Berberitzenreis mit Huhn (Zereshk polow ba morgh) – زرشک پلو با مرغ

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Zereshk polow ba morgh ist ein Reisgericht mit Huhn, also auf den ersten flüchtigen Blick nichts aussergewöhnlich aufregendes. Gut, Zereshk oder Sereschk, also getrocknete Berberitzen erscheinen schon ein wenig aussergewöhnlich. Diese säuerlichen Beeren waren bei uns lange in Vergessenheit geraten. Doch ich erinnere mich, dass meine ostpreussische Omi davon Marmelade kochte.

Reis mit Huhn in Form von Zereshk polow ba morgh hingegen ist ein Gericht voller schöner Überraschungen. Schon optisch verströmt es einen Hauch von Opulenz, denn es wirkt, als hätte jemand  eine Schatztruhe auf den Teller ausgeschüttet: Dunkle Goldklumpen aus Hühnchenfleisch reihen sich um einen kleinen Berg aus flauschigen, weißen Reiswölkchen in denen sich eine üppige Anzahl Bernsteine und Rubine verfangen hat. Ein feiner Duft von Rosen, Safran und Zimt kräuselt sich leise in die Nase und bestätigt sich mit dem ersten Happen auf der Zunge, ehe sich im Mund ein sanftes Feuerwerk entfaltet. Überrascht erlebt man Fruchtigkeit, Erdigkeit, Süße und Säure. Das zarte Hähnchenfleisch, des langsam geschmorten Huhns hält einen angenehm zurück am Tisch. Man behält den festem Stand der Füße am Boden. Es ist einfach nur wohltuend, schön und köstlich. Und wisst ihr was? Ich kann nicht mehr zählen, wie oft ich dieses bei uns fast alltägliche Gericht schon gegessen habe. Es hat niemals seinen besonderen Zauber für mich verloren.

Eigentlich wollte ich es gestern Abend gar nicht kochen. Als Blogbeitrag war dieses bekannte Speise der iranischen Küche schon lange von meiner Liste gestrichen, denn meine Tochter kann es weit besser zubereiten als ich selbst. Doch jetzt fragte mich eine Kollegin nach dem Rezept und so habe ich es gleich gestern Abend umgesetzt.

Zutaten für 2 – 3 Portionen

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  • 1 Becher Reis (250 ml)
  • 2 Becher Wasser
  • 1 EL Butter
  • Salz
  • 6-7 Safranfäden
  • 1/4 TL Zucker
  • 2-3 EL Berberitzen
  • 2 TL Butter
  • 1 TL Zucker
  • 1 Zwiebel
  • 1/2 TL Kurkuma
  • 1/2 Hähnchen
  • 1TL Zimt
  • Salz und Pfeffer
  • 1 EL Tomatenmark
  • 1 TL Rosenwasser
  • 1 TL Limettensaft
  • Wasser
  • Öl zum anbraten

 

Zubereitung

Es gibt mehrere Möglichkeiten Sereschk Polo zuzubereiten . Die eine ist es, den Reis und Sereschk im Wechsel zu schichten und gemeinsam zu dämpfen. Der Nachteil besteht darin, dass die Berberitzen bräunlich werden und auch die umliegenden Reiskörner unschön verfärben. Der Vorteil besteht darin, dass der Reis mehr von dem süß-säuerlichen Aroma der kleinen Beeren annimmt. Die andere Möglichkeit besteht darin ein einfaches Tschelo, gedämpfter Reis, zu machen und die Berberitzen zum Abschluss unterzuheben sowie darüber zu streuen. Dieses Verfahren bevorzuge ich. Eine dritte Variante besteht darin, die beiden erstgenannten Varianten miteinander zu kombinieren. 

Den Reis wie üblich vorbereiten und dämpfen. Der Reis braucht 35 – 40 Minuten, bis er fertig gedämpft ist. Er wird also aufgesetzt, nachdem das Hähnchen, dessen Zubereitung ich weiter unten beschreibe, bereits 20 Minuten schmort.

Den Safran mit etwas Zucker zu Pulver zerreiben und in ca. 40-50 ml heißem Wasser auflösen und ziehen lassen (Man kann noch etwas Butter dazu geben).

