Pfefferkuchen & Quittenbrot

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„Der Dritte – und endlich gibt’s Plätzchen“ las ich gerade bei Susanna verwundert darüber, wie sie sich meiner Worte bedienen konnte. Bisher hatte ich diese doch nur gedacht und noch nicht niedergeschrieben. Geschrieben? Nein, getippt.  Jede und jeder von uns hat ja so seine eigene Art zu bloggen. Ich zum Beispiel koche, fotografiere, esse, pausiere und räume die Küche auf. Dann setze ich mich gemütlich mit meinem Laptop nieder, lade die Fotos hoch, korrigiere vielleicht ein wenig am Kontrast oder der Helligkeit, bastle manchmal noch eine kleine Spielerei ein, öffne WordPress, lese nach, was neu erschienen ist und kann mich dabei auch schon einmal von Gedanken und kleineren Smaltalks entführen lassen. Während dieser Zeit kann sich dann so viel in meinerm Kopf ereignen, dass ich völlig von meinem Ursprungsweg abkomme und mich auf neue Pfade in meiner Gedankenwelt begebe. Ich wollte doch genau mit diesem Satz am Anfang dieses Textes beginnen und jetzt hat Susanna das schon gemacht. Sie hat diesen Satz sogar als Überschrift ihres Beitrags gesetzt. Was mache ich denn da jetzt? Fast wie Rotkäppchen stehe ich nun da im finsteren Wald der Neuronen und Synapsen. In der einen Hand halte ich mein weihnachtliches Naschwerk, in der anderen einen bunten Strauss neuer Eindrücke. Nur der klare Weg vor mir ist gerade weg. Die Gegend sah vorhin auch noch ganz anders aus, war eher ein Blick zurück, bereits silbrig verklärt vom Erinnerungsstaub, der sich in vielen Jahren ansammeln konnte, nostalgisch, wärmend und auch ein wenig traurig.

Dabei war es in der Wohnung in der Neumarktstraße im Winter immer kalt und ungemütlich, so ganz anders, als bei Omi und Opi in der Düsseldorfer Straße. Nur das Wohnzimmer war beheizt. Doch da durften wir Kinder nur ohne Schuhe und völlig bewegungslos auf dem großen, tannengrünen und samtweichen Sofa sitzen, ohne die Kissen einzuknicken. Über dem Sofa hing ein riesiges Ölgemälde im goldenen Rahmen. Das zeigte tatsächlich einen stolzen Hirschen mitten in einem grünen Wald. Der niedrige Couchtisch aus dunklem Eichenholz wurde sonntags von meinen beiden Tanten in eine festliche Tafel verwandelt. Um diese herum, zwischen den beiden schweren Sesseln, wurden die Küchen- und Arbeitszimmerstühle aufgestellt. Es kam überhaupt nicht in Frage in der großen Arbeitsküche am großen Essenstisch zu speisen. Jedes Familienmitglied erhielt seinen Platz im Wohnzimmer zugewiesen. So streng und steril es dort zunächst zuging, so fröhlich und lebendig wurde es, waren erst einmal all die Leckereien meiner Oma aufgetischt. Als Kind liebte ich das Essen meiner Oma und wünschte mir im Stillen nur all zu oft, sie könne so herzlich und warmherzig wie die Omi sein. Man sagte mir zwar, dass die Oma zwei Kriege überlebt hätte und ich das verstehen solle. Doch das war so abstrakt, wie die Oma kalt wirkte. Was wusste ich von Krieg? Was wusste ich von Flucht? Wie konnte und sollte ich ermessen können, was es heißt als schöne rosige Frau den Rollstuhl mit der Mutter, alles tragbare Hab und Gut sowie 3 kleine Kinder durch den tiefen kalten Schnee zu bewegen, um das Leben zu bewahren, während der Mann irgendwo an der Front kämpft?  Was wusste ich um die liebevollen Mühen und die tapfere Selbstbeherrschung meiner Oma, damit ihre Enkelkinder unbelastet, gesund und stark in eine bessere Zukunft hineinwachsen konnten? Was wusste ich von ihrer Art?

