Tomatenconsommé aus dem Crocky mit Ziegenkäse-Basilikum-Nocken

am

wusstet Ihr, dass der selbsternannte Gelegenheitsversemacher Heinrich Hoffmann, der Autor des „Suppenkaspers“, ein promovierter Arzt und Direktor der städtischen „Anstalt für Irre und Epileptiker“ in der freien Stadt Frankfurt war? Er gilt auch als einer der erstern Vertreter der Jugendpsychiatrie. Das ist interessant. Mit diesem Hintergrund bekommt das kleine Gedicht eine andere Bedeutung. Plötzlich dreht es sich da nicht mehr nur um einen pausbäckigen kleinen Jungen, der mäkelig sein Essen verweigert und böse mit dem Tod bestraft wird, als Paradebeispiel einer schwarzen Pädagogik des Bürgertums seiner Zeit. Es ging gar nicht darum Eltern eine abschreckende Erziehungshilfe an die Hand zu geben, für den Fall, dass ihre Kinder sich ebenfalls gegen eine Speise auflehnten. Viel wahrscheinlicher wird es mit diesem Hintergrundwissen doch, dass Herr Dr. Hoffmann mit diesem Gedicht ein Thema aufgriff, das zu der damaligen Zeit weiten Teilen der Bevölkerung völlig fremd war. Durch die vorausgegangenen, jahrelangen Hungersnöte erschien ein vorsätzlicher Verzicht auf Nahrung ja geradezu grotesk. Der Suppenkasper ist aber vielleicht eine authentische Fallbeschreibung aus dem Klinikalltag des Direktors Dr. Hoffmann und eine erste literarische Beschreibung eines Anorektikers; vielleicht sogar die erste im deutschsprachigen Raum.

Da muss ich mir doch gleich den Struwwelpeter noch einmal aus der Bücherkiste herauskramen und mir auch die anderen Geschichten noch einmal anschauen. Heinrich Hoffmann hatte dieses Kinderbuch als Geschenk für seinen erstgeborenen Sohn 1844 verfasst und 1858 völlig neu überarbeitet. Ich hatte es als Kind geliebt und gar nie so grausam und gruselig empfunden, wie später als Erwachsene.

Auch wenn ich als Kind durchaus das ein oder andere Essen energisch verweigerte, war ich nie eine Suppenkasperlina. Ganz im Gegenteil. Ich liebte schon immer feine Boullions und kräftige Consommés. Die besten gab es sonntags bei meiner Oma oder bei Omma Schmahl auf dem Bauernhof mit Markklößchen oder feinem Eierstich und frischer Petersilie, mmmh…. So ein gutes Süppchen braucht neben qualitativ hochwertigen Zutaten vor allem Zeit. Und die nimmt sich für mich doch immer wieder einmal gerne mein Crocky. Dabei habe ich für mich herausgefunden, dass mir Brühen besser schmecken, wenn ich ihre Zutaten anröste und sie zunächst auch einmal kräftig auf dem Herd aufkochen lasse, ehe sie leise und langsam im Crocky ihre Aromen und Nährstoffe an das Wasser abgeben.

Diese Tomatenconsommé  hat insgesamt 14 Stunden im Crocky geköchelt. Allerdings auch deshalb, weil ich sie vergessen hatte und darüber eingeschlafen war. Ich tippe mal 6-7 Stunden hätten auch ausgereicht.

Zutaten für 4 Portionen

IMG_0083

  • 1 Zwiebel
  • 1 große Möhre, ca 150 g
  • 1 Stück Knollensellerie, ca 150 g
  • 1 Stückchen Poree, ca 60 g
  • 2 TL Butterschmalz
  • 1 Dose Tomaten, 400 g
  • 2 EL Tomatenmark
  • 10 Wachholderbeeren
  • 5 Pimentkörner
  • 1 Lorbeerblatt
  • 10 schwarze Pfefferkörner
  • 1 Rinderbeinscheibe, ca 400 g
  • 1,5 Liter Wasser
  • 2 Eiweiß
  • Salz

für die Nocken

  • 60 g Ziegenfrischkäse
  • 100 g Creme fraiche
  • 2 EL frischgeriebene Semmelbrösel
  • 1 Handvoll Basilikumblätter
  • 1 Ei
  • Salz und Pfeffer

Ausserdem

  • pro Portion 1 Tomate

Zubereitung

Das Gemüse putzen und in kleine Würfel schneiden. 150 g von dem Fleisch der Beinscheibe ebenfalls klein würfeln. Die Gewürzkörner grob zerstoßen.

In einem großen Topf das Butterschmalz erhitzen. Die Gemüse- und Fleischwürfel sowie den Markknochen der Beinscheibe kräftig darin anrösten. Die Gewürze hinzugeben und schließlich das Wasser aufschütten.

Alles einmal aufkochen lassen und dann in den Crockpot umfüllen.  Dosentomaten und Tomatenmark hinzugeben.  Auf Sufe „slow“ wenigstens sechs Stunden köcheln lassen.

Dann die Brühe durch ein Haarsieb, das mit einem Passiertuch ausgelegt ist durchseihen und in den gereinigten Corockpot zurück füllen.

Das übrige Fleisch sehr fein hacken oder durch den Fleischwolf drehen. Optional könnt ihr noch etwas Suppengemüse und Gewürz untermengen. Die Eiweiß schaumig schlagen und mit dem Fleisch vermischen. Diese Masse an die mittlerweile abgekühlte Brühe geben und nochmals 3-4 Stunden im Crocky auf der Stufe „slow“ simmern lassen.  Dieser zweite Prozess dient dem weiteren Klären und Aromatisieren der Consommé.

Der Fleischkuchen schwimmt oben auf der Brühe und wird abgehoben (ich persönlich mag ihn nicht, meine Kater aber um so lieber. Deshalb schmecke ich meine Consommé auch erst ganz zum Schluss mit Salz ab.) und die Brühe wird ein weiteres mal durch ein Sieb abgeseiht.

Für die Nocken die Basilikumblätter grob hacken. Alle Zutaten gut miteinander verrühren und die Masse ca 30 Minuten stehen lassen. Dann Salzwasser in einem Topf erhitzen. Mit angefeuchteten Händen oder mit zwei Löffeln Nocken formen und für ca 10 Min in das köchelnde Salzwasser geben. Vorsichtig mit einem Schaumlöffel abschöpfen und an die Consommè geben.

Zudem habe ich pro Person eine Tomate enthäutet, enkernt und in Streifen geschnitten beigefügt.

IMG_0085

 

 

3 Kommentare Gib deinen ab

  1. Super Suppe, danke für dieses Rezept. Liebe Grüsse, Bernhard

    Gefällt 1 Person

  2. LunaUmbra sagt:

    Sieht wirklich sehr lecker aus 🙂
    Liebe Grüße Luna

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s