Tahucurry an javanischen Vulkanreis

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Ich bin sehr dankbar darüber, dass ich Tahu, besser bekannt als Tofu, und auch Tempeh Ende der 1970ziger Jahre bei indonesischen Studentinnen kennen lernte. So schmeckte ich traditionelle indonesische Tahugerichte, welche die Aromen „exotischer“ Zutaten und Kochtechniken in eine geschmacklich sinnvolle Verbindung mit dem kargen Eigengeschmack und der Textur des „Sojaquarks“ brachten. Tahu und Tempeh lernte ich als exoitische Delikatesse kennen und schätzen und nicht als Imitate westlicher Fleisch- und Wurstprodukte. Die konnten mich nur enttäuschen.

Mit der Popularität von Naturkostbewegung(en) und mit jedem neuen Fleischskandal wurde Tahu bei uns wohl seit den 1980ziger Jahren immer populärer. Allerdings und leider in Form von Fleisch- und Wurstimitaten. Dabei stehen Sojaprodukte grundsätzlich ausserhalb der europäischen Ernährungskultur. Uns fehlte und fehlt bisher die gewachsene Tradition an Rezepturen und Zubereitungsarten, welche das Charakteristische des Tahus unterstreicht. Unsere klassischen Räucher Fleisch- und Wurstaromen verbinden sich leider kaum harmonisch mit dem „Sojakäse“.  Was bleibt sind oftmals fade und eindimensionale Ernüchterungen.

Auch in Indonesien wie in der gesamten fernöstlichen Welt wurde Tahu (und Tempeh) entwickelt, um einen Eiweißmangel für die Mehrheit der Bevölkerung zu lindern. Denn der Zugang zu lebensnotwendigen tierischen Proteinen war den Reichen vorbehalten. Und tatsächlich enthält Tahu viel Protein, alle essentiellen Aminosäuren, viele Vitamine, Mineralstoffe, sekundäre Pflanzenstoffe und pflanzliches Eisen, dessen Aufnahme durch Kombination von Tahu mit Zitronensaft oder anderen Vitamin C-haltigen Lebensmitteln erhöht werden kann. Zudem war Tahu Krankenkost und eine religiöse Fastenspeise. Dies spiegelt sich in den vielen verschiedenen traditionellen Gerichten mit Tahu und Tempeh wieder, die sich gar nicht erst bemühen Fleischgerichte zu imitieren.

Die fleischlose Ersatznahrung auf Sojabasis ist ein kontinuierlich wachsender Trend. Dabei gibt es zahlreiche Gründe Fisch, Fleisch, Eier, Honig und andere tierische Erzeugnisse nicht essen zu wollen: Man möchte der Massentierhaltung sowie der Ausbeutung und Tötung von Tieren entgegenwirken, man möchte sich gesünder ernähren, etc. Ich persönlich bezweifle, dass durch Verzicht und Vegetarismus/Veganismus die Probleme gelöst werden können, welche wir mit unserer Ernährung schaffen. Schuldfrei essen erscheint mir unmöglich, was uns dennoch nicht davon entbindet, achtsam und so verantwortungsvoll wie möglich mit Nahrungsmitteln und Ernährung umzugehen.  Wir hier im reichen Europa beispielsweise leisten uns genfreies Tahu, am liebsten noch in teurer Bioqualität, während Arme und Tiere mit gentechnisch verändertem Soja Vorlieb nehmen müssen.

Mir ist es bis heute fremd geblieben nach Tofuwürstchen zu greifen.  Auch irritiert es mich  immer wieder, wenn Menschen dies tun, obwohl sie Fleisch strikt ablehnen. Da scheint dann der Drang, der die vertraute geschmackliche Sozialisation aufrecht erhalten möchte, stärker zu sein als der Wille zum Verzicht, bzw. auch des geschmacklichen Umdenkens. Andererseits experimentiere ich selbst sehr gerne beim Kochen und verbinde Südostasiatisches mit Orientalischem und Europäischem, immer unter Beachtung der mir bekannten Regeln und Erfahungen dieser Kochkulturen.

Heute möchte ich euch ein Tahucurry vorstellen, dass sich an der indonesischen Küche orientiert. Es schmeckt herzhaft-mild und frisch durch die Kombination von Kurkuma, Kaffir-Limettenblatt und Zitronengras, warm und würzig durch Ingwer, Chili und Koriander. Die Zubereitung ist schnell und einfach, das Ergebnis überraschend lecker. Die einzige Schwierigkeit für dieses Rezept besteht darin die Gewürzpaste in einem Mörser herzustellen. Man kann diesen Vorgang zwar über den Einsatz eines Stabmixers oder einer Küchenmaschine für sich selber erleichtern. Allerdings hat dies Auswirkungen auf den Geschmack. Es ist ein enormer Unterschied, ob die Zutaten im Mörser zermahlen oder im Mixer klein geschnitten werden. Macht euch mal die Mühe und probiert es aus. Ihr werdet staunen.

