Projekt 52 Wochen (22): Ehrliche Burger in Köln

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Das Rindfleisch stammt von Neuland, dem Verein des deutschen Tierschutzbundes, und wird auf einem Lavakohle-Grill gebraten, aussen kross und durch, im Kern noch rosig, saftig und zart. Salat, Gemüse, aber auch Kartoffeln und Pommes werden aus hochwertigen Lebensmitteln frisch zubereitet. Die Ketchupsaucen sind selbstgemacht, nach eigener Rezeptur und können auch im Glas zum Mitnehmen gekauft werden.

 

Töchterchen 1 und ich befanden uns am Eigelstein in Köln. Mein Ziel war die Weidengasse. Ein kleines Sträßchen voller kultureller Vielfalt: Türkische Männercafés, wie man sie in Istanbul schon lange nicht mehr vorfindet, existieren hier neben bestem Törtchen und Kuchen nach deutscher Tradition. Sex wird neben betenden Muslimen käuflich feilgeboten. Bulgarische Bettler hocken friedlich zwischen dem Büro eines Lohnsteuerhilfevereins und dem Juwelier. Im Gothicladen wird orientalischer Schmuck verkauft. Nebenan sitzt der kölsche Antiquitätenhändler mit Freunden bei Filterkaffee in seinem Laden. Mein geliebtes Zitronenlädchen mit Cedro und Limoo shirin  besteht neben dem Ramschladen oder umgekehrt? Egal. Das traditionsreiche Bestattungshaus wird von Dönerläden umrahmt. Fast kann ich sagen, das war schon immer so und soll bitte auch so bleiben.

Es gab dort auch mal ein persisches Geschäft mit einem breiten Angebot an persischer Literatur und Musik-CDs. Das ist mittlerweile verschwunden. Dafür bietet der wundervolle türkische Metzger mit bestem Fleischangebot auch persische Gewürze an.  Hier finde ich immer ein Stück meiner kölschen Heimat, fühle mich wohl und zu Hause.  Viele noch nicht erzählte Erinnerungen leben auf diesen wenigen Metern Kölns in mir auf. Zuletzt noch stieß ich dort auf eine Freundin aus längst vergangenen Tagen. Mensch hatten wir uns gefreut!

Dieses Mal kam ich aber zunächst gar nicht so weit. Kaum verließen wir die U-Bahn und schlenderten vom Ebertplatz aus Richtung Eigelsteintorburg meinte mein liebes Töchterchen, dass ich unbedingt einmal Freddy Schillings Burger kosten solle. Das seien derzeit die weltbesten Burger, die Köln zu bieten habe. „Freddy wer?“ fragte ich.  „Mensch Mama, das müsstest DU doch eigentlich wissen!“ Sie lachte. „Dieser Freddy war zu deiner Zeit der erste emanzipierte Hausmann Kölns, wenn nicht sogar ganz Deutschlands. Er schmieß den Haushalt, während seine Frau in einer Schule die Brötchen verdiente.“ „Aha, nee, von dem habe ich nie was gehört“, entgegnete ich. „Burger sind doch grundamerikanisch. Was hat das mit Emanzipation zu tun?“ Das wusste sie auch nicht. Dafür konnte sie mir aber erklären, dass dieser Freddy Schilling ein Amerikafan war und seine Hamburger ursprünglich auf den Kindergeburtstagen für seinen Sohn zubereitete.

Aus einem ursprünglichen kleinen Küchenkonzept war also jetzt eine Hamburger-Manufaktur erwachsen, nicht schlecht. Wir erreichten den Eigelsteinplatz und hatten das Glück  freie Plätze an einem Aussentisch zu finden.

Zur Auswahl standen fünf Stammburger sowie ein Spezialburger, der saisonal variiert. Angeboten werden klassische Varianten, wie der „Purist“ mit Fleisch, roten Zwiebeln und Freddys Spezialsauce, „Tante Tiziana“ mit Rucola, parmesanüberbackenen Tomaten und einer mediterranen Sauce oder „Ziegenpeter“ mit Rauke, honiggratiniertem Ziegenkäse und Salat aus grünen Äpfeln, roten Zwiebeln sowie Thymian.

