Ossobuco aus dem Crocky an Safranrisotto

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Großtante Ilse war eine entfernte Verwandte meiner Mutter, die sie ein wenig suspekt fand. Denn Tante Ilse hatte studiert und niemals geheiratet. Sie wurde Professorin,  sprach 8 Sprachen und reiste um die Welt.  Damit war sie eine Sonderling in einer Familie von kleinen Kaufleuten und Handwerkern.  Ich war acht  Jahre alt und sie achtzig  als wir sie in ihrem Haus am Bodensee besuchten. Schon als Kind war ich wissbegierig und immer dann neugierig intressiert, wenn etwas anders war. So verstanden wir beide uns bestens.  Ihre  strengen, aber wachen, blauen Augen und ihre feinen unberingten Hände prägten sich mir ein. Ihre Hände blätterten damals die Seiten der dicken Kunstbücher um, die wir beide uns gemeinsam anschauten. Es war meine erste Begegnung mit Cézanne, Picasso und Matisse und leider auch die einzige mit Großtante Ilse.

Sie hatte auch ein Haus in Italien, am Lago Trasimeno. Das durften wir einige Jahre später in den Sommerferien für unseren Familienurlaub nutzen. Da war ich bereits zwölf Jahre alt. Mein Vater hatte gerade seinen Führerschein gemacht und fuhr uns das erste Mal  in seinem froschgrünen R16 in das Land, in dem die Zitronen blühen sollten, die Myrte still und hoch der Lorbeer stünden.

Als wir endlich nach vielen vielen Stunden Fahrt auf einem Hügel über dem riesigen See das kleine Häuschen  am Rande eines Waldes erreicht hatten, waren Erschöpfung, Ungeduld, Quengeleien und sonstiger Stress  vergessen. So schön war es, einladend, wenn auch ein wenig verwildert und ausgetrocknet. Zitronenbäume sahen wir keine oder erkannten wir sie nur nicht? Dafür aber hohes, trockenes Gras, einen alten Olivenbaum und Zypressen. Die Zikaden sangen ihre Lieder in flirrender Sonne und es duftete nach Pinienharz, wildem Oregano und Orleander.  Ein Nachbar brachte uns den Schlüssel und öffnete uns die Türe in einen dunklen und kühlen Raum, der mit hellblauen Fliesen ausgelegt war. Als erstes öffnete meine Mutter die Fensterläden, sodass das Sonnenlicht einfallen konnte, während der Nachbar meinem Vater alle Räume zeigte. Er erklärte, dass es erst in zwei Tagen Gas und Strom geben würde. Das führte zu einer kurzen Diskussion unter den Erwachsenen. Dann zog mein Vater fluchend mit uns Kindern in das Wäldchen und sammelte trockenes Holz und Zapfen, von denen ich heute weiß, dass sie von Pinien stammten. Meine Mutter ging mit dem freundlichen Nachbarn mit, um wenig später mit Kerzen, Streichhölzern, frischem Brot, zwei Kalbshaxen und Gemüse aus dem Garten zurückzukehren. Unser erster Italienurlaub begann mit einem Abenteuer: Mein Vater zündete ein Feuerchen im Kamin und kochte darüber das leckerste Ossobuco, das wir jemals in unserem Leben gegessen haben.

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Zutaten für 4 Portionen

  • 2 Scheiben Kalbshaxe, ca.600 g
  • Olivenöl
  • 1 TL Tomatenmark
  • 1 Karotte
  • 1 Stange Staudensellerie
  • 1 Petersilienwurzel
  • 1 Stück Sellerie (ca 40 g)
  • 1 Srückchen Lauch (ca 30 g)
  • 1 Zwiebel
  • 250 ml Weißwein
  • 1 kleine Dose gehackter Tomaten
  • 1/4 TL Gewürzmischung Kräuter der Macchia
  • 30 g Butter und 1 TL Olivenöl
  • 1 Knoblauchzehe
  • 1 Schalotte
  • 300 g Carnaroli-Reis
  • 50 ml Weißwein
  • 20 Safranfäden
  • 1 l Gemüsebrühe, evtl noch etwas heißes Wasser
  • 60 g Parmesan, frisch gerieben
  • Meersalz, weißer Pfeffer
  • 3 – 4 Blätter Basilikum

Küchengeräte

1 Schneidebrett und 1 Messer, 1 Pfanne, 1 Holzrührlöffel, 1 Crocky (1,5l), 1 Topf

Zeit

6 1/2 Stunden

Zubereitung

Die Kalbshaxen waschen und gut trocken tupfen. Die Zwiebel und das Gemüse ebenfalls putzen und in kleine Würfel schneiden.

