Das Kürbismenü

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Kürbisse sind Pflanzen der Superlative und das gilt nicht nur für die spektakulären Riesenkürbisse: Sie sind die Pflanzen mit den größten Beeren und den größten Samen überhaupt. Ihre Früchte zählen zu den wasserreichsten Gemüsearten und als Kulturpflanze sind sie wesentlich älter als Mais und Bohnen. Es gibt über 850 verschiedene Kürbisarten, darunter Gurken, Melonen und der italienische Zucchini. Doch ich lerne die Herbstkürbisse erst langsam lieben.

Es gab wenig, was ich als Kind nicht mochte. Dazu zählte Kürbis süßsauer eingelegt. Dieses schaurige Geschmackserlebnis hatte sich mir tief, sehr sehr tief eingeprägt. Ohne jede bewusste Erinnerung daran wusste ich einfach, dass mir Kürbis nicht schmeckt. Nur bei der Vorstellung ihn kosten zu müssen, schüttelte ich mich innerlich. Kürbiskerne und Kürbiskernöl hingegen liebte ich schon immer sehr.

Vor rund 10 Jahren dann auf einem Herbstfest in der KiTA, die meine Kinder besuchten, gab es eine herzhafte Kürbissuppe mit Kreuzkümmel, Koriander, Ingwer, Chili und Knoblauch. Das war der Beginn eines Neuanfangs zwischen Kürbis und mir. Von Herbst zu Herbst wurde ich mutiger und probierte immer wieder neue Sachen mit ihm aus. Und als mir nun so kurz vor Halloween, einem unserem Kulturkreis ja eigentlich fremden Fest, mein kleiner Hokaido im Backofen in sich zusammenfiel,  fühlte ich mich quasi verpflichtet ein feines Menü aus ihm zu zaubern. Meine Art der Wiedergutmachung für meine Unachtsamkeit. Auf dem Bauernmarkt hatte ich von den letzten Steinpilzen und den letzten Zwetschgen für dieses Jahr gekauft. Die galt es nun mit meinem gebackenen Kürbis stilvoll zu kombinieren. Es war, wie ich finde, ganz wunderbar gelungen:

Das Entrée

Kürbisbaguette mit Avocadocreme

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Zutaten für 2 Personen

  • 1 reife Avocado
  • ½ TL Limettensaft
  • 80 g Ziegenfrischkäse
  • 2 getrocknete, in Öl eigelegte Tomaten
  • Salz und Pfeffer
  • 2 – 3 kleine Cocktailtomaten
  • Wasser
  • 1 TL Schnittlauchröllchen
  • 2 Scheiben Kürbisbaguette
  • 1 Knoblauchzehe
  • Olivenöl

Küchengeräte

1 Messer, 1 Teelöffel, 1 Gabel, 1 Schüsselchen, 1 kleiner Topf, 1 Pfännchen

Zubereitung

Die Avocado halbieren, entkernen und das Fruchtfleisch mit dem Löffelchen ausschaben und in das Schüsselchen geben.

Mit Limettensaft begießen und mit der Gabel zerkleinern.

Den Ziegenkäse unterheben.

Die Tomatenscheiben in kleine Würfelchen schneiden und ebenfalls unter die Creme heben. Mit Salz und Pfeffer abschmecken. (Wer mag, gibt noch etwas Oregano und/oder Chili dazu).

Die Cocktailtomaten am Stilansatz kreutzweise anschneiden und kurz in kochendes Wasser geben. Dann die Haut abziehen, die Tomaten in kleine Stückchen schneiden und leicht salzen.

Etwas Olivenöl in der Pfanne erhitzen. Die Knoblauchzehe schälen, in dünne Scheiben schneiden und goldbraun anbraten. Dann aus dem Öl nehmen und die Brotscheiben von beiden Seiten anrösten. (Das Rezept für das Kürbisbaguette findet ihr hier.)

Das geröstete Brot großzügig mit der Avocadocreme bestreichen, die Tomatenstückchen und abschließend die Schnittlauchröllen darüber streuen und servieren.

