Das Rezept auf Seite 32: Klepon oder das indonesische Vorbild für Rafaello

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Ich nahm mir vor, einmal monatlich jeweils an dem zweiten Donnerstag eines Monats ein Rezept von Seite 32 aus meinen Kochbüchern vorzustellen. Wie es dazu kam und welche Regeln ich mir gegeben habe, könnt ihr hier nachlesen. Wenn jemand mitmachen möchte, würde ich mich riesig freuen und würde ihren/seinen Beitrag dann ebenfalls hier hinterlegen. Heute jedenfalls möchte ich euch die Grand Dame der indonesischen Kochbuchautoren Europas vorstellen:

1982 kaufte ich mir ein erstes Kochbuch von ihr. Die Auswahl an deutschsprachigen Kochbüchern war überschaubar und sie hieß wie meine Freundin Sri mit Vornamen. Es war ein Taschenbuch: „Die indonesische Küche. Über 100 ausgefallene Spezialitäten-Rezepte aus dem Fernen Osten“ von Sri Owen. Auch wenn es ohne Bilder auskam liebte ich es, lernte viel daraus und probierte so ziemlich jedes Rezept aus, bis ich es dann irgendwann verlieh, nicht mehr nachfragte und so verlor.

Fast 30 Jahre später wollte ich meinem Sohn ein indonesisches Kochbuch schenken und da fand ich sie wieder:

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Dieses Buch, 2009 im Christian Verlag, München erschienen, hat Bilder. Aber es hat noch sehr viel mehr. Es bettet die Rezepte in  die Lebensgeschichte einer interessanten Frau ein, die heute 80 Jahre alt ist. Ihre Erzählung beginnt in Padang Panjang, einer kleinen Stadt Westsumatras, in der sie geboren wurde.  Ihre Mutter gehörte einer indonesischen Adelsschicht an, war schon damals Akademikerin und gründete gemeinsam mit ihrem Mann eine Schule, die in einem solch guten Ruf stand, dass die Absolventen automatisch in die niederländische Junior High School aufgenommen wurden. So wurde die kleine Sri Owen von ihrer Oma bekocht und stellt uns in dem Buch die Lieblingsrezepte aus ihrer Kindheit vor. Darüber hinaus schreibt sie über die  Gepflogenheiten und Bräuche auf Sumatra in der damaligen Zeit, deren Rituale, Hintergründe und Traditionen. Sie schreibt auch von den kriegerischen Auseinandersetzungen im 2. Weltkrieg auf Sumatra und von der Flucht ihrer Familie nach Zentraljava.

In den 1950er Jahren studierte Frau Owen an der ältesten Universität ihres Landes Englisch und Literatur. Ihre Essgewohnheiten änderten sich, so auch die Rezepte in diesem Buch. Nach Abschluss ihres Studiums arbeitete sie u. a. als Dozentin und lernte ihren Mann Roger, einen Briten kennen. Nach der Eheschließung siedelten die beiden nach London um. In ihren Rezepte beschreibt sie von da an, wie man indonesisch in Europa kochen kann mit den dort zur Verfügung stehenden Zutaten. Frau Owen schwärmt in dem vorliegenden Buch vor allem für die italienische Küche, zeigt deren Gemeinsamkeiten mit der indonesischen Küche auf und beginnt mit den ersten Experimenten zu einer indonesisch-italienischen Fusionküche. Heute  finden sich viele ihrer Rezepte unzählige Male in den englisch-, deutsch- und italienischsprachigen Foodblogs nachgekocht. Leider ging aber im Laufe der Zeit der Bezug dieser Rezepte zu ihr verloren.

Neben ihrer wirklich beeindruckenden Lebensgeschichte und den 110 indonesischen Originalrezepten, beschreibt sie die wichtigen indonesischen Zutaten und deren Zubereitungen. So erfährt man z.B. auch wie man Tempeh selber herstellen kann.  Zudem informiert sie über die traditionelle Zubereitungsmethoden der indonesischen Küche.

Die Systematik der Kapitel und auch die Rezepte orientieren sich an ihrer Biographie. Doch das schadet keinesfalls der Qualität der einzelnen Rezepte, die alle gut erklärt und somit einfach nach zu kochen sind. Immer wieder nennt sie auch Alternativen zu speziellen Zutaten, die man ggfs. nicht einfach zur Hand haben kann. Es macht Freude in diesem Buch zu blättern sowie zu lesen und man – zumindest ich – bekommt zwischenzeitlich Appetit und große Lust mal wieder etwas indonesisches zu kochen.

Auf Seite 32 gibt es ein großes Foto.

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Christian Verlag, München

Auf Seite 33, erklärt Frau Owen, dass diese weißen kleinen Schneekügelchen, die aussehen wie Rafaellos, aber doch schon sehr viel älter als diese italienischen Kokos-Pralinen sind, mit Palmzucker gefüllte Klebreismehlbällchen seien. Auf Java sei Klepon der gebräuchliche Name für diese kleinen Nascherei zum Nachmittagstee, die andernorts in Indonesien ondé-ondé bezeichnet würden. Klepon würden jedoch nicht wie die chinesischen ondé-ondé frittiert, sondern in Salzwasser gegart und anschließend in frischen Kokosraspeln gewälzt.