Das Olivenöl in der Pfanne erhitzen und die Kalbshaxen darin von beiden Seiten scharf anbraten. Erst dann salzen und pfeffern und die Haxen beiseite legen.

Die Gemüsewürfel in der Pfanne anrösten. Das Tomatenmark unterrühren, scharf anbraten und mit dem Weißwein ablöschen. Alles köcheln lassen, bis der Wein auf 1/4 der Ausgangsmenge reduziert ist. Dann die Tomatenstückchen hinzugeben. Alles gut verrühren und in den Crockpot umfüllen, die Kalbshaxen obenauf legen, den Crocky auf „High“ einschalten und sechs Stunden köcheln lassen. Zur letzten halbe Stunde die Kräuter der Macchia hinzugeben.

40 Minuten bevor das Ossobuco fertig ist, die Schalotte und die kleine Knoblauchzehe schälen und fein würfeln.

Die Butter mit dem Olivenöl in einem großen Topf erhitzen. Dann die Schalotten- und Knoblauchwürfel darin anschwitzen. Anschließend den Reis hinzufügen und unter ständigem rühren glasig dünsten. Mit dem Wein ablöschen.

Nach und nach die heiße Gemüsebrühe zugeben. Dabei immer wieder den Reis gut umrühren, damit nichts ansetzt (falls die Flüssigkeit nicht ausreicht, gebt noch etwas Wasser hinzu).

Die Safranfäden im Mörser fein zermahlen und unter das Risotto rühren. Zum Schluss den geriebenen Parmesan unterheben.

Nun ist auch das Ossobuco fertig. Das Fleisch löst sich bereits vom Markknochen und alles kann auf einem vorgewärmten Teller angerichtet werden. Mit in Streifen geschnittenen Basilikumblättern garnieren und servieren.

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24 Kommentare Gib deinen ab

  1. Miri & Papa sagt:

    Was für eine wunderbare Kindheitserinnerung! Wie es der Zufall will, gibt es bei mir heute genau dasselbe Gericht: Ossobuco mit Safranrisotto 🙂 Einen schönen Sonntag dir!

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    1. Wili sagt:

      Das ist ja lustig 😀 Bestimmt hast du auch schöne Italienerinnerungen zu Ossobuco und Risotto milanese. ich wünsche dir auch einen schönen Sonntag mit italienischen Sonnenschein im Herzen.

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  2. Hang sagt:

    Sehr schöne Erinnerung 🙂 Danke für dein tolles Rezept, liebe Wili! Es sieht sehr lecker aus 😊

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    1. Wili sagt:

      Danke, liebe Hang und ja, es war sehr lecker. du solltest es einmal ausprobieren. Im Backofen oder auf em Herd braucht es auch nur ca 1-1/2 Stunden Kochzeit 😉

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      1. Hang sagt:

        Jaaaa….ich würde es gerne ausprobieren. 🙂 es dauert 1-1/2 Stunden😉 mal gucken, wann ich die Zeit habe 😊

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      2. Wili sagt:

        ja, das Fleisch muss ja schmoren. Weil ich auch so wenig Zeit habe, bin ich ja so glücklich mit meinem Crocky (Crockpot). Der kocht auf Niedrigtemperatur, während ich bei der Arbeit bin 😉

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      3. Hang sagt:

        Toll 😊

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  3. Es Marinsche kocht sagt:

    Unsere Crocky Frau 😉 sieht köstlich aus 🙂

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    1. Wili sagt:

