Kastanienmehltagliatelle mit Pilzen und Wildschweinbraten

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Kennt ihr „Asterix und Obelix feiern Geburtstag“? In diesem Band geht es um den 50. Geburtstag von Asterix und seinem dicksten Freund Obelix, der übrigens mein liebster Comic-Held ist.  Die Geschichte beginnt mit einem Albtraum: Der alte und ergraute Obelix sitzt lustlos auf einer Bank und hat jede Freude am Leben verloren. Denn die Römer haben den Wald abgeholzt und  so die Wildschweine vertrieben. Jetzt gibt es für Obelix nur noch Kichererbsen zu essen. So ist er auch zu schlapp geworden, um Hinkelsteine zu tragen…

Klar, das dies nur ein schlimmer Traum sein konnte.  2009 müsste Obelix ja weit über 2059 Jahre alt geworden sein, wäre er nicht die Figur des genialen Zeichners Albert Uderzos, die mich immer wieder aufmuntern und erheitern kann. Wenn ich mir die Bilder von ihm in der Erinnerung wachrufe, wie er sich gegen die Stirn tippt und sagt „die spinnen, die Römer“ kullern mir die Lachtränen aus den Augen und der Muskelkater um den Bauchraum ist vorprogrammiert.  Das konnte mir auch nicht die zu meiner Schulzeit in Mode gekommene Lektüre der Hefte im Lateinunterricht nehmen. Allerdings brachten sie mir auch nicht Latein näher. Das war und blieb eine der vielen nichtsnutzigen Pflichtveranstaltungen meiner Schulzeit, die es einfach nur zu überstehen galt.

Obelix ist es auch, der Wildschweinbraten für mich zu einen ganz besonderen Genuss hat werden lassen. Ich denke grundsätzlich an ihn, Idefix, Asterix, Miraculix und die anderen unbeugsamen Bewohner des kleinen gallischen Dorfes, wenn Wildschwein serviert wird.

Ich denke dann aber auch an Korsika: Wilde Klippen, einsame Buchten, weite Sandstrände und vor allem dicht bewaldetes Bergland, das von unbeugsamen Wildschweinhorden verteidigt wird. Dann der Duft der Macchia, der sich wundervoll auf der Zunge niederläßt, trinkt man nur einen Schluck Milch von den Kühen, die auf der Insel weiden. Das Fleisch der Wildschweine dort schmeckt nach Bergbächen, Buschwald und Maronen.  Und als mir nun ein Stück Wildschweinfleisch zukam, da wollte ich mir ein wenig dieser Eindrücke auf dem Teller wieder lebendig werden lassen. Ob es mir gelungen ist? Kocht es nach und urteilt selbst.

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Zutaten

für den Wildschweinbraten

  • 300 g Wildschwein (aus Nacken oder Keule)
  • 500 ml Buttermilch
  • 16 Wacholderbeeren
  • 2 Lorbeerblätter
  • 1 TL Gewürzmischung Kräuter der Macchia
  • 1 Zwiebel
  • 1 Karotte
  • 1/2 Petersilienwurzel
  • 1 Stück Sellerie
  • 1 Stängel Staudensellerie
  • 1 Stück Lauch
  • Butterschmalz
  • 100 ml Rotwein
  • 400 ml Wasser
  • Salz und Pfeffer

 

  • 6 Champignons
  • 1 EL saure Sahne
  • etwas Pertersilie

für die Tagliatelle

  • 100 g Hartweizengrieß
  • 150 g Weizenmehl
  • 150 g Kastanienmehl
  • 3 kleine Eier und 1 Eiweiß
  • 2 TL Nussöl
  • Salz

Küchengeräte

Schneidebrett, Küchenmesser, 2 Schüsseln, 1 Nudelmaschine, 1 großer Topf, 1 Schmorpfanne, Alufolie, Frischhaltefolie

Zeit

2 Tage sollte das Fleisch marinieren, auch der Teig für die Tagliatelle sollte wenigstens 30 Minuten, besser aber über Nacht im Kühlschrank ruhen.

Die Zubereitungszeit braucht dann noch 60 – 90 Minuten, abhängig von Menge und Qualität des Fleisches.