Die Berberitzen gründlich reinigen. Das geht am besten, indem man sie in eine große Schale mit Wasser gibt und dann vorsichtig abschöpft (Sand und Steinchen, die sich zwischen den Beeren befinden können, fallen auf den Schüsselboden, die Beeren schwimmen oben). Anschließend die Beeren 15 Minuten in Wasser einweichen, dann gut abtropfen lassen. Kurz vor dem Anrichten etwas Butter in einer Pfanne schmelzen und die Berberitzen mit Zucker hinzugeben (Man kann auch hier etwas Safranwasser zugeben) und kurz karamellisieren lassen.

Etwas von dem fertigen Reis im Safranwasser verrühren oder alternativ einen Teil des Safranwassers behutsam über den fertigen Reis träufelen, nachdem dieser bereits auf einer Servierplatte angerichtet worden ist.  Die Berberitzen darüber geben.

 

Ein küchenfertiges Hähnchen wird gehäutet und in portionsgerechte Stücke zerlegt, die gründlich gewaschen werden.

extra für Alex: Am einfachsten lässt sich das liebe Federvieh häuten, indem man es zunächst halbiert und dann die Flügelchen entfernt. 

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Dann die Haut einfach vom Halsansatz nach unten bis über den Purzel abziehen.

Eine Zwiebel würfeln und mit Kurkuma in wenig Öl goldgelb anbraten. Die Hähnchenteile hinzugeben, von beiden Seiten anbraten und mit Salz, Pfeffer und Zimt (optional) würzen. Dann mit etwas Wasser ablöschen, das Tomatenmark (optional) unterrühren und alles eine knappe Stunde bei niedriger Hitze und zugedeckt schmoren lassen. Ab und zu einmal umrühren und evtl. etwas Wasser nachfüllen.

Die letzten 15 Minuten habe ich noch zwei halbierte und dann längs gestiefelte Möhren hinzugegeben.

Kurz vor dem Servieren etwas Limettensaft (optional) und Rosenwasser (optional) sowie Safranwasser (optional) über die Hähnchenteile träufeln. Die fertigen Hähnchenstückchen auf oder um den Reis verteilen.

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21 Kommentare Gib deinen ab

  1. Wili sagt:

    Gestiefelte Möhren haben übrigens mit dem gestiefelten Kater gemein, dass sie schnell gehen.

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  2. Es Marinsche kocht sagt:

    Da weht einem der feine Geruch grad entgegen – für mich käme alles optionale dazu 🙂 Berberitzen….love it1

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    1. Es Marinsche kocht sagt:

      Tausche die 1 gegen ein ! 😀

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    2. Wili sagt:

      Du bekommst eine Portion mit Garnelen statt Hühnchen 💐

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      1. Es Marinsche kocht sagt:

        Oh wie fein 😍 danke 😘

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  3. kormoranflug sagt:

    Beim lesen riecht man Persien. Bei der Auswahl bin ich für „optional, optional“ (lach).

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  4. HannoverblickOst sagt:

    Köstlich geschrieben! Da knurrte gerade unüberhörbar mein Magen 🙂 LG Simone

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    1. Wili sagt:

      Dein Magen meldet sich zu spät, liebe Simone. Es gibt nichts mehr davon. Dafür sind gleich die Kimali Pogaca fertig 😋

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  5. Limenaria sagt:

    Hallo liebe Wili, bevor ich abfliege kann ich nun endlich wieder in Ruhe nach deinen Rezepten schauen. Wie du das Gericht beschrieben hast, gefällt mir äußerst gut und „schmeckt“ sich schon beim lesen schon königlich an. Ups ich habe die Berberitzen nie gesäubert, aber es macht Sinn ! 👍LG

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  6. Sehr feines Rezept! Aber bitte besteh doch auf Basmati – das ist voll wichtig in der persischen Küche!

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    1. Wili sagt:

      Danke für Lob und Hinweis. Dir scheint ein gutes persisches Gericht und ganz besonders das feine persische Tschelo und Polo am Herzen zu liegen. Das weiß ich zu schätzen.

      Es gibt viele Sorten und Qualitäten von Basmatireis schon alleine im Iran, wie z.B. Champa oder Sadri. Du wirst Beiträge in meinem Blog finden, da ich damit koche. Ich lehre hier aber keine regionale Kochschulen, sondern zeige wie ich koche. Und da bestehe ich nicht auf Basmatireis, sondern lernte auch mit Altrnativen gut zurecht zu kommen.

