Baqlava – باقلو

am

Ahura Mazda (اهورا مزدا) bedeutet der weise Herr. Er ist der heiligste, gedeihenspendende Geist, der Sonne, Mond und Sterne, Himmel und Erde, die Gewässer, die Bäume und die Menschen schuf und erhält. Er ist allwissend. Er ist der Freund und Beschützer des Guten, der Feind der Lügen und der Rächer des Unrechts. Sein Reich ist das Unendliche Licht…

Man könnte meinen, ich gebe hier etwas aus der christlichen Schöpfungsgeschichte nach dem alten Testament wieder. Dabei beschreibe ich ein wenig aus der Schöpfungsgeschichte einer der weltweit ältesten monotheistischen Religionen, dem Zarathrismus. Vor etwa 3500 Jahren gründete der Prophet Zarathustra die Religion im alten Persien – dem heutigen Iran. Heute leben im Iran noch rund 20 000 Zarathruster. In Indien sind es 69 000 und weltweit gibt es wohl keine  140 000 Zarathruster mehr. Zarathrismus ist eine vom Aussterben bedrohte Religion, in der wohl auch der Ursprung des internationalen Nouruz-Tag zu finden ist, den wir heute feiern.

Nouruz, das persische Neujahrsfest, zählt zu dem Menschheitskulturerbe bzw. UNESCO-Welterbe. „Nou“ bedeutet „neu“ und „ruz“ bedeutet Tag. Dabei wird das „z“ wie ein weiches „s“ ausgesprochen.  Wie der Frühlingsanfang richtet sich Nouruz nach der jährlichen Frühlings-Tagundnachtgleiche, an dem die Sonne senkrecht über dem Äquator steht und ist mit Abstand eine der wichtigsten Feierlichkeiten und Ereignissen in der persischen Kultur.

Baqlava ist für mich die Königin der shirinis (Süßigkeiten) auf dem  Gabentisch. Ich kenne niemanden, der an Baqlava vorbeigehen kann, wenn sie ihm angeboten werden. Gut, manch eine ziert sich ein wenig, schließlich sind sie süß und üppig. Doch dann erliegt sie dem Duft nach Rosen, Pistazien und Kardamon. Zartblättriger Filoteig wird geschichtet mit gemahlenen Pistazien und mit Rosenhonig gesüßt. Im gesamten ehemaligen osmanischen Reich und im westlichen Teil des Mittleren Ostens ist Baqlava zu Hause. Im Iran werden sie zu kleinen rautenförmigen Diamanten geschnitten, je kleiner, um so eleganter.

Meine Baqlava sind nicht ganz so edel und dekadent. Bescheiden kommen sie als kleine Quadrate daher, in denen sich Mandeln und Walnüsse mit Kardamon vereinen. Für den Rosensirup sparte ich ein wenig Zucker ein, damit es für unsere deutschen Gaumen nicht zu quitschig süß wurde. Dennoch ersetzt für mich ein Stückchen Baqlava den Zucker in meinem Tee.

Zutaten

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  • 75 g Zucker
  • 250 ml Wasser
  • 1 1/2 EL Rosenwasser
  • Saft 1/2 Limette
  • 1 1/2 EL Honig (optional)
  • 2-3 Safranfäden (optional)
  • 1 Packet Filoteig (ich hatte noch genug Teigblätter für die Frühlingsrollen über und nahm diese)
  • 150 g gröber gemahlene Mandeln
  • 100 g gemahlene Walnüsse
  • 1 EL frisch gemalenen grünen Kardamon
  • ca 75 g flüssige Butter
  • 1 Paar Pistazien

Küchengeräte

1 Back- oder Auflaufform, 1 Pinsel, 1 Topf, 1 Löffel, 1 scharfes Messer, 1 Mörser und eine Mühle, falls ihr die Nüsse selbst zerkleinert

Zubereitungszeit

Vorbereitungszeit ca. 15 Min. / Backzeit ca. 30 Min.

Zubereitung

Zunächst Zucker mit Wasser in einem kleinen Topf aufkochen lassen und dann auf kleiner Stufe weiter simmern lassen, sodass langsam die Flüssigkeit zu einem Sirup einköchelt.

Die Kardamonkapseln aufstoßen und die kleinen Samen von den Kapseln trennen. Die Kardamonsamen fein zerstoßen.

Das Kardamonpulver mit den Mandeln und Walnüssen vermengen.