Zubereitung

Das Wildschweinfleisch sollte zunächst 2-3 Tage in Buttermilch eingelegt werden, insbesondere wenn man das Alter des Tieres nicht kennt, von dem das Fleisch stammt. Wichtig ist, dass das Fleisch auch von der Buttermilch bedeckt ist. An die Buttermilch gab ich 8 zerquetschte Wacholderbeeren und 1 Lorbeerblatt.

Am Abend vor der Zubereitung des Gerichts habe ich dann den Nudelteig hergestellt. Dazu habe ich die Mehlsorten und den Hartweizengrieß mit etwas Salz in einer Schüssel vermengt. Dann die übrigen Zutaten hinzugegeben und zu einem glatten, geschmeidigen, aber festen Teig verknetet, Diesen formte ich zu einer Kugel, die ich in Klarsichtfolie wickelte und dann in den Kühlschrank legte.

Am folgenden Tag dann habe ich das gesamte Gemüse (ausgenommen der Champignons) geputzt und in kleine Stückchen geschnitten. Das Fleisch holte ich aus der Buttermilch und tupfte es mit Küchenpapier trocken. Dann rieb ich es mit Salz und Pfeffer ein. Die übrigen Wacholderbeeren zerquetschte ich.

Dann briet ich zunächst das Fleisch von allen Seiten in dem heißen Butterschmalz an und legte es beiseite. Nun röstete ich das Gemüse und die Wacholderbeeren an. Dieses löschte ich mit dem Rotwein und ließ alles köcheln, bis dieser fast völlig verkocht war. Dann gab ich das Fleischstück mit den übrigen Gewürzen und das Wasser hinzu und ließ alles abgedeckt auf niedriger Herdeinstellung und abgedeckt schmoren. Gelegentlich prüfte ich, ob genug Flüssigkeit vorhanden war oder nachgefüllt werden musste.

In der Zwischenzeit holte ich den Nudelteig und drehte diesen durch die Nudelmaschine zu Tagliatelle. Wenn ihr diesen kleinen Luxus nicht zur Verfügung habt – ich konnte sie mir von Nachbarn leihen – dann rollt ihr den Teig halt mit dem Nudelholz aus und schneidet ihn zu Tagliatelle. Das dauert wenig länger, macht etwas unregelmäßige, aber darum superköstliche Pasta. Die selbstgemachte Pasta braucht nur wenige Minuten in sprudelnd kochendem Salzwasser, damit sie gar ist.

Nach gut 60 Minuten habe ich das Fleischstück herausgenommen, in Alufolie gewickelt und ruhen gelassen. Ich ließ das Salzwasser für die Tagliatelle aufkochen und gab diese in den Topf.

Das Schmorgemüse schüttete ich über ein Sieb ab. Dabei fing ich die Schmorflüssigkeit auf. In der Schmorpfanne briet ich die in Scheiben geschnittenen Champignons mit wenig Butterschmalz an. Dann fügte ich einen Teil des Schmorgemüses und die Schmorflüssigkeit hinzu und band alles mit der sauren Sahne ein wenig ab. Anschließend hob ich die Tagliatelle aus dem Salzwasser direkt in den Champignonbratensud, schnitt das Fleisch in Scheiben und richtete alles an. Ein wenig Petersilie streute ich noch darüber und richte alles an. Das Fleisch reichte für 2 Portionen, die Pasta für 3-4 Portionen.

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31 Kommentare Gib deinen ab

  1. Es Marinsche kocht sagt:

    Es sieht wie ein typisches Herbstgericht aus 🙂

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    1. Wili sagt:

      … aber im Winter gemacht 😀

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      1. Es Marinsche kocht sagt:

        Das ist bei diesem Wetter nich immer eindeutig 😉

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      2. Wili sagt:

        😀 wo du Recht hast, hast du Recht. Jedenfls ist es ungewöhnlich einfarbig für mein Kochen. Geschmeckt hat es trotzdem. Gaaaanz besonders die Tagliatelle in der Sauce 😉

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      3. Es Marinsche kocht sagt:

        Ja, das kann ich mir sehr gut vorstellen….selbstgemachte nimmt auch sehr gut Flüßigkeiten auf….

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      4. Wili sagt:

        stimmt, deshalb waren die Tagliatelle am nächsten Tag aufgewärmt auch noch einen Kick besser.
        Und so eine Nudelmaschine ist wirkich dr Hit. Wenn ich die hätte, würde ich wohl nur noch Pasta essen 😂😂

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      5. Es Marinsche kocht sagt:

        Why not!? Pasta macht glücklich 😀

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      6. Wili sagt:

        Reis und Kartoffeln nicht?

