Linsenreis (Adas Polo) – عدس پلو

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Erinnert ihr euch noch an Donnerstag vor sechszehn Tagen, also an den 17. März 2016, so gegen 16:00 Uhr?

Da war ich in Köln – Lindenthal auf der Zülpicher Straße, Ecke Weyertalstraße und saß das erste Mal in diesem Jahr ohne Jacke draußen im Straßencafe, ließ mir die Sonne ins Gesicht scheinen und dachte. Dieser Platz wurde gerade frei als ich ein wenig irritiert über meine zuvor gemachte Entdeckung an dem Café vorbeischlenderte. Ich ließ mich nieder und atmete tief ein.

Diese Ecke von Köln birgt so viele erlebte Geschichtchen und Erinnerungen. Mit wem saß ich nicht schon alles  im Cafe Krümel mir gegenüber?  Nur wenige Meter weiter in einer Nebenstraße gab es früher den Toko Jakarta mit einer Vielzahl indonesischer Lebensmittel, Reis und Gewürzen, einen kleinen Italiener, der damals immer schwer zu findende frische italienische Kräuter vorrätig hatte und einige Jahre später einen Marrokaner mit köstlichen Oliven und Salzzitronen.

Wenige 100 Meter hinter mir liegt das evangelische Krankenhaus, in dem mir  als Stümpche der Blinddarm genommen wurde. Neben dem Krankenhausparkplatz befand sich schon immer ein kleines Areal mit Baumbestand hinter einem hohen Eisenzaun. Ich kann überhaupt nicht zählen wie oft ich daran vorbeigegangen bin. Tausendmal wäre bei Weitem untertrieben. Denn direkt  gegenüber befindet sich das Islamwissenschaftliche Institut, in dem ich farsi lernte und nur knapp 30 Meter weiter befand sich die WG meiner Kommilitoninen, in der wir nächtelang und heftigst diskutierten, wie die irren büffelten und schöne Partys feierten….

… an diesem 17. März 2016 bei strahlendblauem Himmel und herrlichem Sonnenschein war es ein über meinem Kopf hinwegfliegender Bussard, der meine Aufmerksamkeit auf das eingezäunte Gelände lenkte. Dieser Fremdling der Stadt ließ sich auf einer der Baumkronen nieder und zeigte mir so diese schönen alten Bäume, um die herum sehr gepflegte Wege verliefen. Eine richtige kleine Parkanlage war das, sogar mit Bänken zum Verweilen.. Begeisterung und Irritation erwachten zeitgleich in mir. Ich hatte dieses Kleinod niemals zuvor wahrgenommen und als solches erkannt! Erstmalig blickte ich bewusst auf die sehr alten und überwucherten, halbverfallenen Grabsteine. Mein Blick suchte und fand die kleine Tafel am Zaun, die da wohl auch schon immer hing. Sie verriet mir, dass dies der älteste evangelische Friedhof des Rheinlands sei, der Geusen-, also Bettlerfriedhof, erstmals im 16. Jahrhundert erwähnt und bis 1829 genutzt.

So saß ich nun aufgereiht neben Studenten und Lindenthalern auf der Sonnenseite der Zülpicher Straße, trank ein erfrischendes Mineralwasser mit Zitrone und suchte in meinem Kopf nach Bildern aus meiner Vergangenheit über den Geusenfriedhof. Die alte Frau neben mir zahlte ihren Kaffee und kaum hatte sie mir „Tschö“ gesagt, da fragte ein recht chic gekleiderter Businessmann meines Alters förmlich, ob er sich zu mir setzen dürfe. Die erste wärmende Sonne weckt auch gleich die Balz. Schön ist das. Ich erfuhr eine Menge über ihn, seine Herkunft, seinen Beruf und vor allem viel wissenswertes, spannendes und neues über eines meiner Lieblingsgewürze, über Curcuma. Geschickt hatte er das Gespräch von seiner beruflichen Tätigkeit im medizinischen Bereich auf Curcuma gelenkt, das mehr Heilmittel als Gewürz sei, gut gegen Krebs helfe und  Alzheimer vorbeuge, die Leber schütze und ein starke entzündungshemmende Wirkung habe. Er hatte meine Aufmerksamkeit, meine Begeisterung und mein Strahlen. Da entschuldigte er sich, beteuerte, dass er nur kurz zu seinem Auto wolle und schnell wieder zurück sei, verschwand, kam wieder und reichte mir ein Tütchen voll dieser besten Medizin, goldgelben Curcumas. Als ich das Tütchen entknotet hatte strömte mir eine angenehme, leicht scharfe Moschusfrische entgegen. Das war wirklich bestes Curcuma. „hmmmmmmmm“ atmete ich es tief ein. „Das ist für Sie!“ lächelte er.

