Lachsspießchen mit Bärlauchdip an Cedro-Shoyu-Möhrchen und zweierlei Reis

am

In ihrem Zimmer lagen überall auf dem Boden verstreut all die bunten Sarongs und Kleider, die ihre Mutter von ihrer letzten Reise aus Afrika mitgebracht hatte. Saba fand die Sachen peinlich. Sie wollte sie auf keinen Fall anziehen. Viel lieber wollte sie so coole Klamotten wie Julia haben. Überhaupt wollte sie lieber sein wie Julia: Hellhäutig! Julia hatte so eine glatte zarte Haut am ganzen Körper. Im Winter war sie weiß und im Sommer hellbraun. Dabei hatte sie schöne große blaue Augen und glattes glänzendes haselnussbraunes Haar. Sie trug immer nur das, was sie sich selber ausgesucht hatte, schöne kurze Röcke oder Jeans und dazu tolle Blusen und T-Shirts in rosa oder weiß. Nicht so knallbuntes Zeugs. Julia durfte immer mit ihrer Oma einkaufen gehen und die kaufte das, was Julia unbedingt haben wollte. Saba musste die Sachen anziehen, die ihre Mutter ihr kaufte. Meistens machte sie das auch gerne, denn ihre Mutter kaufte ihr immer modische Sachen. Aber jetzt wollte ihre Mutter, dass sie diese bunten Kleider aus Afrika anziehen sollte. Völlig unmöglich! Wie sah das denn aus! Es nervte Saba schon genug, dass sie immer so dunkelbraun, fast schwarz war. Selbst Sofie, deren Papa aus Senegal kommt, hatte eine viel hellere Hautfarbe. Saba fiel überall auf. Die Menschen schauten sie immer an und oft sagten sie „Wie niedlich“, „Wie süß“ „Schau mal, was für schöne dunkle Augen dieses Kind hat“ „Was für eine schwarze Löwenmähne“ Ab und zu sagten sie auch „die kleene Schwatte“ „das farbige Mädchen“ oder „die kleine Negerin“.

Saba wäre so gerne einfach mal ganz unauffällig gewesen, so wie alle anderen auch, weiß, mit glatten Haaren, blond, braun oder auch schwarz, aber auf gar keinen Fall rot. Manchmal wälzte sie sich extra im Sandkasten, damit der feine Sand ihre Haut wie heller Puder überzog. Doch dann schimpfte ihre Mutter, weil sie sich so dreckig gemacht hatte und weil ihre Haut, die eh schon trocken und sehr empfindlich war, davon rau wurde. Und nun lagen seit Tagen schon diese bunten Klamotten um Sabas Bett herum. Einfach so, still. Niemand räumte sie weg.

Es klingelte. Das musste Julia mit ihrer Schwester Klara sein. Beide sollten dieses Wochenende bei ihnen schlafen, weil ihre Mutter zu ihrem Freund fuhr. Obwohl die beiden gerne zu Sabas Familie kamen und vor allem Saba und Julia schon Pläne für das Wochenende gemacht hatten, mochten sie es nicht, dass ihre Mutter ohne sie wegfuhr. Saba wollte noch schnell die Kleider aufsammeln, da kam schon Julia ins Zimmer gestürzt „Hi, Saba!“ „Hi…“ „Wow, was hast Du denn da?“ Julia riss ihr die Kleider aus der Hand und hielt eins nach dem anderen hoch und vor sich. „Die hat meine Mutter aus Afrika mitgebracht.“ „Darf ich die mal anziehen?“ „Jetzt nicht, wir wollten doch Inliner fahren.“ „Klar!“ Julia ließ die Sachen einfach fallen und die beiden stürzten die Treppe hinunter in den Wohnraum. Dort saßen Sabas Mutter und Klara zusammen bei einer Tasse Tee und unterhielten sich. „Mama, wir gehen Inliner fahren“ sagte Saba. „Gut, aber bleibt hier vor der Tür, denn ich mache jetzt gleich Abendessen.“ „Was gibt es denn?“ „Nudeln.“ „Lecker!“ sagte Julia, „ich liebe Nudeln.“ „Ich auch“, sagte Saba und schon waren beide zur Tür raus.