Eine Backform einfetten und dann mit 3-4 Filoteigblättern auslegen. Dabei jedes Teigblatt dünn, aber gründlich mit Butter bestreichen. Darauf wird die Hälfte der Nussmischung gleichmäßig verteilt und fest angedrückt. Jetzt kommt wieder eine Lage von 3-4 eingebutterten Teigblättern obenauf. Die restlichen Nüsse werden auf diese Teigschicht verteilt und angedrückt. Die letzte Schicht Teigblätter wird aufgelegt und alles wird mit einem sehr scharfen Messer in die späteren Portionsstücke geschnitten. Wenn das Messer stumpf ist, verschieben sich Teigblätter und Nussschicht fürchterlich. Bei vorgeheizten 160° C  Ober- und Unterhitze backen die Baqlava dann  +/- 30 Mnuten.

In dieser Zeit werden die Pistazien geschält und im Mörser zerstoßen. Wenn die Zuckerwassermischung auf die Hälfte reduziert ist, braucht sie nicht weiter zu köcheln. Haltet sie nur gut warm und gebt das Rosenwasser, den Honig und den Limettensaft hinzu. Die Limette balanciert ein wenig die Süße aus. Wer mag kann jetzt noch ein paar Safranfäden im Mörser pulverisieren und an den Sirup geben.

Die fertigen, noch heißen Baqlava werden nun löffelweise mit dem Rosensirup beträufelt und abschließend mit den Pistazienstückchen dekoriert. Dann können sie auskühlen und am besten noch über Nacht mit Folie abgedeckt ruhen. So verbinden sich die Aromen feiner miteinander.

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15 Kommentare Gib deinen ab

  1. Tring sagt:

    Mir ist das gekaufte Baqlava immer zu süß – insofern ist selbermachen vermutlich eine ganz gute Option 🙂 Deins sieht jedenfalls sehr lecker aus! Liebe Grüße, Tring

    Gefällt 1 Person

    1. Wili sagt:

      Danke, es ist immer noch süß, aber nicht so süß und absolut nicht zu vergleichen mit denen, die du beim Türken für gewöhnlich bekommst 😉

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  2. Es Marinsche kocht sagt:

    Oh wie fein – mir läuft das Wasser im Mund zusammen 🙂 und so schön präsentiert!

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    1. Wili sagt:

      Ja, heute ist Frühlingsanfang und persisches Neues Jahr 🙂

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      1. Es Marinsche kocht sagt:

        Und das bei schönstem Frühlingswetter 🙂

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      2. Wili sagt:

        echt? Hier ist es eher grau in grau. aber das macht ja nichts. Der Frühling kommt nun unabwendbar 😉

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      3. Es Marinsche kocht sagt:

        Ich schick Dir ein paar Sonnenstrahlen rüber 😉

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      4. Wili sagt:

        merci, wie lieb von Dir :’*

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      5. Es Marinsche kocht sagt:

        😘🌞

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  3. Ich bin beeindruckt, was du dir oft antust, die kompliziertesten exotischen Gerichte, von dir werden sie zubereitet! Eine selbst zubereitete Baklava muss toll schmecken!

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    1. Wili sagt:

      Das ist interessant, denn Baqlava ist sehr einfach und unkompliziert herzustellen. Das einzig, das ich mir hier antat, war den Kardamon selber zu mahlen, aber man kann ihn ja auch gemahlen kaufen. Und selbstgemachte Baqlava schmeckt unzählige Male besser als die Standard-Baqlava, die du hier kaufen kannst. Es hat keine 60 Minuten gedauert, da waren sie mit Backen fertig.

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  4. Tatsächlich, so schnell warst du fertig? Ich dachte genau an der Stelle, wo du den Kardamom selbst gemahlen hast, was du dir antust. Ich kann mir vorstellen, dass eine selbstgemachte Baklava um vieles besser schmeckt als eine gekaufte, gibt es schon hier eine große Bandbreite!

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    1. Wili sagt:

      ja, da hast du Recht. Beim Kardamon habe ich ein wenig geflucht, weil ich kein fertiges Pulver zur Hand hatte und auch keine kleine Gewürzmühle 😀
      Aber gerade den Kardamon liebe ich so sehr an den Baqlava

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  5. Mein 12 jähriger liebt das Zeug (wir auch) und unser gemeinsamer Bastel-&Backtag steht kurz bevor, die voll süsse Form von Baklava.

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    1. Wili sagt:

      na dann mal los…. 🙂
      Die original persischen Baqlava, an denen ich mich orientierte sind noch mal so klein. Sie sind aber auch irre reichhaltig und süß 😀

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