Was für ein reicher Moment war doch der 17. März 2016 gegen 16:00 Uhr!

Linsenreis (Adas Polo) – عدس پلو

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Heute stelle ich ein vegetarisches, ja sogar veganes, sehr gesundes, reichhaltiges und doch traditionelles iranisches Reisgericht vor, das recht leicht nachzukochen ist und in dem mein neues Curcuma ganz wundervoll zur Geltung kommt. Neben Curcuma würze ich es mit Cumin, der Balsam für den Magen und den Darm ist und eine bessere Verdaulichkeit der Linsen unterstützt. Viele Iraner geben auch noch Rosenblätter, Zimt oder Advieh hinzu. Experimentiert einfach ein wenig.

Durch die Linsen, Rosinen und Datteln wird der Reis sehr nahrhaft. Er braucht nicht mehr um eine vollwertige und ausgewogene Mahlzeit zu ergeben. Dennoch passt sehr gut Lamm oder Hähnchen dazu, falls ihr nicht  auf fleischiges verzichten mögt. Wer vollwertig oder clean speisen möchte, kann natürlich auch Vollkornreis nehmen.  In meinem Rezept finden sich heute auch ein paar getrocknete Maulbeeren und geröstete Pistazien. Reste, die ich einfach aufbrauchen wollte und die wunderbar mit den übrigen Zutaten harmonierten.

Ein frischer Gurken-Tomatensalat mit etwas Limettensaft angemacht oder etwas Joghurt sorgen nach der persischen Ernährungslehre für eine ausgewogene Balance zwischen garmi und sardi.

Zutaten für 4 Portionen

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  • 1 Tasse Langkornreis (z.B. Basmati)
  • 1/2 Tasse grüne Linsen
  • 1 größere Zwiebel
  • 1/4 Tasse Rosinen
  • 8 entkernte Datteln
  • hier: 2 El getrocknete Maulbeeren und 2 El Pistazienkerne
  • 1 1/2 Tl Curkuma
  • 1 Tl Cumin
  • Salz
  • 2 TL Traubenkernöl

Küchengeräte

1 Schneidebrett und 1 Messer, 2 Töpfe und 1 Pfanne

Zubereitungszeit

ca. 50 Minuten

Zubereitung

Wie immer den Reis am besten am Vorabend oder wenigstens wenige Stunden vorher waschen und zum quellen in Wasser geben. Das ist ein sehr wichtiger Vorgang, möchte man lockeren Reis haben. Die ausführliche Anleitung des Reiskochens findet ihr hier.

Als erstes werden die Linsen  5-10 Minuten in Salzwasser vorgegart. Sie sollen nicht weich kochen, sondern im Kern noch fest bleiben. Sie garen später zusammen mit dem Reis. Dieser wird zunächst wie in meiner Anleitung aufgesetzt. Wenn das Wasser dann ca. auf die Hälfte reduziert ist, werden die vorgegarten Linsen, 1 TL Curcuma und 1 TL Cumin hinzugegeben. Der Reis wird nicht abgeschüttet!

Wenn das Wasser ganz verkocht ist, wird die Hitzezufuhr reduziert, der mit einem Tuch umwickelte Deckel aufgelegt und der Linsenreis dämpft dann so noch gut 30 Minuten. Alternativ könnt ihr natürlich einen Reiskochtopf benutzen.

In der Zwischenzeit werden die Zwiebel und die Datteln in streifen geschnitten. Das Öl wird in einer Pfanne erhitzt und die Zwiebelstreifen darin glasig angebraten. Dann werden sie mit 1/2 TL Curcuma bestäubt und goldbraun gebraten.

Nachdem die Zwiebelstreifen aus der Pfanne gehoben wurden, werden die Rosinen in dem restlichen Öl angebraten und im Anschluss daran die Datteln. Ich gab schließlich noch die Maulbeeren und dann die Pistazien in die Pfanne.

