bei der Zubereitung die richtige Temperatur zu halten. Wenn die Hitzezufuhr zu hoch ist, brennt der Pfannekuchen an, wenn sie zu gering ist, wird der Teig klietschig.

Den fertigen Pfannekuchen auf ein Arbeitsbrett heben und mit Butter bestreichen. Dann die eine Hälfte mit Schokolade und die andere Hälfte mit Käse bestreuen. Darüber wird dann Schicht für Schicht zunächst das Obst, dann die Nüsse und zum Schluss die süße Kondensmilch verteilt.

Nun den Pfannekuchen um 90° Grad drehen und in der Mitte durchschneiden ( jede Hälfte sollte nun aus einem Käse- und einem Schokoladenviertel bestehen). Die beiden Hälften übereinander klappen und nochmals mit etwas Butter bestreichen. Zum besseren Anschneiden für Ungeübte wie mich, einen kleinen Moment warten. Dann in kleine Quadrate schneiden und noch warm servieren.

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9 Kommentare Gib deinen ab

  1. Es Marinsche kocht sagt:

    Huch 😀 interessant…. 🙂

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    1. Wiltrud sagt:

      ausprobieren…. es ist köööööööööööstlich, so oder so 😀

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      1. Es Marinsche kocht sagt:

        Ja…..das sieht so aus 🙂

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      2. Wiltrud sagt:

        ich war ja skeptisch…. und jetzt bin ich ein Fan davon

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      3. Es Marinsche kocht sagt:

        Ja, das glaube ich 🙂 ich setze es mal auf meine To-cook-list….es sieht soooo köstlich aus!

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      4. Es Marinsche kocht sagt:

        🙂

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  2. Zeilenende sagt:

    Mhm… Ich weiß noch nicht, ob ich das mag, was ich mag ist deine kleine Kochgeschichte davor… Und alles Weitere wird sich finden, sobqld ichcdas ausprobiert hab. *Rezept abschreib*

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  3. Wiltrud sagt:

    echt? Kann man das nicht einfach kopieren?

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