Auberginen-Lamm-Eintopf (Khoresht-e-Bademjan) – خورش بادمجان

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Das Gehirn arbeitet schon phänomenal, beeindruckend und begeisternd. Ständig denkt es und denkt, manches so, dass wir es bemerken und anderes (scheinbar) unerkannt. Es arbeitet konzentriert, bisweilen angestrengt – zumindest bei mir – wenn es bewusst  fokusiert wird, bestimmtes er-denken soll und fokusiert sich dann wiederum ganz leicht und kaum bemerkt in unbedachten Momenten. Manche bewussten Gedanken verlieren sich bereits wieder, ehe sie zu Ende gedacht sind, während andere sich zu manifestieren scheinen. Die einen Gedanken gehen in Handlungen und Taten über, andere Gedanken werden als Ziele, Wünsche, Ideen oder Träume kategorisiert und so mancher Gedanke ist eine Erinnerung. Da gibt es Erinnerungen, die scheinen ständig präsent und abrufbar zu sein. Ich habe den Eindruck, dass ich sie niemals vergesse, auch dann nicht, wenn ich mal gerade nicht an sie denke. Andere wiederum bleiben und wirken, obwohl ich sie ablegen will und zu vergessen beabsichtige.

Als ich damals, vor mehr als einem halben Jahrundert haltlos auf meinen kleinen stämmigen Beinchen meine ersten Schritte durch den Raum machte, fasste ich mich an mein rechtes Ohrläppchen. Heute, so viele Jahre später, kann ich nicht bestimmt sagen, ob ich das erinnere oder erzählt bekam, sich die Erzählung mit Fantasien umwob oder mit eigenem Erleben verknüpfte. Ich meine das Gefühl empfinden zu können, welches ich kleines Mädchen damals hatte. Ähnlich, wie durch einen Geruch, ein Bild, ein Ton, eine Speise, ja eine Situation mein Gehirn eine Erinnerung in meinem Bewusstsein entfalten lassen kann, deren Existenz ich einen Bruchteil von Sekunden zuvor nicht einmal erahnte.

Gerade, als ich gedanklich auf meine erste Begegnung mit dem Kurban Bayramı, dem „Opferfest zurückblickte, wurde ich überrascht: Es muss 1989 oder 1990 gewesen sein. Die mich überwältigende Erinnerung, die mir plötzlich ins Bewusstsein trat ist aber, dass unsere damalige Wohnung mit Briketts und Kohle beheizt wurde. Wie konnte ich das vergessen haben? Jetzt ist alles wieder so präsent, als sei es gestern gewesen: Die Kälte, wenn man spät nach Hause kam, ebenso wie die wohlige bis bullige Wärme, der immer dampfende Teekessel auf dem Ofen, die glühende Asche im Aschkasten und der schwarze Staub in der Nase nach stundenlangem Klüttenstapeln im Keller… Ich empfand die Wärme in zentral beheizten Räumen als trocken und unangenehm, auch das war bis vor einigen Minuten vergessen.

Damals lebten wir in einer Nachbarschaft mit vielen alten Menschen und wenn sie eine Wohnung frei gaben, zog eine junge türkische Familie ein. Eines Tages schenkte mir eine türkische Nachbarin, zu der ich eigentlich wenig Kontakt hatte, eine Tüte mit frischem Lammfleisch und ich hörte zum ersten Mal, dass man zum „Opferfest“ ein Lamm schlachten läßt und das Fleisch an Arme, an Familienangehörige und Nachbarn verschenkt. 25 Jahre später war ich jetzt zu Kurban Bayramı in Istanbul. Da es in der Türkei 9 arbeits- und schulfreie Feiertage sind, war es einerseits erstaunlich ruhig in der Zwanzigmillionenstadt, andererseits waren viele gläubige Muslime aus aller Welt zu Besuch, insbesondere in der Eyüp Sultan Moschee. In diese verirrte ich unwissende und mich treiben lassende Touristin mich auf meinem Weg zum Pierre Loti Hügel. Neben Mekka, Medina und Jerusalem ist die Eyüp Sultan Moschee einer der bedeutenden heiligen Orte für Muslime und wird gerade auch zum Opferfest besucht. So war ich plötzlich mitten drin in einem der bedeutensten islamischen Feierlichkeiten.

Die Entstehungsgeschichte des Festes ist auf den Propheten Ibrahim zurückzuführen, den wir Christen Abraham nennen. Er war es, der mit seiner Entscheidung nur an einen einzigen Gott zu glauben, den Glaubensweg für das Judentum bereitete, aus dem später das Christentum entstand. Etwa weitere 600 Jahre nach Christus kam der Islam als dritte monotheistische Religion hinzu. Für alle drei Religionen ist dieser Mann ein großes Glaubensvorbild und nicht der einzige gemeinsame Nenner.

