rheinische Heringskartoffeln aus dem Ofen

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Der salzige Haring aus Amsterdam ist schon seit ewigen Zeiten bei den Kölnern beliebt. Viele kleine und große Köstlichkeiten bereiten sie aus diesem leckeren Fisch. Denn Köln war im Mittelalter und Spätmittelalter Hauptumschlagplatz des gesamten Westen für Fische, speziell für Seefische aus der Nordsee. Mit den Weinen von Mosel und Rhein waren sie die wichtigsten Handelsgüter der Domstadt. Dank des Stapelrechts konnte die Stadt von den durchziehenden Kaufleuten verlangen, dass sie ihre Waren in der Stadt für drei Tage abluden, „stapelten“.  Während dieser Zeit mussten sie diese zum Kauf und zur Weiterverarbeitung den Kölner*innen freigeben. Zahlkräftige Händler konnten sich gelegentlich mit einem Stapelgeld von der Stapelpflicht befreien. Gästeverkauf und Detailhandel hingegen waren ihnen streng verboten.

Dies alles verschaffte den Kölner Bürger*innen enorme Vorteile. Sie konnten sich die besten Waren heraussuchen für sich selber und zum Weiterverkauf. Zudem beinhaltete das Stapelrecht auch die Qualitätskontrtolle der Produkte: Schon ein geringer Verlust an Salzlake gefährdete die Konservierung der Heringe. Die kölner Kontrolleure durften die Fischfässer verbrennen oder in den Rhein kippen. Waren die Produkte allerdings ohne Mangel, erhielten sie das Kölner Brand, das Dreikronenzeichen, das in der spätmittelalterlichen Welt ein alleits anerkanntes Qualitätssiegel darstellte.

Der salzige Hering war ein sehr beliebter, weil preiswerter Fisch, den zunächst auch die Feschwiever verkaufen durften. Eine kleine Besonderheit! Denn Fisch war in Köln – anders als in anderen Städten – ein erlaubtes Handelsgut für Frauen. Fischmengeressen, also Großhändlerinnen aus wohlhabenden Familien, konnten sogar Mitglieder der Zunft werden. Jedoch führten die Zunftherren rasch geschlechtsspezifische Tabus in Form von Arbeitsbeschränkungen ein: Frauen waren vom Verkauf größerer Fische, die gewogen werden mussten, ausgeschlossen. Bei Zuwiderhandlung drohte ihnen Haft. Und Ende des 15. Jahrhunderts wurde ihnen dann auch der Handel mit gesalzener Ware untersagt. Es blieben ihnen somit nur die kleinen frischen „grünen“ Fische. Einer ihrer beliebten Umschlagsplätze war damals der kleine Fischmarkt am Rhein, der über eine schmale Gasse mit dem Alter Markt als Hauptmarkt verbunden war.

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Der Fischmarkt wurde ebenso wie 90% der histroischen Altstadt im 2. Weltkrieg zerstört und in den Nachkriegsjahren wieder aufgebaut. An die Feschwiever zu Kölle erinnert heute der kleine Brunnen des Kölner Bildhauers Rainer Walk. Auf dem oberen Becken dieses Brunnens sitzen eben jene einfachen und zupackenden Feschwiever und keine vornehmen Kölnerinnen, wie sie der Brunnen „Frauen im Regen“ zeigt.

Fischweib

Fisch wird hier lange nicht mehr verkauft. Doch es ist ein schönes Plätzchen in der Kölner Altstadt direkt am Rhein, sogar sehr lauschig, wenn man nicht gerade am Wochenende entlang flaniert. Leider habe ich dort noch niemals in einem der vielen Restaurants rheinische Heringskartoffeln aus dem Ofen angeboten bekommen, ein weiteres sehr bodenständiges Leibgericht meiner Kindertage.