Wenn der Linsenreis fertig ist, werden Zwiebeln und Trockenfrüchte untergehoben, bzw. dekorativ auf dem Reis ausgelegt.

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Übrigens: 300 Meter weiter stadtauswärts, Richtung Sülzgürtel lernte ich vor rund 30 Jahren in einem kleinen Einraumappartement ebenfalls an einem Märztag  Adas polo kennen.

39 Kommentare Gib deinen ab

  1. ohneeinander sagt:

    Das Gewürz habe ich auch neulich gekauft und es duftet wunderbar. Wie lagerst du das Curcuma, wenn die Tüte auf ist? Heute werde ich Linsensalat machen und mit Curcuma würzen. Ich bin gespannt, wie es schmeckt.

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    1. Wili sagt:

      Das schmeckt bestimmt richtig gut. Ich habe eine große Schublade in der ich all meine Gewürze dunkel und trocken aufbewahre. Manchmal fülle ich die Gewürze in Döschen oder Gläser um. aber vor alem aus Platzgründen lasse ich sie in den Tütchen, die ich dann mit Klemmen verschließe.

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      1. ohneeinander sagt:

        Okay. Meine Gewürze lagere ich trocken aber anscheinend zu hell. Das muss ich ändern. 🤔

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      2. Wili sagt:

        yepp…. Licht kann ein Problem sein

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    2. Wili sagt:

      habe ich jetzt geschrieben oder unterschlagen, dass dein Salat sicher lecker wird. Ich mache heute einen ausflug nach Berlin…. 😉

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      1. ohneeinander sagt:

        Hi hi. Dann würdest du total neidisch werden 😘

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      2. Wili sagt:

        wie… du würdest mir nichts abgeben?

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      3. ohneeinander sagt:

        Doch würde ich sofort 😚

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      4. Wili sagt:

        yammi…. was du da schnelles gezaubert hast :*

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      5. ohneeinander sagt:

        Für meine Lieblingsköchin und mich 😘

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      6. Wili sagt:

        😘😘😘

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    3. leckerlife sagt:

      Am besten in eine Schraubdeckelglas und kühl und dunkel im Schrank. Dann ist es gut haltbar und verliert sein Aroma nicht.

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      1. ohneeinander sagt:

        Danke für den Tipp.

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  2. ohneeinander sagt:

    Die Zubereitung klingt so kompliziert. Aber essen möchte ich das auch so gerne 😪

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    1. Wili sagt:

      echt? Habe ich das Reiskochen zu detailiert beschrieben? Du musst doch nur Reis und Linsen zusammen kochen und die anderen Zutaten kurz, aber nacheinander in der Pfanne anbraten, damit schöne Röstaromen hinzukommen.

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      1. ohneeinander sagt:

        Das kann ich nicht. 😱

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      2. Wili sagt:

        Das glaube ich dir nicht. Guck mal hier, auch wenn es mit Fleisch zubereitet wird, gibt es eine Idee, wie leicht es geht:

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    2. leckerlife sagt:

      Meine beste Anschaffung war ein japanischer Reiskocher. Reis rein, Wasser rein, Gewürze rein. Deckel drauf – vergessen. Klackt leise, wenn fertig und hält dann warm. Der Reis ist immer auf den Punkt gar, auch wenn du ihn noch länger auf dem Warmhaltemodus drin lässt. Klappt auch mit Linsen, Bulgur, Couscous, Hirse etc. Einfach genial!

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      1. Wili sagt:

        ich liebe auch meinen Reiskocher. Der persische Reiskocher hat noch eine zusätzliche Funktion, für diese schöne braune Reiskruste.

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      2. leckerlife sagt:

        Ich wusste gar nicht, dass es da Unterschiede gibt. Werden ich mal drauf achten. Hört sich interessant an.

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      3. ohneeinander sagt:

        Meine nächste Anschaffung 👍🏻

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      4. leckerlife sagt:

        Kann ich nur empfehlen. Geling immer und ist völlig stressfrei. Kannst du auch für Linsen, Hirse oder Quinoa verwenden.

