Seffa mit gedämpften Trockenfrüchten

am

Nein, heute entführe ich euch nicht in das „Verrückte Labyrinth“ von engen Gassen, blühenden Innenhöfen, heißen Gemeinschaftsöfen, in denen Brote und Tontöpfe geschoben werden. Ich schweige über Touristen, Händler, Mofas, Eselskarren, Geschäftchen und Restaurants hinter rötlichen Stadtmauern, auf denen die Störche nisten.  Dass die Gaukler trommeln oder der Singsang der Muezzine ertönt, wenn die Störche gerade einmal nicht klappern, schreibe ich euch auch nicht.

Ich erzähle nichts von Feuerschluckern, Geschichtenerzählern und Schlangenbeschwörern, auch nichts von Neppern und Schleppern, maskierten Frauen, die mich mit ihren filligranen Armreifen verfolgen. Sie wollen sie mir schenken in Erwartung eines üppigen Gegengeschenkes. Heute verschone ich eure Nasen vor den üppigen süßen Düften wie Moschus, Orangenblüte und Zimt, dem Gestank nach faulenden Tierhäuten und giftigen Chemikalien hinter vorgehaltenen Minzblättern.

Farbenfroh, üppig, überbordend, pulsierend, geschäftstüchtig. Das ist Marrakesch, von dem ich euch heute nichts erzählen will. Mich begeisternde Kontraste halte ich zurück und beschreibe euch nicht, wie  Augenschmaus auf Augenschmaus folgt, Geruch auf Geruch und Geschmack auf Geschmack. Faszinierend ist es schon, das Durcheinander von Wohnen und Arbeiten, von Herstellung und Verkauf, begleitet vom orientalischen Wirrwarr aus Stimmen, Arbeitsgeräuschen und Musik…doch ich schweige. Ich verrate euch auch nichts von dem kleinen Place des Ferblantiers, wo ich tagsüber den Lampenmachern bei der Arbeit zusah und abends meine frisch fritierten Fischchen mit den streunernden Katzen teilte, während die Kinder spielten und die Mütter auf den Bänken sitzend plauderten. Nein, heute erzähle ich euch von all dem nichts.

Jetzt im Februar, wenn der Winter sich grau und trüb noch ein wenig gegen den langsam näher kommenden Frühling wehrt, da wächst das Fernwehflimmern in meinem Herzen, vor dem ich euch verschonen möchte. Doch gestern machte ich Couscous von dem so einiges übrig geblieben ist.  Das wärmte ich mir heute Morgen mit etwas Butter und Honig über Wasserdampf. Getrocknete Aprikosen, Feigen, Maulbeeren und Kirschen ließ ich kurz in heißem Wasser einweichen, während ich Hasselnuss- und Mandelsplitter in einer fettfreien Pfanne röstete.

Alles habe ich gut miteinander vermengt und hatte ein wärmendes Frühstück in dem sich Süße mit Herzhaftigkeit verbanden wie alle die unzähligen Gegensätze in Marrakesch.

IMG_7709

16 Kommentare Gib deinen ab

  1. Schade dass du uns diese wunderbaren Kopfbilder nicht verschweigdst. LG, Berhard

    Gefällt 1 Person

    1. Wili sagt:

      oh doch…. ich verschweige sie euch 😉

      Gefällt 1 Person

      1. Jetzt bin ich gaga….! Danke dass du schreibst was ich schreiben wollte.

        Gefällt mir

  2. Zeilenende sagt:

    Ich habe so das dumpfe Gefühl, dein Plan ist nicht aufgegangen. In meinem Kopf ruft gerade nämlich jemand zum Gebet. Seeehr merkwürdig.

    Gefällt mir

    1. Wili sagt:

      Das war ein Experiment mit einer paradoxen Intervention. Bei dir scheint sie funktioniert zu haben… genial.

      Gefällt mir

      1. Zeilenende sagt:

        Nenn mich dein Versuchs-Bunny. 😉

        Gefällt mir

      2. Wili sagt:

        niemals nicht…. 😉

        Gefällt 1 Person

      3. Zeilenende sagt:

        Ich habe Bunny-Ohren auf. ^^

        Gefällt mir

      4. Wili sagt:

        Naiiiin!!!! 🙀

        Gefällt 1 Person

      5. Wili sagt:

        ähem…. könnte ein Kommentar von mir in deinem Spamordner gelandet sein…..?

        Gefällt mir

      6. Zeilenende sagt:

        Japp. Grad rausgefischt. Frag mich nicht, was du da machst. Da war sonst nur ein eindeutiger Spam.

        Gefällt mir

      7. Wili sagt:

        jetzt sag nicht, ich sei zweideutiger Spam. 😉

        Gefällt mir

      8. Zeilenende sagt:

        Das würde ich nie sagen. Ich bin wohlerzogen.

        Gefällt mir

      9. Wili sagt:

        Das macht es jetzt ja nicht wirklich besser… 😂

        Gefällt 1 Person

  3. Limenaria sagt:

    Ja, ja wie war das mit dem: denke nicht an einen rosaroten Elefanten :D. Bildlich hat dein Text die Farbenpracht und das Chaos perfekt hervorgerufen :).

    Gefällt 1 Person

    1. Wili sagt:

      danke 🙂

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s