Rheinische Heringskartoffeln aus dem Ofen

Zutaten für eine Portion

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  • ca 200 g Pellkartoffeln
  • 1 Heringsfilet aus der Salzlake
  • 20 g Butter
  • 125 ml Milch
  • weisser Pfeffer und Muskatnuss
  • ein paar Semmelbrösel
  • 1 EL geriebener Edemmer

Zubereitung

Das Heringsfilet einige Stunden wässern, um es etwas zu entsalzen.

Dann das Fischfilet in mundgerechte kleine Häppchen schneiden und die gepellten und ausgekühlten Kartoffeln in dünne Scheiben schneiden.

Den Backofen auf 180º C vorheizen. Eine kleine feuerfeste Form einfetten. Fischhäppchen und Kartoffelscheiben in der Form schichten, wobei die letzte Schicht Kartoffelscheiben sein sollen.

Die Butter in einem Topf schmelzem und das Mehl zu einer hellen Mehlschwitze einrühren. Die Milch hinzugeben und alles unter Rühren zu einer cremigen Sauce kochen. Diese mit weissen Pfeffer und Muskatnuss abschmecken. Salz braucht es nicht, weil der Fisch immer noch genug Salz gebunden hat.

Die Sauce wird über die Kartoffeln gegeben, mit Käse und Semmelbrösel bestreut. Wer mag gibt noch ein – zwei Butterflöckchen hinzu. Dann wird das ganze im Backofen gebacken.

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Dazu schmeckt ein einfacher Salat, hier aus Feldsalat mit Radischen, Zwiebelchen, Balsamessig und Olivenöl.

14 Kommentare Gib deinen ab

    1. Wili sagt:

      Yessssss 😊

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  1. Es Marinsche kocht sagt:

    Der Süden scheint keine Region für frische Salzheringe zu sein….habe sie ewig nicht gesehen….dabei sind sie so fein….Dein Ofenrezept sieht köstlich aus 🙂

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    1. Wili sagt:

      Auch kein Matjes?

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      1. Es Marinsche kocht sagt:

        Nur abgepackte und von denen halte ich nicht viel….

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      2. Wili sagt:

        Ja, die mag ich auch nicht so gerne. Vielleicht im Frühling wieder, wenn der Matjes Saison hat.

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      3. Es Marinsche kocht sagt:

        Als norddeutsche Deern bin ich guten Hering bzw. Matjes gewöhnt 😉 meine Oma hatte immer ihr traditionelles Herings Heckerle gemacht….da wird der Hering mit Speck und etlichen Zutaten durch den Wolf gedreht….aber das Rezept existiert nicht mehr 🙂

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      4. Wili sagt:

        Manche Geschmäcker bleiben eine gute Erinnerung. Was den Hering angeht, habe ich es besser als du. Schnell ist man von Hannover aus an der Nordsee 😉

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      5. Es Marinsche kocht sagt:

        Stimmt 😉 hach….mir weht grad der Duft von frisch gepulten Krabben um die Nase 😀

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      6. Wili sagt:

        Vielleicht steht ja bald eine Reha am Meer an….

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      7. Es Marinsche kocht sagt:

        Nein, keine Reha! 🙂

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  2. Zeilenende sagt:

    Ich mag den Hering ja so überhaupt nicht. Weder in Sahne noch gesalzen noch sonstwie. Aber ich mag wie auch du den Fischmarkt. Vor allem wegen der bunten Häuschen dort … Und dem großen Baum. An manchem Sommertag, weil der Fischmarkt ja doch etwas versteckt ist vor Touristenströmen, kann man sich da wie in einem kleinen Landstädtchen fühlen. Finde ich zumindest.

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    1. Wili sagt:

      Dass das Zeilenende keinen Hering mag, das habe ich mir gemerkt. Aber der Fischmarkt ist wirklich ein lauschiges Plätzchen in der ansonsten trübseligen Stadt.

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      1. Wili sagt:

        tststs…. Köln ist vieles, aber nicht trübselig. Da sollte „trubelige Stadt“ erscheinen.

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