Pfefferkuchen und Quittenbrot sind zwei weihnachtliche Süßigkeiten, die fehlten nie auf dem Gebäckteller meiner Oma. Wenn sie mal keine Quitten auftreiben konnte, ersetzte sie diese durch Äpfel. In den ersten Jahren meiner Erinnerungen war ihr Weihnachtsbaum mit Strohsternen, Pfefferkuchenfiguren an roten Bändern und Kerzen geschmückt. Wenn wir dann endlich zu Besuch kamen, dann durften wir vom Weihnachtsbaum naschen, aber immer nur ein Figürchen. Die sommerhimmelblauen Augen meiner Oma blitzten dabei ein wenig besorgt um den festen Stand des Weihnachtsbaumes und freudig neugierig, welche Pfefferkuchen wir uns denn aussuchen würden.

Pfefferkuchen

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Zutaten

  • 500 g Honig
  • 2 El Gänseschmalz
  • 500 g Mehl
  • Zimt, Kardamon, Piment, Nelken
  • 100 g Mandelstifte
  • 30 g kandierte Pommeranzenschalen
  • 50 g Zitronat
  • 15 g Pottasche
  • 2 g Hirschhornsalz
  • 1 Prise Salz
  • 2 EL Rum
  • Mandeln zum dekorieren

Küchengeräte

1 Topf, 1 Schüssel, 1 Glas, 1 Backblech mit Backpapier

Zubereitungszeit

3-4 Wochen

Zubereitung

Das Mehl wird mit den Gewürzen, den Pomeranzenschalenstückchen, Mandelstiften und Zitronat gemischt.

Den Honig und das Schmalz langsam erwärmen und dann unter das Mehl schütten. Alles gut zu einem klebrigen, glänzenden Teig durchkneten. Diesen auskühlen lassen.

Pottasche und Hirschhornsalz im Rum auflösen, über den Teig geben und diesen nochmals sehr gut durchkneten, mit Mehl bestäuben, abdecken und an einem ungestörten Ort gut 10 Tage lang vergessen.

Die Pottasche nimmt sich sehr viel Zeit um zu wirken (ein wunderbares Gegenmittelchen in unserer schnelllebigen Zeit, gegen Unruhe und Stress). Die Ameisensäure des Honigs und die sich bildende Milchsäure des Teigs unterstützen sie langsam in ihrer Wirkkraft. Darüber hinaus können die Gewürze gut durchziehen und der Geschmack der Pfefferkuchen wird runder.

Nachdem der Teig mehrere Tage in Ruhe aufgehen konnte, wird der Backofen auf 160º C Ober- und Unterhitze aufgeheizt. Der Teig wird wiederholt gut durchgeknetet, nochmals eine Stunde Ruhen gelassen und dann zu einer Platte ausgerollte. Diese Teigplatte wird auf ein gefettetes oder mit Backpapier ausgelegtes Backblech ausgelegt, mit Wasser (oder einem Eigelb) bestrichen und mit Mandeln dekoriert. sodann das Backbelch in den Ofen schieben und den Pfefferkuchen in ca 30 Minuten schön goldbraun backen. Nachdem der fertige Kuchen dann abgekühlt ist, kann er in kleine Stücke geschnitten, evtl. noch mit Zuckerguß verziehrt und in Dosen bis zum Weihnchtstag aufbewahrt werden.

Ich hatte noch ein wenig Teig übrig. Aus diesem habe ich dann ein paar Pefferkuchenfigürchen ausgestochen.