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Sie wählte „Freddys Favorit“, einen klassischen Hamburger mit Salat, Tomaten, frischen Gurken und Kölner Ketchup. Ich wählte „Brunos Brenner.“ Das ist ein scharfer BBQ-Burger im Roggenbrötchen mit feurigen  Jalapeños und einer rauchigen Ketchupsauce. Dazu gab es Rosmarinkartöffelchen.

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MUAHhahahaaaaaaa war das lecker. Megagut gesättigt schlenderten wir dann stundenlang über die Weidengasse bis hinunter (oder sagt man hinauf) zum Hansaring.

 

Das Projekt:

Initiator: Zeilenende

Partizipanten: Marinsche, Multicolorina, Gertrud,  Solera

17 Kommentare Gib deinen ab

  1. Tring sagt:

    Die Ecke mag ich auch. Weiter Richtung Bahnhof sind auch zwei gute Asialäden 🙂

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    1. Wili sagt:

      nächstes mal… 🙂

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  2. Es Marinsche kocht sagt:

    Die Herausforderung bei Burgern ist ja immer „Wie esse ich die ohne Maulsperre zu bekommen und wie kriege ich die Saucenreste von den Bäckchen möglichst schnell weggewischt“….die sehen mega fein aus!

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    1. Wili sagt:

      Die haben wir mit Messer und Gabel gegessen. Besteckt wird selbstverständlich dazu gereicht und die waren echt bombastisch lecker 😀

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      1. Es Marinsche kocht sagt:

        Hätte ich auch gemacht 😉 ja, das ist zu sehen…allein die Tomaten mit dem Parmesan von dem Burger von der Karte tönen vielversprechend 🙂

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      2. Wili sagt:

        einen Veggieburger gibt es übrigens auch…. nur damit du Bescheid weißt 😉

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      3. Es Marinsche kocht sagt:

        Nach Köln verschlägt es mich äusserst selten – danke 😉

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  3. Zeilenende sagt:

    Oh, mit Rosmarinkartoffeln. Mal sehen, ob ich da noch vorbeikomme, um Burger zu mampfen. Der Burger sieht nämlich gar großartig aus und auch Roggen-Bun statt Weizen-Bun klingt verlockend (und typisch Kölsch). Apropos typisch Kölsch: So wenig ansprechend ich die Stadt zuweilen finde, wenn ich sie besuche, so schön schilderst du, was ich an Köln als Beobachter zugleich immer sympathisch finde.
    Und die Burger-Begeisterung steht dir ins Gesicht geschrieben. 🙂

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    1. Wili sagt:

      Den Hauptladen findest du auf der Kyfhäuserstraße zwischen Zülpicher und Barbarossaplatz. Nach Aussage meines Sohnes, sind die dort um noch einiges besser.

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  4. Ich liebe Burger…..tolle Bilder…

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    1. Wili sagt:

      Danke 🙂

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  5. Susanne sagt:

    Eigelstein scheint ein wenig zu sein wie das Münchner Bahnhofsviertel. Manche finden es befremdlich, ich bin sehr gern da.

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    1. Wili sagt:

      kann ich nicht beurteilen. Aber ich kenne keinen Ort, an dem sich alle Menschen gleich wohl fühlen.

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  6. Limenaria sagt:

    Schöner Artikel :), auch ich liebe dieses Viertel. Es ist wenigstens noch so lebendig und bunt wie immer – bis auf wenige Veränderungen. Danke für den Tipp, wird vielleicht am Wochenende mal ausprobiert :).

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    1. Wili sagt:

      Ja, mach das unbedingt. Und falls euch die Burger doch nicht zusagen, geht ihr einfach nach nebenan ins Rossini 😉
      Ich bin übrigens Samstag wieder in Köln, aber leider nur kurz.

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