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Der Hauptgang

Ravioli mit Kürbis-Blutwurstfüllung an Steinpilz-Hagebutten-Ragout

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Zutaten

  1. Der Nudelteig für 4 Portionen
  • 3 Eier
  • 1 Eiweiß
  • 2 TL Olivenöl
  • 300 g Weizenmehl
  • 150 g Hartweizengrieß
  • Salz
  1. Die Füllung
  • 200 g gebackenen Hokaidokürbis
  • 100 g geräucherte Blutwurst
  • 1 Schalotte
  • 1 TL Butter
  • Salz und Pfeffer
  • 1 Eigelb zum bestreichen
  1. Das Steinpilz-Hagebutten-Ragout
  • 200 g Steinpilze
  • 1 Schalotte
  • etwas Butter
  • 1 TL Hagebuttengelee
  • 50 ml Riesling
  • 150 ml Sahne
  • 1 TL feingehackte krause Petersilie
  • 1 TL feingeschnittenen Schnittlauch
  • Salz und Pfeffer

Küchengeräte

1 Schüssel, Frischhaltefolie, Nudelholz, Ausstechform, Pinsel, großer Topf, 1 Schneidebrett, 1 Messer, 1 Gabel, 2 Pfannen

Zubereitung

Die Ravioli kann man schon am Vortag zubereiten und im Kühlschrank aufbewahren. Der Teig braucht wenigstens 30 Minuten Ruhezeit, ehe er weiterverarbeitet werden kann. Da es ein wenig aufwendig ist, macht ruhig gleich ein paar Ravioli mehr. Sie lassen sich roh prima einfrieren und dann portionsweise auftauen und weiterverwenden.

Für den Teig verrührt ihr rasch alle Zutaten miteinander, knetet diesen dann gut durch, bis er sich geschmeidig anfühlt, wickelt ihn dann in Frischhaltefolie, um ihn im Kühlschrank ruhen zu lassen. Nach frühestens 30 Minuten holt ihr ihn wieder aus dem Kühlschrank und lasst ihn ein wenig aufwärmen.

In dieser Zeit könnt ihr das Kürbisfleisch mit einer Gabel oder einem Pürrierstab zerkleinern.

Die Schalotte und die Blutwurst scheidet ihr in kleine Würfelchen.

Die Butter erhitzt ihr in einer Pfanne und schwitzt zunächst die Schalottenwürfel darin an. Dann gebt ihr die Blutwurst hinzu und lasst diese kurz anrösten.

Nun rührt ihr diese Mischung unter das Kürbispüree und schmeckt es mit Salz und Pfeffer ab.

Jetzt könnt ihr den Nudelteig auf einer mit Mehl oder Hartweizengrieß bestäubten Fläche dünn ausrollen.

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Ich habe dann mit einem Glas runde Scheiben ausgestochen. Ihr könnt eure Ravioli aber auch nach einer anderen Methode herstellen.

Die Teigkreise habe ich mit dem Eigelb bestrichen. Das ist ein wunderbarer Klebstoff.

Dann mit einem Teelöffelchen jeweils etwas von der Kürbis-Blutwurstfüllung auf die Teigkreise gefüllt und diese abschließend zu Halbmonden zusammengefaltet.

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Pro Person habe ich 6 Ravioli beiseite gestellt. Die übrigen Ravioli fror ich ein.

Während ich in einem großen Topf Wasser zum kochen brachte, putzte ich vorsichtig die Steinpilze und schnitt diese klein. Die Schalotte würfelte ich.

Als das Wasser für die Ravioli zu sieden begann, habe ich in einer Pfanne etwas Butter erhitzt und die Schalottenwürfel darin angebraten.

Anschließend gab ich die Steinpilze hinzu und ließ sie anbräunen. Dann löschte ich mit dem Riesling ab und rührte das Hagebuttengelee unter.

Nun gab ich Salz und anschließend die Ravioli in das sprudelnd kochende Wasser sowie die Sahne und 2/3 der Kräuter an die Steinpilze.

Nach ca. 2-3 Minuten sind die Ravioli und auch das Steinpilzragout fertig. Letzteres mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Den Herd ausschalten. Das Steinpilz-Hagebutten-Ragout auf vorgewärmte Teller verteilen. Die Ravioli, die jetzt an der Wasseroberfläche schwimmen abschöpfen und über dem Ragout anrichten. Mit den restlichen Kräutern bestreuen, servieren und genießen.

