Auberginen-Walnuss-Dip (Kashke Bademjan) – کشک بادمجان

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Ab und zu darf ich die Hausärztin aufsuchen und gelegentlich geschieht das ohne vorheriger Absprache und Terminvereinbarung. Das ist dann jedes Mal Party für die Gäste, die sich ungeladen in meinem Körper niederließen, ihn genüsslich quälen und ermatten bis mir das sogar aufs Gemüt gehen kann. Viren. In Hochstimmung treffen sie in dem kleinen bestuhlten Warteraum bei geschlossenen Fenstern und Türen auf wenigstens zehn weitere gutbesuchte Gastmenschen. Ich höre sie förmlich Jauchzen und Jubeln, diese Viren, während sie sich nach kurzem Schlange-stehen mit 180 km/h durch die Zimmerluft schießen lassen, Pirouetten und Saltos schlagen, mit anderen Viren ein Tänzchen wagen, sich vermählen, Resistenzen bilden, um sich wieder niederzulassen und lustig zu vermehren, in mir und den anderen. Wir Menschen sitzen dabei, schweigend, schwach und scheinbar teilnahmslos. Mit letzter Kraft gelingt es mir dann so gerade noch, dem Aufruf meines Namens folgend, die Hausärztin müde lächelnd zu begrüßen und dieses Gruselkabinett wieder zu verlassen… Prävention und Vorsorge lassen mich diesen Ort auch nur aufsuchen, wenn es absolut unvermeidlich ist. Doch letztens war das anders. Ein kleiner Bedarf an Überweisungsscheinen zu dem einen und der anderen Spezialistin führten mich in die Praxis. Damit will ich jetzt aber keinen Bezug zu den aktuellen kleinen Erkältungsmonstern in meinem Körper herstellen oder über Krankheitserfahrungen schreiben. Nein, die Überleitung geht anders:

Denn kaum zweihundert Meter von der Arztpraxis entfernt gibt es ein kleines Lädchen. Es erinnert an einen Tante Emma Laden wie es sie heute noch ab und zu in Kleinstädten und auf Dörfern gibt, nicht aber in der großen Stadt. In der Großstadt findet man eher begehbare Kioske, die völlig überteuert alles für den täglichen Bedarf Feil bieten. Dieser „Tante Emma Laden“ war früher wohl ein kleines türkisches Lebensmittelgeschäftchen. Dann gab es eine Phase, da wechselten die Geschäftsinhaber ständig, bis vor fünf Jahren ein junger Iraner diesen Laden übernahm. Nach und nach füllte er die leer gekauften Regale mit persischen Lebensmitteln neu auf, wohl nicht nur zu meiner Freude.

Seitdem komme ich nach einem Besuch der Hausärztin nicht mehr an dem Lädchen vorbei. Wenigstens muss ich frische persische Datteln, Pistazien oder Kräuter kaufen. Meistens lasse ich mich dabei in ein kleines unverbindliches Gespräch einwickeln. So war es auch letztes Mal. Ich erfuhr einiges über seine unglückliche Liebe, über persische Kobrafrauen und iranische Patriarchen. „Wollen Sie Kashke Bademjan machen?“ fragte er mich dann fast zusammenhangslos, während er mir die Auberginen abwog. „Ich liebe Kashke Bademjan. Das ist das beste persische Essen, aber nur, wenn meine Oma es macht.“ Wenn er jetzt an seine Oma denkt, muss sein Herzschmerz groß sein, blitzte es durch meinen Kopf. Ich sagte aber: „Kashke Bademjan? Nein das kenne ich nicht.“ „Das müssen Sie kennen lernen. Es ist das Beste!“ Er holte eine Dose aus dem Regal. „Aber es muss mit Walnüssen sein, unbedingt oder von meiner Oma. Bah bah bah, ich liebe das Kashke Bademjan meiner Oma.“ Er las kurz, was auf der Dose stand, um sie dann wieder ins Regal zurück zu stellen. „Das war nicht gut, es enthält keine Walnüsse. Seit ich vor fünfzehn Jahren nach Deutschland kam, habe ich sie nicht mehr gesehen.“ Er schwieg sehr kurz. „Sie müssen Kashke Bademjan probieren!“ „Wie ist denn das Rezept?“ fragte ich. Doch das konnte er mir nicht sagen, da er nicht kochen könne. Meine Neugier hatte er geweckt. So kaufte ich zu den Auberginen noch ein Glas Kashk. Walnüsse hatte ich zu Hause.

