Wilis Saté Lontong (in Anlehnung an Saté Bulayak) – Rinderhackspießchen zu Reiskuchen

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Fast jeder Ort hat seine Entstehungsmythen, so auch Lombok. Eine dieser Geschichten geht folgendermaßen: In langer langer Vorzeit waren da zwei Gilis (Inselchen) im Meer. Im Norden Gili Rinjani und im Süden Gili Puji, das Inselchen des Betens (Puji stammt von dem Wort memuji = beten ab). Eines Tages ließen sich drei Geisterwesen auf Gili Puji nieder und begannen das Wasser zwischen Gili Puji und Gili Rinjani wegzubeten. Das Meer wich zurück und bildete dabei die Insel Lombok, so wie sie heute noch besteht mit dem zweithöchsten Vulkan Indonesiens im Norden, der Rinjani heißt, und dem heiligen Berg Pujut im Süden. Die drei Geistwesen verteilten sich auf der Insel und gründeten verschiedene Königreiche. Eins blieb gleich am Berg Pujut und gebar einen Menschen, den ersten König von Pujut. Dieser wiederum bekam ebenfalls einen Sohn. Als dieser alt genug war, den Thron zu besteigen, zog sich sein alter Vater auf den Berg Pujut zum Beten zurück. Er blieb dort oben zwei Monate, ehe er entschwand.

Fünf Königsgenerationen lösten sich auf dem heiligen Berg auf, bis eine balinesische Armee den Ort eroberte und den Berg Pujut stürmte. Die Balinesen zerstörten die dort erbauten Hütten und errichteten ihre Altäre. Der für Dewa Dapur, dem Gott der Küche, wurde beispielsweise dort erbaut, wo zuvor das Küchenhaus stand. Auf dem Berg Pujut kann man mit Klettergeschick und Mut fünf Steinhaufen (Altäre) erahnen bis erkennen.  Es ist auch heute noch ein heiliger Ort, dem die dort ansässigen Sasaks, obwohl sie doch nur an Allah glauben, mit Ehrfurcht begegnen.

90% der Bevölkerung Lomboks sind Sasaks, die nach dieser Geschichte, den drei Geisteswesen entstammen und die seit dem 16. Jahrhundert dem Islam angehören. Eine Besonderheit der Sasaks ist ihre Ortsansässigkeit. Nicht nur, das viele Bewohner noch niemals Lombok verlassen haben, oft kennen sie nicht einmal die verschiedenen Regionen ihrer Insel. Dabei weist Lombok heute ein sehr gutes Straßensystem auf und auch der öffentliche Verkehr ermöglicht das Überbrücken von früher vielleicht unüberwindbaren Distanzen. Jahrhunderte lang verließen die Sasaks kaum ihre Dörfer und so entwickelte sich ihre Sprache von Region zu Region sehr verchieden. Ebenso vielfälltig zeigen sich die Kochkünste in den vielen verschiedenen Kampungs (Dörfern).

In knapp drei Wochen habe ich bei allem nur die alleräusserste Oberfläche betrachten können und zunächst einmal auch beim Essen nur das kennen gelernt, was üblicherweise an den Touristenpfaden Lomboks angeboten wird. Eine besonders feine Spezialität ist dabei für mich Saté Bulayak. In Bulayak verliebte ich mich. Das ist ein Reiskuchen, ähnlich dem Ketupat, in geflochtenen Palmblattpäckchen gekochter Reis oder dem Lontong, in Bananenblättern gekochter Reis. Doch Bulayak ist sehr viel feiner und graziler.

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Der Reis wird in zu „Zigarren“ aufgewickelten Palmblättern gegart. Leider habe ich weder zusehen können, wie diese kunstvollen Päckchen so stabil gewicket werden, dass die Reiskörner diesen beim Kochen nicht entfliehen können, noch habe ich hier in Hannover Palmblätter, um dies auszuprobieren und zu üben. Deshalb habe ich als Alternative das etwas grobere Lontong mit der modernen Kochbeutelmethode gemacht. Ich gab ein paar Streifen Bananenblatt mit ins Wasser, mit der Idee, etwas Farbe und Aroma an das Lontong zu bekommen. Im Ansatz hat es geklappt, ist aber ausbaufähig. Das trifft Bulayak bei weitem nicht, doch besser wusste ich mir nicht zu helfen.

Leichter war es da für mich zu beobachten und zu erfragen, wie die verschiedenen Saté-Arten und die dazugehörigen Sambals hergestellt werden. Heute entschied ich mich für ein Saté Daging, Rindfleischspießchen.

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Mir ist es vertraut, Hackfleischteig mit altbackenen Brötchen, die in Milch oder Wasser aufgeweicht werden, zu lockern und durchaus auch ein wenig zu strecken. Gut erinnere ich mich an das frühere Geschimpfe meines Vaters, ein typisches fleischliebendes Kriegskind, wenn mal wieder seinem Empfinden nach zu viel Brot an den Frikadellen war. Auf Lombok wird zu diesem Zweck das Rindfleisch mit dem Fleisch der jungen Kokosnuss vermengt, was bei uns Europäern in Kombination mit den Chilis und Erdnüssen eine überwältigende Gaumenexplosion auslösen kann.