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Das Dessert

Feurigkühle Kürbis-Sanddorncreme mit karamelisierten Zwetschgen

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Die Creme benötigt wenigstens 4 Stunden, um fest zu werden

Zutaten für 2 Portionen

  • 200 g Kürbispüree (von dem gebackenen Hokaido)
  • 150 g Joghurt
  • 3 Blatt Gelatine
  • 1 El Sanddorngelee
  • 1 Messerspitze getrockneten Chilli
  • 1 Messerspitze Zimt
  • 1 TL Zucker
  • 3 Zwetschgen
  • etwas Butter
  • 1 TL Zucker
  • 1 Prise Zimt

Küchengeräte

1 Schüssel, 1 Schneebesen, 1 Arbeitsbrettchen, 1 Messer, 1 Pfännchen 1 Schälchen mit Wasser

Zubereitung

Das Kürbispüree mit dem Joghurt, dem Sanddorngelee und den Gewürzen verrühren.

Die Blattgelatine in Wasser aufweichen, ausdrücken und kräftig unter die Kürbis-Joghurtmasse schlagen. Diese auf Schälchen aufteilen und im Kühlschrank wenigstens 4 Stunden ruhen lassen.

Dann die Zwetschgen waschen. 2 davon in 5 Spalte schneiden. Von der 3. Zwetschge zwei runde Scheiben abschneiden und den Rest vernaschen.

Butter in einem Pfännchen schmelzen. Die Zetschgen darin anbraten, mit Zucker und Zimt bestreuen, kurz wenden und auf der Creme zu Blümchen oder Sternchen anrichten.

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20 Kommentare Gib deinen ab

  1. Ruhrköpfe sagt:

    Hm, das Dessert klingt gut 🙂
    Schon beeindruckend, wie vielseitig Kürbis verwendbar ist

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    1. Wiltrud sagt:

      richtige Tausendsassa 😀

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  2. ohneeinander sagt:

    So lecker. Ich bin auch eine Kürbis Fänin 😚

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    1. Wiltrud sagt:

      ich werde gerade erst eine 😉

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      1. ohneeinander sagt:

        An deinem guten Geschmack habe ich nie gezweifelt 😉

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      2. Wiltrud sagt:

        das ehrt dich ganz gewaltig 😉

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      3. ohneeinander sagt:

        Die Dinkelbrötchen am Wochenende haben meine Figur ruiniert 😱 ich habe jetzt ernsthaft in Erwägung gezogen, das Projekt Kürbis Baguette zu verschieben oder komplett zu streichen. Ich musste dir das gestehen.

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      4. Wiltrud sagt:

        oh oh oh nein! Verschieben ist okay, aber streichen wäre ein Fehler.

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      5. ohneeinander sagt:

        Wie lange hält sich ein Hokkaido im Keller?

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      6. Wiltrud sagt:

        hahahaha…. finde es heraus!

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      7. ohneeinander sagt:

        Okay. Zur Not kaufe ich dann einen für 5 Euro im Supermarkt 😀

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      8. Wiltrud sagt:

        immer noch shr günstig für so ein köstlichgutes Kürbibaguette 😘

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      9. ohneeinander sagt:

        Hey, ich wollte dich irgendwann herausfordern, wer die engere Jeans anziehen kann 😀

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      10. Wiltrud sagt:

        Ich bin eine Mondfrau 🌝

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  3. kathriene sagt:

    Ich esse zwar nur sehr wenig Kürbis, aber bei den Früchten geht mir immer das Herz auf. Diese leuchtenden Farben, wenn sie aufgestapelt zum Verkauf auf den Feldern liegen. Diese Vielzahl an verschiedenen Formen. Diese üppige Fülle.
    Ich kann nie daran vorbeigehen, kaufe mir jedes Jahr welche und dekoriere damit den Hauseingang. NachHalloween werden sie verarbeitet 🙂
    Ich glaube, ich probiere mal dein Kürbis-Baquette….

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    1. Wiltrud sagt:

      die Vielfalt an Kürbissen mit ihren Farben und Formen finde ich auch faszinierend. Kann dich da gut verstehen.

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  4. Landidylle sagt:

    Dieses Menue. Jetzt. Hier. Das wäre sooo fein! 🙂

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    1. Wiltrud sagt:

      Wenn ich das geahnt hätte…! Heute Mittag hatte ich einige Ravioli aus dem Tiefkühl geholt und mit einer Zwiebelrieslingsauce zubereitet. Hätte euch etwas abgegeben, ganz bestimmt.

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