*

Saba wachte auf, weil es klingelte. Julia lag nicht neben ihr, wo war sie? Die Tür ging auf und Julia kam herein. Saba rieb sich die Augen und schaute. Julia hatte ein afrikanisches Kleid an. Sie achtete gar nicht auf Saba, zog das Kleid aus und holte sich das nächste. „Was machst Du da?“ „Hallo Saba, bist Du auch schon wach?“ „Nein, nicht richtig. Was machst Du?“ „Siehst Du doch!“ Julia war mit dem andern Kleid zur Tür raus und die Treppe runter. Nach einer Weile klingelte es wieder und kurze Zeit später kam Julia zurück. Saba stand aus dem Bett auf und stellte sich neben Julia, die dabei war das nächste Kleid anzuziehen. „Was machst Du da?“ „Ich ziehe die Kleider an.“ „Warum?“ „Die sind so schön! Darf ich heute eins anziehen?“ „hmm…“ „Super, danke, Saba!“ Julia wühlte in den Stoffen. Sie zog ein weißes Kleid mit grünen und blauen Ornamenten und Blumen hervor. „Das ziehst Du an und ich nehme das rote!“ „ähem…“ Saba war noch nicht richtig wach und verwirrt. Doch Julia achtete gar nicht auf sie. Sie war schon in das rote Kleid geschlüpft und wieder zur Tür raus gelaufen. Saba wollte keine Spielverderberin sein, zog das Kleid an, das Julia für sie rausgesucht hatte und folgte ihr nach draußen. Julia tanzte stolz in ihrem Kleid vor den anderen Kindern. Man war das bescheuert. Saba lief zu Julia und zerrte an ihrem Arm. „Komm, komm! Wir müssen nach oben, frühstücken.“ Julia lachte, „ich komme gleich, erst will ich noch zum Kiosk.“ „Wieso willst Du zum Kiosk?“ „Ich habe Geld!“ Julia rannte los. Als sie merkte, dass Saba ihr nicht nachlief wechselte sie in einen aufrechten Gang. Ihre Hüften wippten fröhlich hin und her. Sie war so glücklich, stolz und bequem in diesem schönen Kleid. Jetzt war sie ein bisschen wie Saba. Am liebsten hätte sie noch den Kopf voller kleiner Zöpfe gehabt. Doch ihre Mutter erlaubte das nicht, denn das kostete sehr viel Geld und Sabas Mutter hatte gesagt, ihre Haare seien zu fein und zu glatt dafür und bei ihr würden die Zöpfe nicht halten. Das fand sie ungerecht. Eigentlich wollte sie ihr Taschengeld sparen, um sich dann von ihrem eigenen Geld die Zöpfe machen zu lassen. Doch heute war eine Ausnahme. Sie kaufte für Saba und sich zum Frühstück eine gemischte Tüte für 1,50 €. Das war ihr ganzes Taschengeld für die kommende Woche. Sie gab davon auch ein wenig an Naima, Sabas kleiner Schwester, und an Klara ab. Dabei achtete sie aber darauf, dass für Saba die Colafläschchen blieben, die sie so gerne mochte. Dann zog sie wieder ihre Sachen an, denn Sabas Mutter wollte mit ihnen zu einem Grillfest am Stadtweiher gehen. Saba hatte ihr verboten das rote Kleid anzubehalten. Sie hatte alles versucht, um sie doch noch umzustimmen, doch Saba blieb dabei.

Es war ein schöner Sommertag und am Weiher war jede Menge los. überall gab es Essensstände und Grillstationen mit Kokosnussreis, Süßkartoffeln, Hähnchen, Fisch, Erdnusssauce und vielem mehr. Es gab Djembé-Spieler, Tänzer, Seifenblasenkünstler, und Schminkstationen. Sie schauten, entdeckten, staunten, bis Julia plötzlich einfach verschwunden war. Anfangs dachte Saba noch, dass sei ein Versteckspiel. Dann ärgerte sie sich über ihre Freundin und schließlich machte sie sich mit ihrer Mutter und Klara riesige Sorgen um sie. Gerade als Sabas Mutter zur Bühne eilen wollte um Julia ausrufen zu lassen, kam diese aus einem Gebüsch hervor. „Julia!“ schrie Sabas Mutter entsetzt und wütend, „was hast du nur gemacht?1“ „Igitt, Julia! Was soll denn das?“ fragte auch Saba entgeistert. Julias Gesicht, ihre Arme und auch ihre Beine waren tiefgraubraun vom Schlamm des Weihers. Sabas Mutter versuchte den Dreck mit Papiertaschentüchern abzuwischen. Doch da begann Julia zu weinen. „Ich wollte doch nur so schön braun sein, wie Saba.“

Schweigend gingen sie alle zusammen nach Hause. Als sie an einem Sonnenstudio vorbeikamen stupste Saba Julia an. „Wenn Du braun werden willst, musst du da rein gehen.“ „Ja, aber das ist viel zu teuer!“ Sie lachten beide.

*

Es ist jetzt mehr als zehn Jahre her, dass sich diese kleine, aber für die Freundinnen sehr lehrreiche Geschichte ergab.Ich musste daran denken, als ich auf meinen Teller mit dem schwarzen und dem weißen Reis blickte. Ein Gedankenblitz, ähnlich, wie die Idee zu diesem Essen, den ich hatte, als ich gestern Marinsches Menü sah und las.

