Projekt 52 Wochen (21): 6 Richtige für Staeck

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Was hat denn Kunst mit Kochen zu tun könnte nun manch einer fragen und damit schon einmal zeigen, dass er gebildeter ist als ich. Meine Frage lautete, was denn daran Kunst sei, wenn einer auf eine karierte Kunststofffolie scheinbar wahllos mit rotem Edding 12 Ixe kritzelt, seinen Friedrich Wilhelm nicht darunter, sondern darüber setzt, weil er darunter „6 Richtige für Staeck“ schrieb. Banausen sind wir beide, unwissende, über die sich der Polke amüsieren kann. Doch ich fange mal von vorne an:

Vor einem guten halben Jahr hatte ich auf einem Foodblog einen ersten Preis gewonnen, den ich nun endlich annehmen konnte. Ein Wochenende unter Hobbyköchen, ganz privat, zu Menschen, die ich über das Bloggen bereits in mein Herz geschlossen hatte. Ich freute mich riesig und das absolut berechtigt.  Unglaublich lecker wurde ich bekocht. Da konnte der kochende Part meiner Gastgeber mit dem ein oder anderen hadern wie er wollte. Perfektion wurde von mir nicht erwartet.

Irgendwann dann, wie soll es auch anders sein, musste ich mal müssen. Der Aufforderung meiner Gastgeber folgend hatte ich das stille Örtchen in der ersten Etage ihres Hauses aufgesucht. Ich erwartete ein Gäste-WC und fand das wohl kleinste Museum in Europa für zeitgenössische Kunst vor. Dumm nur, dass ich so absolut keine Ahnung und keinen Bezug dazu habe.

Ich konnte mich wohl fühlen in diesem hellen kleinen Raum, der ausgesprochen freundlich und warm wirkte mit den vielen kleinen und kleineren Kunstwerken an der Wand und Büchern auf der Fensterbank, deren unschätzbaren Werte ich aber nicht erkannte.

Ohne Titel Kopie -side

Mein Gastgeber musste mich darauf hinweisen, dass ich unter einem echten Polke meine Blase entleert hatte und ich konnte immer noch nicht staunen. Charmant war es, wie er das Gesprächsthema auf den aktuellen Fussball lenkte.  Da konnte ich wenigstens rudimentär mitreden…

6 Richtige für Staeck

…und doch ließ mir das natürlich keine Ruhe. Eine meiner guten Eigenarten. Bildungslücken erkennen, füllen und Freude daran haben.

Jetzt weiß ich, dass Sigmar Polke, der Mann ist, der in unmittelbarer Nachbarschaft zu meines Vaters Freund sein Atelier hatte und u.a. die großartigen Glasmalereien im Grossmünster von Zürich gestaltete. Sein letztes Werk, das ich erst wenige Stunden vor diesem Klobesuch bewundert hatte.

„6 Richtige für Staeck“ erschließt sich mir nun auch ein wenig besser. Klaus Staeck war nicht nur sein erster und wichtigster Verleger, er war auch sein Freund. Wenn man dann noch ein wenig die öffentliche Geschichte der beiden nachverfolgt oder betrachtet, mit welchem Wert das Kritzel-Kratzel geschätzt und gehandelt wurde und schließlich Anzahl und Anordnung der Ixe mit einbezieht, so kann man sich der eigenwillige Ironie dieses DinA4-Formats mehrdimensional nähern.

Da hockte ich nun noch ahnungslos unter einem echten Polke… Ist das nicht wahrhaft authentische Kunst?

IMG_3013

Ein erster Aspekt der Eingangsfrage wäre für heute auch beantwortet: Kochen kann an zeitgenössische Kunst heranführen.

 

Das Projekt:

Initiator: Zeilenende

Partizipanten: Marinsche, Multicolorina, Gertrud,  Solera

7 Kommentare Gib deinen ab

  1. Zeilenende sagt:

    Selfie mit Kunst … Die Kunst des Selfie … Ich verstehe es nicht. Also nicht so ganz. Und ich hätte wohl auch meine liebe Not gehabt, das Kunstwerk zu erkennen. Wahrscheinlich hätte ich es nicht einmal wahrgenommen. Aber ich habe mit der Kunst ab dem beginnenden 20. Jahrhundert ja ohnehin meine liebe Not.

    Dennoch: Essen, Kunst, Belehrung und gute Gesellschaft, das klingt doch nach guter Gastgeberschaft. Und ein guter Gastgeber zu sein, bei dem man sich als Gast wohlfühlt, ist auch eine Kunst. Und wenn der Gast dann zufrieden dreinschaut und sich ablichtet, ist die hohe Kunst dokumentiert. 🙂

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    1. Wili sagt:

      Da geht es dir jetzt mit dem Beitrag wie mir mit dem Kunstwerk…

      Gefällt 1 Person

  2. Es Marinsche kocht sagt:

    Wili staunt Bauklötze, um sie herum Fragen über Fragen, Gastgeber und andere Gäste kommen schon in etwa zehnminütigen Abständen hoch und fragen ob alles o.k. ist…. fühlt sich wohl und schießt selbstvergessen Selfies auf dem Örtchen….herrlich 😀😂

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  3. Du scheinst ein bischen konsterniert. So geht es mir ab und an mit den Namen und Zutaten deiner Speisekreationen. Liebe Grüsse, Bernhard

    Gefällt 2 Personen

    1. Wili sagt:

      so war es ja auch, ich war verblüfft und konnte zunächst nichts damit anfangen. Das hat sich ja jetzt verändert…

      Gefällt 1 Person

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