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Quittenbrot

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Zutaten

  • 500 g Quitten und etwas Wasser
  • 250 g Zucker
  • 1/2 Vanilleschote
  • Kokosraspeln

Küchengeräte

1 Topf, 1 Pürierstab, 1 Messer, 1 Holzlöffel, Backblech mit Alufolie ausgelegt

Zubereitungszeit

1 Stunde und 1 paar Tage

Zubereitung

Die Quitten schälen, entkernen, in grobe Stücke schneiden und mit etwas Wasser weich kochen. Dazu gebt ihr das Mark und die halbe ausgeschabte Vanilleschote.

Die Vanilleschote entfernen und die Quitten zu einem feinen, homogenen Brei pürieren. – Ich habe an dieser Stelle auch ein wenig gelbe Lebensmittelfarbe dazu gegeben, weil ich Sterne machen wollte. – Den Zucker unterrühren und diesen Brei unter ständigem rühren zu einer sehr zähflüssigen Masse zerköcheln lassen. Wenn diese langsam vom Löffel abgleitet, ist sie fertig.

Ihr könnt sicherlich auch den Fruchbei mit Agar Agar binden,  statt diesen durch das Einkochen mit Zucker zu gelieren, wenn ihr Zucker meiden müsst oder wollt.

Die Fruchtmasse wird auf ein mit Alufolie ausgelegtem Backblech ausgestrichen und auskühlen gelassen. Dabei könnt ihr sie einmal wenden. Die abgekühlte Masse könnt ihr in kleine Rauten schneiden oder mit Förmchen ausstechen, in Kristallzucker oder Kokosraspeln wenden und auf Butterbrotspapier stapeln. Diese solltet ihr dann noch 1-2 Tage an der Luft austrocknen lassen, ehe ihr sie in Dosen aufbewahrt.

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8 Kommentare Gib deinen ab

  1. Sehr schön!!! Es schmeckt bestimmt lecker… 🙂

    Gefällt 1 Person

    1. Wili sagt:

      ich habe es noch nicht probiert…. 😉

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  2. Es Marinsche kocht sagt:

    Nostalgisch schön 🙂 da fällt mir eine ehemalige Bekannte ein. Eine, damals schon ziemlich betagte liebenswerte, Dame die uns regelmäßig zur Weihnachtszeit einlud. Der Christbaum stand in einem Ständer der sich drehte und dazu erklang, wie bei einer Spieluhr, ein Weihnachtslied.

    Nun begab es sich Jahr für Jahr das diese Dame mühsam unter den ausladenden Baum kroch um die Spieluhr wieder aufzuziehen. Dabei verhedderte sich der Baum ( Jahr für Jahr ) in der Gardine und zog sie ( Jahr für Jahr ) mit sich…..dieses herrliche Schauspiel werde ich wohl nie vergessen….samt unseren Kinderlein, die schier vorm losprousten waren, aber trotzdem Contenance übten 🙂

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    1. Wili sagt:

      mh…. bin wohl immer noch ein wenig traurig von meinen Erinnerungen. Deine Geschichte finde ich gerade gar nicht lustig, eher ein wenig beschämend. Man hätte der alten Dame durchaus ein wenig behliflich sein können, wenigstens beim Schutz ihres Vorhanges, statt sie dieser Lächerlichkeit auszusetzen.

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      1. Es Marinsche kocht sagt:

        Vielleicht hätte ich das dazu erwähnen sollen: sie lehnte ( Jahr für Jahr ) jegliche Hilfe ab 😉

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  3. Es war sicher keine Absicht liebe Wiltrud. Auch ohne „geklauten“ Anfang hast du definitiv eine wunderbare Erinnerung geteilt. Lieben Dank dafür!

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    1. Wili sagt:

      Und ich bewunderte dich soooooooo. Es muss eine hohe Kunst sein, Gedanken lesen zu können und dann auch noch von völlig fremden Menschen viele Kilometer weit weg 😀
      Ich freute mich, als i h deine Überschrift las….. Liebe Grüße, Wiltrud

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