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Den schwarzen und den weißen Reis dämpfte ich in zwei Töpfen.  Um ihn so anzurichten nahm ich den Ring einer kleinen Kuchenspringform und formte eine geschwungene Trennwand aus Alufolie.

Die Möhren habe ich klein gewürfelt, mit ein paar Cedrostreifen in wenig Olivenöl angeschwitzt und etwas Shoyu dazu gegeben. Nach knapp 7-8 Minuten waren sie fertig.

Die Lachsspießchen habe ich ebenfalls sehr kurz von beiden Seiten in Olivenöl angebraten, leicht gesalzen und gepfeffert und dann in Alufolie eingewickelt Ruhen gelassen, bis ich mit dem Arichten des Reis‘ und der Möhren fertig war.

Das Rezept für den Bärlauchdip finet ihr hier.

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18 Kommentare Gib deinen ab

  1. Es Marinsche kocht sagt:

    Eine zauberhafte Geschichte und ein ebenso angerichtetes Gericht, liebe Wili – daneben verblasst meine der Form des Fisches angepasste „Möhren- und Reisparade“ 😉

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    1. Wili sagt:

      nein, sie war mir Inspiration.

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      1. Es Marinsche kocht sagt:

        Genau so soll es sein….inspirieren und inspirieren lassen 🙂 bekomme heute mein Reispäckchen, habe aber den schwarzen Reis nun doch nicht bestellt

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      2. Wili sagt:

        gut so. Obwohl er mir so gemischt mit weißem Reis sehr gut schmeckte. Er ist kein must have.

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      3. Es Marinsche kocht sagt:

        Dann habe ich richtig entschieden 😉 aber das Ketjap Manis probiere ich 🙂

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  2. Ach Wili, deine Geschichten kosten mich mal für mal mehr Zeit meines Lebens. Sie werden immer länger und spannender. GLG, Bernhard

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    1. Wili sagt:

      Die Länge ist dieses mal eine Ausnahme, versprochen. Ich bekam es einfach nicht kürzer erzählt. Dabei habe ich schon gaaaaaaaaaanz viel ausgelassen 😉

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      1. Mein Kommentar war ein Kompliment keine Reklamation. Muss ich in Zukunft auch 5 oder 7 Smileys hinten anstellen?

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      2. Wili sagt:

        nein…. ! Ich habe das Kompliment verstanden. Gleichzeitig gaben deine Worte wieder, was ich selbstkritisch dachte, schon ehe ich es veröffentlichte: eine viel zu lange Geschichte, da verhungern die Leute am Tisch und das Essen wird auch noch kalt 😉

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  3. Zeilenende sagt:

    Normalerweise mache ich mir ja nicht so viel aus der Anrichterei auf dem Teller. Und ich find die Geschichte auch viel schöner. In dem Fall aber … Das ist der beste Beweis, warum man UNBEDINGT mit seinem Essen spielen sollte. Sieht toll aus. 🙂

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    1. Wili sagt:

      Danke, hat auch Spaß gemacht und gut geschmeckt. Aber für eine Familienfeier möchte ich den Reis so nicht für jeden Gast anrichten müssen 😉

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      1. Zeilenende sagt:

        Aber als Gesamtkunstwerk auf einer großen Platte, damit sich jeder nehmen kann? Das hätte jedenfalls Stil.

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  4. Eine schöne Geschichte und ein wunderschön angerichteter Teller. Deine Rezepte sind einfach toll, bei dir wären wir gerne mal zu Gast. 🙂

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  5. Wow, macht viel Spaß zu lesen! Und das Gericht sieht außerdem total schön aus! ☺️ Liebe Grüße

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  6. Landidylle sagt:

    Liebe Wili, jetzt bin ich endlich dazu gekommen, das Lesen dieser langen Geschichte nachzuholen. Das Gericht sieht ganz, ganz toll aus und ist bestimmt super, aber die Geschichte geht mir nicht aus dem Kopf und ist für mich gerade Hauptbestandteil.
    Liebe Grüße von Oli die früher auch immer unpigmentierte Haare und eine blasse Haut haben wollte. (Mein Vater nannte die hellen Leute ‚Mehlwürmer‘ was die sicherlich genauso wenig lustig finden würde wie er früher ‚Neger‘ – Sprüche klopfen können alle gut, unabhängig von der Anzahl der Pigmente 🙂 )

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    1. Wili sagt:

      Es ist ewig her, aber meine Mutter nannte meine Hautfarbe immer käsig. Das fand ich auch wenig charmant, ebensowenig, wie krebs- oder tomatenrot unter der Sonne zu werden. Doch ich war keinem subtilen und unhinterfragten Rassismus ausgesetzt.

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  7. HannoverblickOst sagt:

    Schöne Geschichte und das Gericht sieht sehr lecker aus!

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