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      7. Es Marinsche kocht sagt:

        Alles kohlenhydrathaltige….aber Pasta sagt man es wohl im besonderen nach 😀

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      8. Wili sagt:

        Bananen auch und Marathon laufen auch 😀

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      9. Es Marinsche kocht sagt:

        Yep 🙂 wobei es beim Marathon mehr das Runners High ist….und ich ess lieber Pasta als Marathon zu laufen :-p und ess Schokolade 😉

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      10. Wili sagt:

        ich bin jetzt off, dir einen schönen Abend.

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      11. Es Marinsche kocht sagt:

        Ebenso, danke 🙂

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  2. Zeilenende sagt:

    Mhm Mjam. Wildschwein gibt es eigentlich viel zu selten, wenn man an gutes Fleisch kommt. Was hat es denn mit dieser Kräutermischung auf sich?

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    1. Wili sagt:

      die Mischung enthält Steinsalz, Langpfeffer, Myrtenblätter, Zitronen-, Orangengranulat, Salbeiblätter, Lavendelblüten, Thymianblüten und -blätter, Olivenblätter, Oregano und Wacholderbeeren. und ich kaufte sie im Bioladen, Die Macchia duftet nach Myrte, Lavendel, Minze, Oregano, Thymian, Salz… Auch ich bin manchmal zu bequem alle Gewürze selbst zu mischen 😉

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      1. Zeilenende sagt:

        Bei so vielen verschiedenen verständlich, Lavendel und Myrte hab ich bspw. Auch nicht im Haus. *g* Klingt extravagant, muss ich mir dringend mal besorgen.

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      2. Wili sagt:

        ja, mach das, es ist eine nicht gewöhnliche Mischung.

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  3. Landidylle sagt:

    Eine interessante Gewürzmischung und sehr malerische Beschreibung, ich bin direkt ins Träumen gekommen. 🙂

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    1. Wili sagt:

      Liebe Oli, wenn ich ab und zu Worte finde, die in der Zusammenstellung dann auch so wirken, wie ich es mir vorstellte, dann freut mich das sehr. Danke, also für diesen schönen Zuspruch 🙂

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  4. woldemore sagt:

    Essen gut ,obelix gut 😉

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    1. Wili sagt:

      ach, das wäre toll, hätte Obelix mit an meinem Tisch gesessen und sich anschließend saugut gefühlt 😀

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      1. woldemore sagt:

        Brauchst aber 2 Stühle und platz für den Hinkelstein 🙂

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      2. Wili sagt:

        na das ließe sich doch einrichten 😀

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  5. Das ist ein ganz tolles Rezept, das hört sich schon richtig lecker an! Da ich auch ein Asterix- und Obelix-Fan bin, werde ich das bei nächster Gelegenheit mal ausprobieren, zumal ich stolzer Besitzer einer Nudelmaschine bin, das ist wirklich was ganz feines und war hier auch schon oft im Gebrauch!

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    1. Wili sagt:

      Danke, es war wirklich fein. Und es ist schön zu lesen, dass es da noch jemanden gibt der Wildschweinbraten mit Asterix und Obelix verbinden kann. Leider habe ich ja keine Nudelmaschine, aber eine liebe Nachbarin mit Nudelmaschine und einen Wunschzettel …. 😉

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  6. Zumindest im Geiste befinden wir uns gerade in Korsika 😉 Tolles Rezept und schön geschrieben 🙂

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    1. Wili sagt:

      🙂 danke schön 🙂

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  7. Winnie sagt:

    Spannend, … Kastanienmehl …

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  8. Wili sagt:

    yepp…. ich bin ein Fan von Kastanienmehl 😉

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  9. Arabella sagt:

    Liebe Witrud,
    das Schwimmbad auf den sich mein Artikel bezog hatte nicht geschlossen, damit hast du Recht.
    Männlichen Asylanten war der Zugang verwehrt. Für mich kommt das einer Schließung gleich.

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    1. Wili sagt:

      Danke für diese Klarstellung, wenn auch hier an dieser Stelle und damit völlig aus dem eigentlichen Kontext gerissen. Mir persönlich reicht das so. Dir wünsche ich alles Gute.

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