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      5. ohneeinander sagt:

        Ich hatte noch ein paar Linsen, die habe ich mit rein gemacht. 😊

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      6. ohneeinander sagt:

        Ups, der Kommentar ist verrutscht. Es ging ja um den Kocher und gar nicht um den Salat 😜

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  3. Landidylle sagt:

    Was für eine schöne Geschichte!
    Das Gericht hingegen erinnert mich an ein afghanisches Gericht, welches Angehörige einer alten Dame, deren Würde ich bestrebt war zu wahren, für mich gekocht haben. Hach ja, Erinnerungen an Essen sind doch viel lebendiger als andere. Wünsche Dir ein tolles Wochenende und setze mir direkt mal ein Lesezeichen zum nachmachen. LG Oli

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    1. Wili sagt:

      Danke liebe Oli. Was ich bisher aus der afghanischen Küche probieren durfte, hat mir immer ausgesprochen gut geschmeckt,

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  4. Tring sagt:

    Das ist aber auch eine schöne Ecke da. Mit so einem herrlich grundentspannten Flair. So ähnlich geht es mir immer mit der Dürener Straße – da war (und ist immer noch) das Ostasiatische Seminar, wo ich einen Großteil meiner Studentenzeit verbracht habe 🙂

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    1. Wili sagt:

      Stimmt, die Dürener ist auch urgemütlich. Schwerpunktmäßig studierte ich an der Erziehungswissenschaftlichen Fakultät, die liegt ja direkt hinter der Dürener Str. Heute noch wohnen Freunde von mir in den Nebenstraßen und mein Sohn hat seine Wohnung am De Noel Platz…. So klein kann Köln sein 😉

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      1. Tring sagt:

        Ja die EWF kenne ich ich auch gut, da hatte ich einen Teil meiner BWL Vorlesungen 🙂 Und danach im Sommer schön an den Aachener Weiher zum Sonnenbaden… 😉

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      2. Wili sagt:

        yepp! Da fällt mir glatt noch eine Geschichte ein… 😀

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  5. Zeilenende sagt:

    Es geschehen einem doch die kuriosesten Dinge in Straßencafes. *notiert sich: Kräuter zum Balzen verschenken*
    Anyway, das kommt mir bekannt vor. Nach Jahren stellte ich mir einmal die Frage, warum eine Straße „Zum alten Friedhof“ hieß, obwohl der alte Friedhof doch ein ganzes Stück weit weg war und erfuhr so, dass der alte Friedhof der neue alte Friedhof sei und der alte alte Friedhof nun der Parkplatz des Dorfzentrums. Wie ich jetzt den Bogen zum Reis allerdings kriegen soll, weiß ich nicht. Deshalb lasse ich es besser. *klaut sich ein Löffelchen vom Teller*

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    1. Wili sagt:

      nee nee nee, nicht die Kräuter zum Balzen verschenken, sondern die Kräuter beim Balzen verschenken. Das Zettelchen mit deinen Kontaktdaten darfst du dabei nicht vergessen zwischen die Kräuter zu legen… Dann kann es funktionieren.

      Ich hatte mich in all den Jahren, Jahrzehnte muss ich ja sagen, nicht einmal dafür interessiert, was hinter diesem Zaun lag. Ich hatte den Park, geschweige denn Friedhof nie wahrgenommen. Jetzt verstehe ich auch, weshalb das evangelische Krankenhaus Kölns genau dort angesiedelt ist. Dieses schöne Fleckchen ist quasi das Protestantenghetto Kölns 😉 Beim nächsten Besuch mache ich mich vielleicht auf die Spurensuche der vorwiegend niederländischen Protestanten in diesem Gebiet.

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  6. leckerlife sagt:

    Lecker! Das werde ich auf jeden Fall nachkochen. Hört sich absolut fantastisch an. Statt der Maulbeeren würde ich eher noch Berberizen nehmen, um noch eine säuerliche Komponente zu ergänzen. Die Maulbeeren wären mir neben den Dattel und Rosinen ein Tick zu süß. Ich werde auch auf jeden Fall noch Rosenblätter und Zimt bzw. Advieh ergänzen, wie du vorgeschlagen hast. Die Mischung hört sich lecker an. Vielen Dank für dieses tolle Rezept.

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    1. Wili sagt:

      Ja, die Berberitzen passen auch sehr gut. Die Maulbeeren waren einfach nur noch ein kleiner Rest, den ich somit aufbrauchte. Es ist übrigens auch fantastisch mit geräuchertem Reis.

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  7. Iris sagt:

    Endlich bin ich dazu gekommen, noch eines von Deinen Gerichten nachzukochen – sehr lecker!
    https://blog.durantis.eu/2017/02/04/linsenreis-mit-lamm/

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