Doch obwohl ich hier sorgfälltig lernte, schmeckt dennoch alles anders als auf Lombok. Das Fleisch vom Metzger meiner Wahl in Hannover stammt von anderen Tieren, als das auf Lombok.

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Es wird auch völlig anders zerkleinert als bei uns.

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Die Gewürze reiften unter der tropischen Sonne Lomboks, die Kokosnüsse sind frisch und gibt es hier so gar nicht zu erwerben, falls doch, sind sie wohl noch teurer, als das Rindfleisch auf Lombok. Schließlich besteht unsere Holzkohle aus Buchenholz und nicht aus Kokosnussschalen.

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Was ich euch hier also vorstelle, ist lediglich ein kleiner Kompromiss, der eine leise Ahnung davon vermittelm kann, wie köstlich Saté Bulayak wohl ist. Fairer Weise sollte ich sagen, es ist ein neues Gericht. Eine Speise Lomboks mit kölschen Händen in Hannover zubereitet. Wilis Saté Lontong.

Zutaten für Saté Daging für 4 – 5 Portionen

  • 400 Gramm Rinderhack
  • 2 EL Zitronensaft     
  • 200 g mittelalte und geraspelte Kokosnuss (gibt es im Asialaden)    
  • 200g geröstete und gemahlene Erdnüsse
  • 2 EL Palmzucker    
  • 300 ml dicke Kokosmilch
  • 26 rote Chilis
  • 10 rote Schalotten
  • 6 Knoblauchzehen
  • 1 TL Pfeffer 
  • 1 TL Salz
  • 1 EL neutrales Öl (Kokos- Erdnuss- oder Traubenkernöl sind ideal)
  • 40 – 50 Bambusspießchen

Zubereitung

Das Fleisch mit dem Zitronensaft vermengen und 15 Minuten marinieren lassen.  Die Hälfte der Gewürze in dieser Zeit zu einer Paste verarbeiten und dann zusammen mit den Kokosnussraspeln unter das Fleisch vermengen (die Kokosnussraspeln habe ich im Blender auch noch feiner gemahlen) . 

Das Fleisch um die Holzspießchen kneten und diese dann ca. 15 Minuten gar dünsten oder dämpfen.

Dieses gedämpfte Fleisch schmeckt bereits sehr gut und kann zu Suppen gegeben werden. Ihr könnt diesen Schritt auch weglassen und das Fleisch direkt grillen. Es braucht dann etwas länger auf dem Grill und wird ggfs. trockener. Auch schmeckt es dann nochmals ein wenig anders

Die übrigen Gewürze mit den Erdnüssen zu einer Gewürzpaste verarbeiten und einige Minuten im Öl anbraten. Den Palmzucker und die Kokosnussmilch hinzugeben, gut umrühren und zu einer dicklichen Sauce einköcheln lassen.

Die Fleischspießchen grillen und mit der Sauce zu Lontong anrichten. Ein frischer Salat mit einem einfachen Öl-Zitronendressing rundet die Mahlzeit ab.

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8 Kommentare Gib deinen ab

  1. Den Geschmack von fremden Gerichten beim nach kochen zu Hause, ohne die originalen Zutaten zu erreichen verlangt viel Erfahrung und Sensibilität. Deine Überlegungen zu deinem Eurosasakischen Mahl scheinen logisch und ich hätte gerne von Wilis Saté Lontong gegessen.
    Liebe Grüsse, Bernhard

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    1. Wili sagt:

      „Eurasakischen“ ist ja ein tolles Wort. Es klingt sehr kraftvoll.
      Das Saté war schon sehr lecker, insbesondere, wenn man wie ich gerne Kokosnuss mag.

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  2. Zeilenende sagt:

    „Zu viel Brot“ … Aaah, ja, das kenne ich. *gg*
    Das sieht großartig aus und die „hacken“ ihr Fleisch in einem großen Mörser, wenn ich das richtig sehe? Macht das in der Konsistenz groß etwas im Unterschied zum Feinwolfen?
    Was Kokos-Kohle angeht, gibt es die meines Wissens nach übrigens zumindest in gut sortierten Baumärkten mit großer Grillabteilung mittlerweile durchaus. Ich meine düster, dass Kokos-Kohle bei diesen Grillexperten im letzten Jahr ziemlich gehypt wurde.

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  3. Wili sagt:

    Das Fleisch wird erst mit dem Messer fein geschnitten und gehackt, was ja dem Fleischwolf sehr ähnlich ist und dann im Mörser mit den Gewürzen gemahlen. Die Kokos-Kohle wird dann ja auch einen Hyperpreis haben 😀 Aber wenn meine Holzkohle sich gen Ende neigt, werde ich mal Ausschau danach halten. Danke für den Tipp!

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  4. Es Marinsche kocht sagt:

    Dein Gericht lässt eine große Ähnlichkeit erahnen…. 🙂

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    1. Wili sagt:

      Danke für das schöne Kompliment :*
      Es schmeckt in jedem Fall nach Sommer, Sonne, Palmenstrand 😉

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      1. Es Marinsche kocht sagt:

        Das glaube ich Dir auf’s Wort 🙂

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