Dort angekommen ließ ich mir via Skype von meiner Nichte erklären, dass Kashke Bademjan kein Hauptgericht, sondern eines der vielen kleinen Beilagengerichte sei, die nach und nach mit auf den immer voller und verführerisch werdenden Essenstisch oder –tuch dazugestellt werden. Nach ihrer Anleitung habe ich es dann so gemacht:

Kashke Bademjan

Zutaten

  • 3-4 Auberginen
  • 2 Zwiebelne
  • 1-2 Knoblauchzehen
  • 1/4 TL Kurkuma
  • 1 EL getrocknete Minze
  • 40 g Walnusskerne gemahlen
  • 150 ml Kashk (alternativ würde ich Ziegen- oder Schafsjoghurt nehmen)
  • 1 TL Granatapfelsirup (optional)
  • Chili, Salz und Pfeffer
  • Öl

Zubereitung

Traditionell werden die Auberginen geschält, in Scheiben geschnitten, gesalzen und in (viel) Öl goldbraun fritiert. Ich hatte die Auberginen ca. 30 Minuten im Backofen bei 180° C weich gebacken und dann gehäutet. Anschließend werden sie mit einer Gabel, einem Kartoffelstampfer oder einem Pürierstab zu Mus zerkleinert.

In etwas Öl werden die in Würfeln oder Scheiben geschnittenen Zwiebeln glasig gedünstet. Dann kommen die Knoblauchstückchen und das Kurkuma dazu. Alles so lange braten lassen, bis die Zwiebeln eine schöne goldbraune Farbe angenommen haben und sie dann unter das Auberginenmus rühren. Evtl. ein paar Zwiebelchen für die Deko beiseite halten.

Die gemahlenen Walnüsse idealer Weise kurz fettfrei anrösten, bis auch sie eine goldene Farbe haben und ebenfalls unter das Auberginenmus heben.

Die Minze in etwas Öl knusprig braten und mit den weiteren Gewürzen und dem Kashk unter das Auberginenmus heben. Wenn die Masse zu fest sein sollte, ein wenig Wasser beimengen.

Zum Anrichten könnt ihr den optisch eher unattraktiven Brei mit Zwiebeln, Minze und Kashk ein wenig dekorieren und serviert es noch warm oder bei Zimmertemperatur.

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Übrigens läßt sich Kashke Bademjan sehr gut vorbereiten. Ich finde, es schmeckt noch besser, wenn es mehrere Stunden durchziehen und sich die Aromen miteinander verbinden konnen.

20 Kommentare Gib deinen ab

  1. Es Marinsche kocht sagt:

    Oh das tönt fein 🙂 Baba Ghanousch mal anders

    Gefällt 2 Personen

    1. Wiltrud sagt:

      es freut mich, wenn es dir gefällt. Es gibt ja so viele köstliche Auberginenmusrezepte 😉

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      1. Es Marinsche kocht sagt:

        Schtümmt 🙂 mit den Walnüssen ist eine tolle Idee

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      2. Wiltrud sagt:

        persische Art halt 😉

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  2. kowkla123 sagt:

    super Text von dir, vielen Dank, herzliche Grüße am heutigen Tag

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    1. Wiltrud sagt:

      Es freut mich, wenn der kleine Text gefällt. Danke für das Lob und Dir einen schönen Abend.

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      1. kowkla123 sagt:

        ist so, vielen Dank, Klaus

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  3. Ruhrköpfe sagt:

    wenn nur die Auberginen nicht wären 😉 Liebe Grüße, Annette

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    1. Wiltrud sagt:

      Du bst eine 😀
      Zucchini oder Hülsenfrüchte könnten eine Alternative sein?

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      1. Ruhrköpfe sagt:

        alles, außer Aubergine, die sind einfach nicht mein Ding 😉

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      2. Wiltrud sagt:

        gut zu wissen 🙂

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  4. Limenaria sagt:

    Auberginen liebe ich in jeder Form. Dein Rezept hört sich sehr lecker an 🙂 und die Geschichte dazu finde ich klasse !

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    1. Wiltrud sagt:

      danke, das freut mich beides 🙂

      Weißt du was ich vermisse, die in Honig eingelegten Walnüsse von Thassos.
      Mein letzter Bergsalbei und auch das Oregano sind mittlerweile auch aufgebraucht.

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      1. Limenaria sagt:

        Wenn du möchtest, bringe ich dir im März ein kleines Glas Honig mit Walnüssen mit und ein bisschen selbstgemachten Oregano und sende es dir ;).

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      2. Wili sagt:

        DAs würdest du tun? Ja, da würde ich mich sehr freuen. Du könntest es mir auch in Köln übergeben. Ich bin öfter in der Stadt und wir könnten uns dann treffen 😉

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      3. Limenaria sagt:

        Ich habe es mir schon im Kalender notiert, mache ich gerne für eine langjährige Thassos-Liebhaberin :).

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      4. Wili sagt:

        Das ist toll, ich freue mich riesig 🙂

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  5. Limenaria sagt:

    Ich meine natürlich selbstgepflückten Oregano 😀

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