Zutaten für 3 Portionen

  • 3 kleine rote Zwiebeln oder 1 Schalotte
  • 2 Knoblauchzehen
  • Ingwer, entsprechend der Menge Knoblauch
  • 1 kleine rote Chili
  • 1 TL Kurkuma
  • 1/2 TL Korianderkörner
  • 1 TL Traubenkernöl
  • 200g Tahu gewürfelt
  • 250-300 ml Kokosnussmilch
  • 1/2 TL Zucker
  • Salz
  • 1 Lorbeerblatt
  • 2 Kafirlimettenblätter
  • 1 Zitronengrasstengel
  • 1 mittelgroße Kartoffel in Würfel geschnitten
  • 3-4 braune Champions geviertelt
  • 1 Handvoll grüne Bohnen
  • 2 Blatter Weißkohl in Streifen geschnitten
  • 1/2 Frühlingszwiebel in feine Ringe oder Würfelchen geschnitten
  • ein paar Blättchen Koriandergrün in feine Streifen geschnitten
  • (ich habe dann noch die Unterlage der perkedel kepiting bestehend aus Kopfsalat und Sojasprossen mit verwertet)

Zubereitung

Zwiebeln, Knoblauch, Ingwer, Chili, Korianderkörner und Kurkuma zu einer glatten Gewürzpaste verarbeiten.

Das Öl in einem Topf erhitzen und die Gewürzpaste darin unter Rühren anbraten, bis sie ihr Aroma versprüht. Dann die Tahuwürfel dazugeben und kurz von allen Seite anrösten.

Mit der Kokosnussmilch ablöschen und die übrigen Gewürze hinzugeben.

Wenn die Kokusnussmilch köchelt, die Kartoffelwürfel hinzufügen. Nach ca. 5 Minuten die Bohnen dazugeben, dann, weitere 5 Minuten später die Champions. Zum Abschluss kommen die Weißkohlstreifen hinzu. Sie sollen nur kurz in der Kokusnussmilch blanchiert werden.

Das Tahucurry mit Reis anrichten. Ich habe hier javanischen Vulkanreis dazu gekocht. Koriandergrün und Frühlingszwiebelröllchen darüber streuen. Ihr könnt auch noch geröstete Zwiebeln, geröstete Kokosflocken oder geröstete Erdnüsse dazu geben.

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Selamat makan.

 

 

11 Kommentare Gib deinen ab

  1. Es Marinsche kocht sagt:

    Lecker….ja durch so herrliche Gewürze kann jeder Tofu geadelt werden….ich mag beides, das ursprüngliche an ( gutem! ) Tofu samt Gewürzen, aber auch meine geliebten Tofu Rostbräterle ( hüstel )

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    1. Wili sagt:

      die darfst du ja auch mögen und lieben. Das wollte ich nicht in Frage stellen. Leider hat das erste probieren von Tofuwürstchen bei vielen auch zur Abneigung gegen Tofu geführt, ohne es je richtig kennen gelernt zu haben.

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      1. Es Marinsche kocht sagt:

        Der Weg ist ungut….ja….ich habe erst den Natur, später den Räuchertofu kennen- und schätzen gelernt….die anderen Sachen kamen später 🙂

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  2. Zeilenende sagt:

    Ich brauche wohl doch mal einen Mörser. … Das Rezept gefällt mir, allein schon zur Ehrenrettung des Tofu 🙂

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    1. Wili sagt:

      ja, du brauchst einen Mörser. Und wer wie du Spritzgebäck durch den fleischwolf drehen kann, der kann auch große Mengen Gewürzpasten stampfen 😉
      Und natürlich werde ich mich freuen, wenn du das Rezept mal nachkochen wirst.

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      1. Zeilenende sagt:

        Ich habe Mutter Zeilenende gerade befragt: „Wenn du wieder ausziehst, darfst du dir einen kaufen.“ *g*

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  3. Wili sagt:

    wenn das mal keine faule Ausrede ist 😀

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  4. Limenaria sagt:

    Die Zutatenliste versprechen schon ein einmaliges, lecker duftendes Gericht :). Ich mag Curries sehr gerne und freue mich schon auf das Nachkochen :).

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  5. Das klingt himmlisch 🙂 Tofu hat ja auch den Vorteil, dass man ihm eigentlich fast jeden Geschmack verleihen kann, den man will. Man kann ihn ja auch in Desserts und Smoothies verwenden, was wohl nicht ganz dem klassischen Verwendungszweck entspricht. Wir haben sogar schon mal einen veganen Käsekuchen mit Seidentofu gemacht 😉

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  6. Wili sagt:

    so einen Käsekuchen kann ich mir gut vorstellen.

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