Zurück in Deutschland und noch immer tief beeindruckt von dem Erlebten kochte ich gleich Khoresht – eBademjan. Mir ist kein Bezug zwischen dieser Speise und dem Opferfest bekannt, doch ich liebe sie sehr, besonders, wenn sie mit Lammfleisch zubereitet wird. Und so habe ich es gemacht:

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Zutaten

  • 1 Zwiebel grob gewürfelt
  • 300 g Lammfleisch gewürfelt
  • 1 EL Tomatenmark
  • 2 EL halbierte gelbe Linsen
  • Salz, Pfeffer, Kurkuma und Zimt
  • 2 limon omani
  • 1 Becher Wasser
  • 1 Aubergine (ca 200 g)
  • Öl

Küchengeräte

1 kleiner Crockpot, 1 Schneidebrett, 1 Messer, 1 Pfanne, 1 Gabel

Zubereitungszeit

ca. 3 Stunden

Zubereitung

Alle Zutaten bis auf die limon omani, das Öl und die Aubergine in den Crockpot geben. diesen auf „High“ einstellen und wenigstens 2 1/2 Stunden in Ruhe arbeiten lassen. (Es hat übrigens keine negative Auswirkung, wenn ihr die Zeit überschreitet, auch nicht, wenn das mal eins, zwei Stündchen länger sein sollte).

Die limon omani in Wasser ein wenig einweichen und dann mit der Gabel anstechen.

Die Aubergine in Scheiben schneiden und in heißem ÖL von beiden Seiten goldbraun ambraten.

Wenigstens 30 Minuten vor dem Servieren die Aubergine und Limon omani mit in den Crockpot geben.

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Zum servieren hatte ich noch eine Kartoffel mit dem Spiralschneider geschnitten und in dem Öl fritiert. Dazu gab es Basmatireis mit Safran und Mast-o-Khiar

Und zu einem guten runden Abschluss gab es persischen Tee aus einem Souvenir, dass ich auf dem kleinen Jahrmarkt neben der Eyüp Sultan Moschee erwarb

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16 Kommentare Gib deinen ab

  1. Es Marinsche kocht sagt:

    Tönt fein 😊 die Zubereitungsart gefällt mir

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    1. Wiltrud sagt:

      ja, der Crocky ist ideal für Eintöpfe und Khoreshte 🙂

      Gefällt 1 Person

      1. Es Marinsche kocht sagt:

        Den kannte ich bisher nicht….würde ich Fleisch essen hätte ich ihn vermutlich auch 😀

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      2. Wiltrud sagt:

        der geht auch mit ohne Fleisch. Ist halt ein Niedrigtemperaturkochautomat.

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      3. Es Marinsche kocht sagt:

        Aber grade bei Fleisch ist es doch sinnvoll….

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      4. Wiltrud sagt:

        ich denke, bei allem, das wieder aufgewärmt noch besser schmeckt, so Pi mal Daumen in den Raum geworfen.

        Und Koresht-e-Bademjan schmeckt bestimmt auch gut mit Tempeh

        Ergänzung: hier eine Rezeptsammlung für vegetarisches aus dem Crocky: http://kuechenlatein.com/langsam-vegetarisch-kochen-rezepte-fuer-den-slow-cooker/

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  2. Zeilenende sagt:

    Ohhh… Jetzt habe ich Lammgelüste. Gut, dass wir Samstag grillen. Danke für die schöne Geschichte. 🙂

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  3. Wiltrud sagt:

    mmmm….. gegrilltes Lamm, auch sehr lecker.

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  4. Scheue Frage eines Ahnungslosen: Für wie viele Personen ist dieses Rezept?

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    1. Wili sagt:

      In Ambetracht der Uhrzeit kann ich nachvollziehen, wenn man manche Angaben überliest. Mit dem Couscous ergibt das 2-3 Portionen.

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      1. In Anbetracht der Uhrzeit kann ich die liebevolle Antwort verstehen. Bei deinem vor 1 Stunde veröffentlichten Gericht ist die Angabe gross, deutlich und sogar für mich sichtbar zu lesen. Bei dem andern aber …. dachte das sei gut bemessen und für eine Person. Aber merci für die Info.
        Mitternachtsgrüsse, Bernhard
        PS: Ich muss erblindet sein oder einen falschen Browser verwenden. Sehe die Angabe immer noch nicht.

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      2. Wili sagt:

        echt? ich lese da „Zutaten für 2 Portionen“

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      3. Wili sagt:

        hahaha….in Anbetracht der Uhrzeit habe ich nicht mitbekommen, auf welches Rezept sich deine Frage bezieht.

        Es ergibt in jedem Fall 3 Portionen, evtl sogar 4 😉

        Aber jetzt wünsche ich eine gute Nacht 🙂

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  5. Die Klickerei und Fresslust hat mich unbewusst wieder zu diesem Gericht geführt. Musste lachen als ich realisierte dass wir darüber schon einmal miteinander gesprochen haben. Mir scheint das will(i) bei uns auch bald einmal in die Pfanne.
    Ganz herzliche Grüsse, Bernhard

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