      Stimmt. Ich bin absolut begeistert von dem Crocky. Mittlerweile habe ich mir eine einfache Zeitschaltuhr dazu gekauft. Jetzt klappt es noch besser und sparsamer, dass mich ein warmes Essen empfängt, wenn ich abends nach Hause komme.
      Meinem Sohn schenkte ich auch einen zu Weihnachten und er ist ebenso begeistert. Die Unimensa vermisst ihn schon 😀

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      1. Es Marinsche kocht sagt:

        Na wenn das mal kein gutes Zeichen ist 😉

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  4. ohneeinander sagt:

    Irgendwann kann ich auch solche leckeren Mahlzeiten kochen. Irgendwann 😋

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    1. Wili sagt:

      klar, ganz bestimmt. :*

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  5. dsk sagt:

    Wie schön, das haben wir letztes Wochenende auch gemacht (zum ersten mal) Bei uns im Backofen, aber nur nur bei knapp 100 Grad. Das war ttoal lecker. Dein Foto sieht sehr appetilich aus. Bei uns war es diesmal nur zum Essen. 🙂 Liebe Grüße Cornelia
    PS: Ach so: Den Lago Trasimeno kenne ich auch…war sehr schön damals.

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  6. Wili sagt:

    Lustig, du bist die zweite, die auch gerade Ossobuco gemacht hat….

    Stimmt, es war sehr schön am Lago Trasimeno, wie es da wohl heute ist? Ich war zuletzt vor ca 30 Jahren dort. Ich bin immer hin und hergerissen. Einerseits möchte ich noch so viele Orte entdecken und andererseits andere Orte immer wieder sehen 😀

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  7. dsk sagt:

    Ist bei mir auch 30 Jahre her. Ich glaube, da hat sich nichts verändert…

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  8. Landidylle sagt:

    So, seit unserer gestrigen Konversation muss ich jedes Mal, wenn ich ein Rindvieh sehe …. an Dein Ossobuco denken!
    Wenn DAS chronisch wird! 😀

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    1. Wili sagt:

      ich freue mich, wenn du an mich und mein ossobuco denkst. ‚Da kannst du wegen mir gar nicht auf genug Rindviehcher treffen. Solltest du allerdings beginnen über sie mit einem Messer herzufallen, würde ich mir große Sorgen machen…. um dich und um das liebe Vieh 😀

      Da komm doch lieber schnell einmal bei mir vorbei und ich koche dir ein Ossobuco 😉

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  9. Ein tolles Rezept 😀 so schnell kann man gedanklich von Korsika nach Italien reisen 😉

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    1. Wili sagt:

      auch räumlich kann das ein Katzensprung sein…. 😀

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      1. Haha ja stimmt wo du recht hast… 😏

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  10. Wili sagt:

    wir könnten durchaus morgen in New York shoppen gehen, Samstag auf Bali am Strand relaxen und Montag wieder an unserem Arbeitsplatz sein… oder wir erledigen unseren Job für ein paar Tage am Rechner von Australien aus 😀 Die Welt ist sooooooo klein geworden 😉

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  11. Limenaria sagt:

    Lecker, ich habe zwar erst einmal gekocht, aber es schmeckt super :). Ein sehr schönes Foto und Erinnerung und ich habe auch nette Erinnerungen an die Seen, die ich in den 1990 er Jahren besucht habe. Allerdings auf einem Campingplatz mit vielen Mücken ;).

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    1. Wili sagt:

      ja, Camping hatte ich dort auch später einmal gemacht 🙂
      Übrigens habe ich mir deinen schönen Bericht über Potamia angesehen und sogar das ein und das andere nach so vielen Jahren wiedererkannt. Unglaublich! Ich bin übrigens schon am 13./14. Feb. in Köln. Schreib mich doch einmal über meine E-Mailadresse (Impressum) an, dann können wir uns vielleicht verabreden.

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      1. Limenaria sagt:

        Danke liebe Wili :), sehr viel hat sich nicht geändert auf Thassos – außer natürlich am Meer, es wird viel gebaut :(. Mache ich gleich.

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