geräucherter Kräuterreis mit gebratenem Fisch (Sabzi polo ba mahi) – سبزی پلو با ماهی

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Es waren die Thunfisch-Frikadellen von Cornelia, die mich dazu veranlassten, das Kabeljaufilet aus dem Gefrierschrank herauszunehmen. Ursprünglich wollte ich daraus kleine, scharfe, südostasiatisch angehauchte Fischfirkadellen braten, ähnlich, wie Cornelia ihre Thunfisch-Frikadellen zubereitet hatte. Doch wie so oft kam es anders als geplant.

Denn dann kam mein Reispaket an. Erstmals kaufte ich Reis online. Ehrlich gesagt ist das genial. So ein 10 kg Reissack ist nämlich ganz schön schwer und weniger kaufe ich eigentlich eher selten. Aber was noch viel genialer für mich ist, ist die Entdeckung von Sadri Reis. Ich wusste nicht, dass man mittlerweile diese Reissorte, die am kaspischen Meer angebaut wird, hier in Deutschland kaufen kann.  Vor langer Zeit einmal brachte ein Schwager vierten oder fünften Grades ein kleines Säckchen davon mit aus dem Iran. War damals schon die iranische Art Basmatireis zuzubereiten eine genussvolle Entdeckung, so toppte das kleine Reissäckchen dies noch. Und jetzt also, bereits seit ein paar Jahren, kann man diesen Reis einfach online kaufen! Das ist eine schöne Entdeckung für mich.

Doch nicht genug, dass ich so den Sadri fand, nein, da gab es auch noch Sadri dudi. Geräucherter Sadrireis. Hierfür werden die Reispflanzen kopfüber in kleinen Hütten aufgehängt und über Buchenholz einige Wochen geräuchert – las ich erstaunt. Davon hatte ich bisher nicht gehört, gelesen oder erzählt bekommen. Es scheint wirklich eine Spezialität aus Gilan, dem Anbaugebiet des iranischen Reis‘ zu sein. Klar wollte ich das probieren. Und als heute mein Reispaket ankam, musste ich als erstes die Verpackung des Sadri dudi öffnen. – Wouw, ein kräftiges Raucharoma strömte mir da entgegen. Unwillkürlich hob ich mein Näschen erst einmal ein wenig weg, zu kräftig empfand es die Raucharomen. „Wenn der so schmeckt, wie er gerade riecht…“ schoß es mir eher skeptisch durch den Kopf, „…dann war es übermütig gleich ein Dreikilopaket zu kaufen.“ „Aber so ein 200g- Tütchen ist doch lächerlich“ verteidigte ich mich gleich. Sollte ich vielleicht nur deshalb bisher nichts von diesem geräucherten Reis erfahren haben, weil er eben auch für viele Iraner sehr speziell und eher gewöhnungsbedürftig ist. Es gibt ja so spezielle Spezialitäten, die eben nicht für die Allgemeinheit zur Deikatesse werden.

Was sollte ich jetzt bloß mit diesem Reis machen? Die geplanten Fischfrikadellen passten auf keinen Fall dazu, aber der Fisch musste jetzt ja nun einmal verwertet werden. Sabzi polo ba mahi, also Kräuterreis mit Fisch wird gerne im Frühling, auch und besonders zu Nouruz zubereitet. Das könnte gehen. Schließlich schmeckt geräucherter Fisch zu Reis sehr gut, weshalb sollte da geräucherter Reis nicht zu Fisch passen? Ausserdem wird für Sabzi polo ba mahi gerne der kaspische Weißfisch (Rutilus Frisii Kutum) genommen. Das ist ein Fisch aus der Familie der Karpfenfische, dessen Lebensraum das Brackwasser des Kaspischen Meeres ist. Sadri, Sadri dudi und der kaspische Weißfisch stammen also aus derselben Region. Dann passen sie auch zusammen. Gut, der Kabeljau ist ein Dorsch und kein Karpfenfisch. Aber das beachte ich jetzt einfach nicht.

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Und so habe ich es gemacht

Eine Tasse Reis habe ich gewaschen und ein paar Stunden im Wasser einweichen gelassen. Das Einweichwasser goß ich ab und den Reis füllte ich mit zwei Tassen Wasser, 1 TL ÖL und etwas Salz in meinen persischen Reiskochtopf. Die Kenner unter euch werden sehen, dass ich wohl zu viel Wasser nahm und der Reis ein wenig klebrig geworden ist. Nun für da nächste Mal weiß ich Bescheid.

Je ein Eßlöffel getrocknete Petersilie, Dill, Estragon, Bockshornklee und Schnittlauch weichte ich in warmen Wasser ein. Drei Safranfäden zerieb ich mit etwas Zucker im Mörser und goß diesen mit wenig heißem Wasser auf. Als das Wasser im Reiskochtopf verkocht war, gab ich die Kräuter an den Reis. Das Schälchen mit dem Safranwasser setzte ich auf den Reis, ehe ich den Deckel wieder auflegte. Die ganze Küche duftete angenehm nach Geräuchertem.

