Das Kürbisbaguette

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Was macht ihr so, wenn die halbjährlich wiederkehrende Umstellung der Uhr euren ultradianen Rhythmus durcheinander bringt? Ich meine, Physiker warnen schon lange vor den Folgen dieser ständigen Erschütterungen des Raum-Zeit-Kontinuums.  Doch in meinem Fall stimmen ihre wissenschaftlich sicherlich exakten Berechnungen nicht so ganz. Die Tatsache, dass sich mein Schlaf-Wach-Rhythmus nicht einfach einmal so mit einem leichten Schwups am Zeiger der Uhr um eine volle Drehung zurückschwingen läßt, beschenkte mich mit einer goldenen Morgenstunde:

Jeden Morgen, wenn ich aufwache und bereits genügend Tageslicht durch das Zimmerfenster eindringt oder aber ich schon die kleine Lampe auf dem Tischchen neben meinem Bett angeknipst habe, blicke ich auf die schön geschwungenen goldenen Letter oben an der Wand, meinem Bett gegenüber: „Der frühe Vogel kann mich mal!“ „Stimmt“, denke ich dann regulär, kuschle mich nochmals wohlig ein und träume weiter. Das entspricht meinem ganz persönlichen ultradianen Rhythmus Tag für Tag, weitgehend unabhängig von jeder Uhr.

So war es auch heute und doch war alles anders. Mein Körper hatte sich nicht geirrt, aber in der Nacht hat irgendwer die Uhr zurück gestellt. Mit wohligem Kuscheln und Träumen war ich immer noch eine Stunde zu früh aus dem Bett gehüpft, hatte eine Stunde zu früh festgestellt, dass der Brotkorb leer ist, wobei mein Magen ein meinem Ernährungszustand absolut nicht entsprechendes Knurren äusserte. Nun denn, dann wird diese 1 Stunde eben nicht verschlafen, sondern verbacken. Kurz habe ich meinen Bauchnabel sanft gepudert und meinen Magen damit streichelnd beruhigt, dass er köstlichst belohnt würde, wenn er sein Hungergefühl der neuen Zeitrechnung anpassen und darüber hinaus noch ein wenig nach Hinten verschieben würde. Ich hatte da nämlich bereits so eine Idee, die dieses Mal wirklich genial sein könnte und nicht wieder scheitern musste. Gestern meinte ich ja auch schon eine geniale Idee gehabt zu haben. Die floppte aber kolosal.

Neben meiner Entenkeule legte ich einen kleinen Hokaidokürbis mit in den Backofen. Die  mich leitende Idee bestand aus der Vorstellung, dass sich dieser einfacher aushöhlen lassen würde, wenn ich ihn kurz im Backofen backe. Doch dann habe ich ihn neben der Entenkeule vergessen. Er stand da im heißen Backofen so schön ganz und knalleorange, bis ich ihn zum Herausheben behutsam umfasste. Da war es vorbei. Er fiel einfach saftvoll in sich zusammen, zerbrach in ca drei gleichgroße Teile. Ich hatte keinen Kürbis mehr, dem ich eine Geister verjagende Fratze schnitzen konnte. Dafür aber ein gutes Kilo safiges butterweiches Kürbisfleisch. Nach dem Abkühlen landete dieses erst einmal planlos in den Kühlschrank. Und als mich vorhin der leere Brotkasten angähnte, da blitzte in mir das Wort „Kürbisbrot“ auf.

Kürbisbrot also zum Frühstück, gebt zu, das ist eine gute idee. Schnell, einfach und relativ unkompliziert musste es jetzt nur noch gehen und gleich trat eine Erinnerung hervor, an mein erstes Baguette, das ich letztes Wochenende gebacken hatte.