Zutaten

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  • 225 g Klebreismehl
  • 3 EL Kokoscreme
  • etwas Pandanessenz *optional
  • 100 g Palmzucker
  • 1/2 Kokosnuss
  • 1/2 TL Salz

Zubereitung

Das Mehl in eine Schüssel sieben. In die Mitte eine Mulde drücken und die Kokoscreme zusammen mit der Pandanessenz (falls man sie nicht im Asienladen findet, weg lassen, keine Lebensmittelfarbe nehmen) hineingeben. Die Zutaten gründlich verkneten. Nach und nach 60 ml Wasser einarbeiten, bis ein geschmeidiger Teig entsteht, der aber nicht klebrig sein darf.

Ein etwa murmelgroßes Stück abnehmen, auf einem Backbrett flach drücken und ein kleines Stück Palmzucker (oder 0,5 TL Muscovado- oder Demerara-Zucker) darauf geben. Die Teigränder über die Füllung legen, sodass sie völlig umschlossen ist, und das Ganze zu einer Kugel rollen. Auf diese Weise den gesamten Teig verarbeiten.

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Einen Topf zur Hälfte mit Wasser füllen, mit einer Prise Salz zum Kochen bringen. Jeweils 10 bis 12 Bällchen (klepon) nacheinander hineingeben und garen, bis sie nach 10 bis 15 min an die Oberfläche steigen. Mit einer Schaumkelle herausheben und in einem Durchschlag abtropfen lassen.

Inzwischen das Kokosfruchtfleisch (braune Haut sorgfältig abschälen) raspeln und mit dem Salz vermengen. Die Reismehlbällchen in der Mischung wenden, bis sie gleichmäßig überzogen sind. Auf einer Platte anrichten und mit der restlichen Kokos-Salz-Mischung bestreuen. Nach Belieben warm oder auch kalt zum Nachmittagstee servieren.

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7 Kommentare Gib deinen ab

  1. Zeilenende sagt:

    Oh … Heute ist der 2. Donnerstag im Monat. Das ist doof. Ich weiß noch, dass ich meine üblichen Verdächtigen zum Thema „Welches Rezept gibt es auf S. 32?“ befragt habe … Die passten nur alle nicht (und in einem Buch war auf S. 32 das Kapitel Haushaltstipps noch nicht beendet *gg*). Dann wollte ich andere Kochbücher befragen. Und nun ist schon … Ach *gnar* Beim nächsten Mal bin ich dann wirklich dabei.
    Denn: Indonesische Kokos-Zucker-Knödel, das nenne ich mal eine Entdeckung. Ich habe spontan Lust auf Nachtisch. 🙂

    Gefällt 2 Personen

    1. Wili sagt:

      Pass auf, die können leicht süchtig machen und sind dann auch noch so unkompliziert schnell gemacht.
      Das mit den Koch- und Haushaltstipps auf S. 32 kenne ich auch bereits oder Rezepte, die gar nicht gehen. Das wird auch noch irgendwann ein Beitrag. Ich blättere dann weiter nach irgendeinem methematischen System in Bezug zur 32. Ich werde mich freuen, wenn du irgendwann einsteigst und wenn nicht…. dann entgeht uns etwas.

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  2. Es Marinsche kocht sagt:

    Das tönt nach einer feinen Alternative zu Mochis die, zugegebenermassen lecker aber oftmals mit nicht so tollen Zutaten bereitet sind 🙂

    Welche Kokoscreme benutzt Du? Die kenne ich gar nicht….ausser Du meinst das gepresste Kokosöl, welches konzentriert ist…

    Pandanessenz kenne ich auch nicht….das ist das Grün welches nur zum aromatisieren von Speisen genommen wird, oder?

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    1. Wili sagt:

      mit Kokoscreme ist sehr feste Kokosmilch gemeint. Du kannst sie einfach selbst produzieren aus Kokosflocken. dies ist im Buch nachzulesen und sicherlich auch zu ergoogeln 😉
      Pandan ist die sogenannte asiatische Vanille. Als Essenz ist sie farblos. Aternativ kannst du Pandanwasser aus Pandanblättern, die es beim Asiaten immer vorrätig gibt (manchmal nur eingefroren) selbst herstellen. Wie das geht habe ich hier beschrieben: http://wp.me/p67EOs-e9
      Es schmeckt übrigens ganz anders als Vanille. Guter Duftreis riecht ein wenig wie Pandan. Ich mag es sehr gerne.

      Mochis kenne ich bisher nicht. So kann ich dir auch leider nicht sagen, ob Klepon eine gute Alternative darstellen. Sie sind halt schnell gemacht und eine zuckrige Angelegenheit. Eben eine kleine Nascherei. Und von dem leckeren Palmzucker habe ich ja ganz viel von Lombok mitgebracht.

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      1. Es Marinsche kocht sagt:

        O.k., danke 🙂 Mochis sind sehr lecker….von der Konsistenz her etwas wie Gummibärchen, mit Füllung drin. Sehr lecker, aber mit Maltose u.ä. was ich nich regelmässig zu mir nehmen wollte 🙂

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      2. Wili sagt:

        Es sind Klößchen, wie Zeilenende schreibt. Mit Gummibärchen haben sie nichts gemeinsam, auch nicht die Konsistenz..

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      3. Es Marinsche kocht sagt:

        Das ist zu ersehen, ja 🙂

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