Eine schnelle Schinken-Spitzkohlpfanne

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Heute war der erste Samstag in 2016, an dem sich diese tiefhängende grauschwere Wolkendecke über Hannover in viele kleinere und größere Wolkendeckenfetzen zerteilt hatte und den Blick auf einen sonnigstrahlenden, blauen Himmel eröffnete. Der wenige Schnee, der sich in der Stadt niedergelassen hatte, schmolz rasch weg. Zurück ließ er  lediglich etwas grauschlierigen Matsch auf nassem Asphalt. Ich holte zum ersten Mal in diesem Jahr das Fahrrad aus dem Keller, denn ich bin so eine typische Schönwetterradlerin, und fuhr zum samstäglichen Bauernmarkt. Eigentlich brauchte ich wenig bis nichts. Ein Bund Petersilie und Eier.

Obwohl ja schon meine Kaufentscheidung feststand und ich den mir liebgewonnenen Markständen treu bin, ging ich erst einmal über den gesamten Markt, schaute und verglich die Angebote. Bei den wenigen und immer gleichen Ständen hier am Moltkeplatz lohnt das eigentlich nicht. Zumindest nicht im Winter. Es ist eher so, dass ich mit geschlossenen Augen zielsicher die gewünschten Produkte erwerben könnte. Mich trieben mehr die Freude am unverbindlichen Wochenmarktplausch und die Lust sich von den Leckereien verführen zu lassen an, über diesen kleinen Markt zu schlendern.

So passierte es dann auch, dass mir von der Auslage des Schweinemetzgers Endstücke eines Kochschinkens zuzwinkerten. Es war ja trotz der Sonnenstrahlen kalt, die rechte Jahreszeit also für Deftiges. Man kann sich ja vieles Schönreden, wenn man nur will. Ein kleines Mädchen vor mir auf dem Laufrädchen jammerte, dass es so kalt sei und sie sofort nach Hause wolle. Ihre Mutter säuselte beruhigendes. Dann sang sie ein Singspiel. Die Kleine klatschte in die Wollhändchen, trappelte mit den Schneeboots und sang fröhlich mit, bis die Mutter aussetzte. Da begann ihr Jammern von vorne. Die Mutter stimmte geduldig ein neues Liedchen an. Ich kaufte ein Stück von den Kochschinkenresten, die Eier, die Petersilie und eine kleine Eule aus Bienenwachs. Ein symbolträchtiges Mitbringsel für meine Tochter. Dann radelte ich über einen kleinen matschigen Umweg entlang des Kanals nach Hause.

Zuhause verwarf ich wie so oft – oder sollte ich besser schreiben wie üblich – meinen ursprünglichen Kochplan. Dennoch konnte ich Nahrungsmittel verwenden, die darum baten, endlich genossen zu werden.  Ein halber Spitzkohl und der letzte rote Weihnachtsapfel verstanden sich prächtig mit dem frisch erworbenen Koch- Schinkenrest. Wie schön, dass ich gerade erst in einem Buch von Nigel Slater geblättert hatte. Thank you Mr. Slater for this great inspiration.

Schinken-Spitzkohl-Pfanne

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Zutaten

  • 30 g Butter
  • 1 große Schalotte
  • 2 Nelken
  • 8 Wacholderbeeren
  • 1/4 TL Kümmel
  • 1 süßsaurer Apfel
  • 1 EL Rohrohrzucker
  • 1 TL Zitronensaft
  • 1 kräftiger Schuss Riesling
  • ca 400 g Spitzkohl
  • ca 200 g Kochschinkenreste
  • 1 EL Balsamicoessig
  • Salz und Pfeffer
  • 1 handvoll grobgeschnittener Petersilienblätter

Küchengeräte

1 Schneidebrett, 1 Messer, 1 Pfanne, 1 Holzrührlöffel

Zubereitungszeit

25-30 Minuten

Zubereitung

Die Butter bei mäßiger Hitze in der Pfanne zerlassen. Die Schalotte schälen, in Streifen schneiden und hinzugeben. Nelken, Kümmel und die im Mörser grob zerquetschten Wachholderbeeren unterrühren, den Deckel auflegen und die Schalotten weich und goldbraun dünsten.

Den Apfel halbieren, entkernen und in Scheiben schneiden. Diese mit dem Zucker an die Zwiebeln geben und alles karamelisieren lassen. Den Zitronensaft und den Riesling hinzufügen, kurz aufkochen lassen, etwas reduzieren und dann die Hitze wieder herunterschalten.

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Den Strunk des Spitzkohls großzügig entfernen und den Kohl grob schneiden, in die Pfanne geben und vorsichtig unterheben. Bei geschlossenem Deckel und unter gelegentlichem Rühren weich dünsten. – Jedesmal, wenn ihr den Deckel hebt strömt euch ein wundervoller sanfter Duft von Wachholder, Kümmel und Nelken entgegen. – Den Kochschinken in mundgerechte Stücke zupfen (oder schneiden), unter den Kohl heben und alles weitere 5 Minuten bei geschlossenem Deckel weitergaren.

Zum Schluss den Balsamico unterziehen, mit Pfeffer und Salz abschmecken und die Pertersilie unterheben und servieren.

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Dazu gab es geröstete Paninischeiben. Für mich ergab die Menge zwei Portionen. Für meinen Sohn wäre es vermutlich genau als eine Portion durchgegangen.

4 Kommentare Gib deinen ab

  1. Zeilenende sagt:

    Ja, ist die rechte Zeit für Kohl, bei mir war’s heute eine Wirsingrahmpfanne mit Honig und Senf. Aber dieses Kind … Warum verfolgen mich in so vielen Blogs und der Realität momentan so viele quengelige Kinder? Ist das ein Zeichen? ^^

    Gefällt 2 Personen

    1. Wili sagt:

      ja ja …. auf was man sich so fokusiert 😉

      Gefällt 1 Person

    2. Wili sagt:

      Wirsingpfanne mit Honig klingt auch super lecker. Ich hatte diesen Herbst und Winter noch keinen Wirsing… es wird Zeit.

      Gefällt 1 Person

      1. Zeilenende sagt:

        2 TL Senf, 1 TL Honig, Salz, Cayennepfeffer, Gemüsebrühe und ein Schuss Sahne.
        Mir ging es bislang mit dem Wirsing auch so. Gab so lange meinen heißgeliebten Rosenkohl in guter Qualität. Der hatte Priorität.
        Was den Fokus angeht: Ich habe seit Weihnachten eh den Verdacht, dass mein neuer Mitbewohner seit Weihnachten ein kleiner Zeilenende … quasi ein Silbenende … ist. ^^

        Gefällt 3 Personen

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