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Das war mit ja recht gut gelungen und es brauchte wirklich nicht viel: Mehl, Wasser, Salz, Hefe und eine besondere Falttechnik. Rezept und Anleitung hatte ich bei Aurelie Bastian gefunden. Und ja, ich war ganz davon angetan, auch wenn es immer noch nicht ganz so knusprig und luftig geworden war, wie die Baguettes in Paris.  So schmeckte es dennoch um das 1001fache besser, als die von dem Bäcker hier unten an der Ecke. Finde ich zumindest völlig neutral, unvoreingenommen und bescheiden. Also habe ich mich ans Werk gemacht:

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Wie so oft ging ich intuitiv und nach Gefühl vor, denn die Beschaffenheit, die der Teig haben sollte, war mir ja jetzt vertraut. ich mischte also folgende Zutaten zügig zu einem weichen, sehr geschmeidigen Teig zusammen:

  • ca 300 g Mehl Typ 550
  • 1/2 Päckchen Trockenhefe
  • 1 TL Salz
  • ca 200 g gebackenen Hokaidokürbis mit 200 ml warmen Wasser pürriert

Diesen formte ich zu einer Kugel, die ich kräftig mit Mehl bestreute und dann abgedeckt 20 Minuten gehen ließ.

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Beim weiteren Vorgehen hielt ich mich an die gut beschriebene Anleitung von Aurelie Bastian, was die Falttechnik betrifft. Die Ruhephasen dazwischen bin ich – mir typischer Weise – etwas ungenauer angegangen: 3x wird der Teig unter zu Hilfenahme von sehr viel Mehl, weil er so weich und auch noch klebrig ist, vorsichtig zu einem Quasiviereck auseinandergedehnt. Dieses wird dann von Ecke zu Ecke, wie ein Briefumschlag oder ein Himmel-Hölle-Spiel übereinandergefaltet. Ich habe das fotografiert, als ich letzte Woche das Baguette gemacht hatte:

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Abschliessend kommt dann noch „le faconnage“. Was das ist und wie es funktioniert beschreibt Aurelie Bastian wundervoll in ihrem kleinen Video.

Doch ganz so einfach ist es nicht. Ich darf da noch ein wenig üben:

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Den Backofen hatte ich auf 230º C Ober- und Unterhitze vorgeheizt und auf der untersten Schiene eine mit Wasser gefüllte Fettpfanne geschoben. Das blubberte und dampfte schön, als ich mein Baguette auf der mittleren Schiene hineinschob. Dann schaltete ich den Ofen auf 200º C herunter. Nach ca. 35 Minuten war das Brot fertig

Ich finde, mein Kürbisbaguette ist wundervoll: Schön orange, aussen knusprig und innen eher soft, dezent luftig, mit einem leicht süßlichen Aroma. Mir krümmelt es gerade mein Läptöpchen voll.

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12 Kommentare Gib deinen ab

  1. Es Marinsche kocht sagt:

    Kürbisbrot mit Butter……mmmmmmh……Kürbisbrot mit Butter und Erdbeermarmelade….doppelmmmmmmmhhhhhh 🙂

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    1. Wiltrud sagt:

      👍 👍 👍
      Erdbeermarmelade habe ich leider nicht, Ich bin auf Apfelgelee ausgewichen 😉

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      1. Es Marinsche kocht sagt:

        Auch fein 🙂

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  2. ohneeinander sagt:

    Das probiere ich nächstes Wochenende aus 👍🏻

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    1. Wiltrud sagt:

      ja, mach das. Es ist echt lecker. Und sei nicht irritiert, wenn der Teig so weich bleibt. Hauptsache ist es schön viele Luftbalsen hineinzufalten 😉

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      1. ohneeinander sagt:

        Okay. Und den Kürbis lege ich so wie du in den Backofen?

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      2. Wiltrud sagt:

        vielleicht kannst du ihn auch weich kochen. Dann bracuhst du vieleicht weniger Wasser zum pürieren, weil das Fruchtfleisch noch feuchter ist. ausprobieren 🙂

        Ich habe aber nur einen Teil vom Kürbis genommen, so kanpp 200 g, eben nach Gefühl, sorry.

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      3. ohneeinander sagt:

        Ich und probieren? 😱 da kommt irgendwas raus, nur kein Kürbisbrot.

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      4. Wiltrud sagt:

        ach was, das klappt schon.
        300 g Mehl
        300 g Kürbispüree
        1/2 Päckchen Trockenhefe
        Saz nach Geschmack
        und evtl noch etwas warmes Wasser, falls der teig zu trocken wird.

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      5. ohneeinander sagt:

        Danke. Wird schon schief gehen 😜
        Zur Not nehme ich das Baguette dann als Ausklopfer 😉

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      6. Wiltrud sagt:

        das wäre dann ein stylisches Haushaltsaccessoir, ein Anfang in der Besenkammer 😉

        Gefällt 2 Personen

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