      Moderne persische Küchen, wie die von Louisa Shafia experimentieren übrigens auch zunehmend mit Alternativen zum klassischen Basmatireis, wie z.B. Quinoa, Hirse, Wild- und Vollkornreis. Nicht, weil sie – wie wir damals – nicht auf guten Basmatireis zurückgreifen könnte, sondern weil sie die traditionelle persische Kochweise mit einer modernen gesundheitsbewussten Ernährungsweise verbinden möchte.

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      1. Ich finde das auch alles gut wie du das machst. ich denke aber den Persern ist der reis (zu Recht) heilig, und da sollte zumindest bei den Klassikern wie Safran-Reis etc. auf Basm,ati-Reis bestanden werden. Das wäre ja sonst so, als ob uns einer erzählt wir sollen doch unser Jägerschnitzel mal mit Vollkorn-Mehl panieren oder die Currywurst vegan essen :

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      2. Wili sagt:

        Ich verstehe dich gut und finde ja selber, dass die persische Art des Reiskochens mit bestem Basmatireis fast nicht zu übertreffen ist. Für mich gibt es nur eine Ausnahme und das ist ein echtes Nasi kuning, indonesischer Reis in Kokosnussmilch und mit Gewürzen gedämpft. Auch wirst du, wenn du dem Link zur Reiskochanleitung folgst, sehen, dass ich da durchaus auf Basmatireis verweise. Doch dogmatisch will ich nicht sein. Iraner, die ich kenne sind es übrigens auch nicht. Sie sind pragmatisch und kochen selbst mit Parboiledreis, wenn sie eben nur den zur Verfügung haben.

        Ich schätze vegane Currywurst, wenn sie gut gemacht ist und mag durchaus ein Schnitzel mit Vollkornpanade oder mit Panko. Meine Nichte Sarah, eine Iranerin, kocht ausschließlich mit Vollkornbasmati und lehrte mich in klassischen Khoreshts das Fleisch durch Tempeh und auch mal Tofu zu ersetzen…

        An anderen Stellen in diesem Blog kannst du lesen, dass ich Kebab oder manches Khoresh durchaus auch mit Schweinefleisch zubereite. Es ist köstlich, aber wohl ein absolutes no go für jeden gläubigen Moslem. Mit meinem Respekt ihm und seinem Glauben gegenüber würde ich es ihm auch niemals anbieten. Doch ich und andere dürfen es dennoch so essen.

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      3. Schöne Argumentation, uch prinzipiell sehe ich es auch so. Nenn mich engstirnig, das wäre okay, aber ich persönliche finde einfach gewissen Speisen oder Dinge allgemein müssen so sein „wie sie zu sein haben“, aber im Sinne des Erfinders oder wie es die Tradition verlangt. Eine Sachetorte hat auch keine weiße Schokolade, das wäre falsch. Eine Buttercreme mit Margarine ist ein Schlag ins Gesicht, Eine Bolognese muss mit Rindfleisch sein und im China-Restaurant gehört Glutamat ins Essen (letzteres war ein Spaß 😉 ). Punkt aus, aber meine Meinung 😉

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      4. Wili sagt:

        Mir gefällt es, wie du dich für Bestand und Tradition in der Küche einsetzt und danke dir für diese kleine Diskussion, die unseren Lesern das pro und contra unserer Meinungen verdeutlicht und ihnen eine Entscheidungshilfe sein kann.

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      5. Was heißt denn hier Pro und Kontra? Du hast Unrecht und ich Recht, so einfach ist das! 😉 Kleiner Spaß, weiter so!

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  7. Oh mein Gott wie peinlich. Ich schreibe meistens immer munter drauf los ohne Korrektur zu lesen! Jetzt lese ich unser Zwiegespräch gerade nochmals und schäme mich! Ich würde es gerne editieren, kann es aber nicht!

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    1. Wili sagt:

      was möchtest du denn editieren?

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      1. Die ganzen Rechtschreibfehler! Groß/klein, Satzzeichen vergessen! Ich versinke gerade 😦

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      2. Wili sagt:

        Das kenne ich soooooooooo gut, denn darin bin ich Weltmeisterin. Wie oft verfluchte ich dieses System, weil ich einmal verschickte Kommentare nicht mehr korrigieren kann.

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