Bevor ich den Reis aufsetzte, hatte ich das Kabeljaufilet gewaschen, trockengetupft und mit einer Marinade aus Zitronensaft und Schalottenwürfelchen übergoßen. Dann stellte ich es erst einmal in den Kühlschrank zurück.

Während der Kräuterreis im Reiskocher dämpfte, putzte ich eine Karotte, schnitt sie in Scheiben, die ich dann knapp fünf Minuten in kochendes Salzwasser gab. Ebenso wusch ich ein paar Cocktailtomätchen.

Als der Reiskocher nach ca 40 Minuten fertig war, ließ ich den Reis darin noch ein wenig ruhen. Auf einem Tellerchen mischte ich etwas Mehl mit Salz, Pfeffer und Kurkuma. In einer Pfanne erhitzte ich Butterschmalz und in einem Pfännchen schmolz ich Butter mit Puderzucker.

Die Karottenscheiben und die Cocktailtomaten schwenkte ich durch die Butter-Puderzuckerglasur. Das Kabeljaufilet befreite ich von der Marinade, die ich dann in die Puderzuckerbutter gab und köcheln ließ, bis die Schalottenwürfelchen goldbraun gedünstet waren.  Den Fisch wendete ich in dem Würzmehl und briet ihn von beiden Seiten in dem Butterschmalz. Dann richtete ich alles an.

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Und was soll ich sagen, es schmeckte wunderbar! Von dem anfänglich so kräftigem Raucharome war nun eine  feine Note zurück geblieben, gerade intensiv genug um auf besondere Weise eine harmonische Einheit mit Kräutern und  Fisch zu bilden.  Ich kann mir diesen Reis auch sehr gut mit Somak zu Pfannenkebab vorstellen, aber auch zu  Shirin polo. Mit der Zeit wird mir sicher noch so einiges einfallen. Er ist das absolute Gegenteil von einem Fehlkauf.

 

16 Kommentare Gib deinen ab

    1. Wili sagt:

      zu viele Links meine Liebe. Da landest du doch glatt in meinen Spam-Ordner, was ich sofort ändere.

      Da es wohl nur einen gibt, der u.a. diese beiden Reissorten regelmäßig im Programm hat, wird es wohl so sein 😉

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      1. Es Marinsche kocht sagt:

        Ja, ich hab’s schon gesehen mit dem Freischalten….ist aber auch hin und wieder ohne Links….hatte gerade heute wieder zwei aus dem Spam gerettet 🙂

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    2. Wili sagt:

      zu den gebratenen Bananen und Berberitzen kann ich mir auch gut den sadri dudi vorstellen.

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      1. Es Marinsche kocht sagt:

        Den dudi kenne ich noch nicht….

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      2. Wili sagt:

        ichhabe ihn auch erst heute kennen gelernt 😀

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      3. Es Marinsche kocht sagt:

        Bei der nächsten Bestellung ist er auch meins 😉 aber das dauert noch…ich habe noch einiges an Basmati, Jasmin und Sadri Reis….

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  1. Alex sagt:

    Das klingt sehr interessant und saulecker!

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    1. Wili sagt:

      Danke 🙂
      Das ist sehr lecker. Bisher machte ich es immer – so lernte ich es auch kennen – mit Basmatireis. aber dieses feine Raucharoma gibt dem Ganzen noch einen besonders feinen Kick 😉 Probier es aus. Es gibt ja, wie beschrieben auch 200g Packungnen zu kaufen.

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  2. ohneeinander sagt:

    Wo hast du den Reis und Reiskocher bestellt?

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    1. Wili sagt:

      Den Reiskocher habe ich schon ewig. Ich bekam ihn geschenkt. Den Reis kaufte ich bei „Reishunger“. Da gibt es auch dem pars khasar, aber er ist dort zu teuer. Da musst du mal selber suchen. Guck auch bei den persischen Händlern in der Stadt.

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  3. Hmm da läuft uns das Wasser im Mund zusammen! 🙂

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  4. Limenaria sagt:

    Sehr lecker, hmmm ich liebe geräucherten Basmatireis, den bekomme ich hier beim Inder (kein Sadri Reis). Schönes Rezept 🙂

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    1. Wili sagt:

      ich kannte den bisher nicht. Beim Inder ist der bestimmt günstiger als bei diesem „exklusiven“ onlineshop. Ich werde demnächst mal hier beim Inder schauen. Danke für den Tipp.

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  5. D.S.K sagt:

    Liebe Wiltrud, das mit dem Räucherreis werde ich demnächst probieren. Ich kaufe mir immer 5kg Säcke Jasminreis. Die sind schneller weg, als du denkst. Danke für die vielen Verlinkungen. 😉 LG Cornelia

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    1. Wili sagt:

      Doch, das glaube ich dir gerne. Ich bin zwar von 20kg auf 10kg runter gegangen, aber Reis ist nun mal mein Hauptnahrungsmittel. Nur so exotisches wie lila oder schwarzer Reis verweilt länger bei mir. Den geräucherten Reis finde ich klasse, da könnte ich auch gleich einen 10Kilosack kaufen, ebenso wie von deinem Blog. Der begeistert mich auch!

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