ostpreussischer Beetenbartsch aus dem Crocky

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Sie war eine eher kleine runde Frau mit rosigen Wangen und strahlenden himmelblauen Augen. Trotz ihres Alters war ihre Haut glatt und ihre Gesichtszüge ebenmäßig. Glanz und Schönheit ihrer Jugend strahlten immer noch durch ihr langes und schwer gelebtes Leben. Das ehemals blonde Haar ließ sie sich regelmäßig von ihrer Tochter, einer Friseurin, in bläulich schimmernde Silberlocken legen. Wenn wir sie gelegentlich besuchten, was nicht häufig vorkam, da sich mein Vater mit seinem Vater, ihrem Mann, zerstritten hatte, verbrachte sie die meiste Zeit in der Küche. Ich weiß sehr wenig über sie und ihr Leben. Weder klagte sie, noch erzählte sie daraus. Doch kochen, kochen konnte sie ganz wunderbar. Die wenigen Male, die sie für ihren Erstgeborenen Betenbartsch machte, waren besonders schöne Momente. Die ebenfalls himmelblauen Augen meines Vaters leuchteten dann glückseelig auf. Mutter und Sohn begannen von einer längst vergangenen Welt zu sprechen, der Kinderzeit meines Vaters vor dem 2. Weltkrieg.  Ihre Wangen glühten dabei jedesmal fast so tiefrot auf, wie der Eintopf in ihren Tellern. Momente, in denen auch ich mich meiner Oma sehr nah und verbunden fühlen konnte.

Beetenbartsch ist die ostpreussische Version der in Ost- und Ostmitteleuropa weit verbreiteten Rote-Bete-Suppe, die schonend und langsam zubereitet wird. Ein ideales Gericht für die Zubereitung im Crocky . Ich zeige euch heute also ein fast schon nostalgisches Famiienrezept, das meine Oma sicherlich bereits von ihrer Oma übernommen hatte, mit den Zutaten, die so typisch für die ostpreussische Küche sind, allerdings modernisiert in der Zubereitung:

Zutaten für 2 Portionen

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  • 300 g Suppenfleisch vom Rind
  • 1 Suppenknochen vom Rind
  • 1 Bund Suppengrün
  • ca. 30 g geräucherten Speck am Stück
  • 2 TL Butterschmalz
  • 10 Gewürzkörner (Piment)
  • 1 TL Majoran
  • ca 500 g Rote Bete
  • 3 EL Sauerkischessig
  • 100 g saure Sahne

Zubereitung

Am Vorabend das Suppengemüse putzen, die Zwiebel schälen und alles klein schneiden.

In einer tiefen Pfanne im Butterschmalz das Speckstück auslassen und das Gemüse zufügen. Alles gut anrösten, an den Pfannenrand schieben und das Suppenfleisch und den Knochen von allen Seiten scharf anbraten.

Mit 750 ml heißem Wasser ablöschen. Alles behutsam in den Crocky gießen, Gewürzkörner und Majoran beifügen und alles über Nacht auf der Stufe „low“ köcheln lassen.

Am nächsten Tag die Fleischbrühe durch ein Sieb abseihen. Das Suppengemüse (und den Speck) beiseite geben und anderweitig verwenden. Das Fleisch in mundgerechte Stücke schneiden und zusammen mit der Brühe zurück in den Crocky füllen.

Die Rote Bete schälen und grob raspeln. Traditionell, werden die Knollen ungeschält in Wasser gar gekocht. Das tat ich nicht. Die Beteraspeln mit dem Essig zu der Fleischsuppe geben und alles weitere 2 Stunden auf „Low“ köcheln lassen. Eventuell mit Salz abschmecken, doch mir reichte das Salz, welches der Speck abgegeben hatte.

Zum Servieren wird saure Sahne hinzuegeben. Meine Oma hatte diese immer mit etwas Mehl angerührt, damit die Suppe ein wenig bindet. Das tat ich nicht. Auch hatte ich keinen frischen Dill, der sehr königlich dazu schmeckt. So war es ein einfacheres Süppchen, mit dem ich endlich auch den Herbst freundlich in meine Küche einließ.

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Ich mag Betenbartsch am liebsten pur oder mit einem frischen Stück Sauerteigbrot. Es passen aber auch gut Kartoffeln dazu, die entweder in der Suppe mitgegart werden oder, damit sie ihre Farbe behalten, seperat gekocht werden.

4 Kommentare Gib deinen ab

  1. Ira Moritz sagt:

    Liebe Wili,
    was für eine schöne berührende Geschichte und außerdem so ein schönes Seelen-Schmeichler-Rezept dazu!

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  2. Zeilenende sagt:

    Gerichte mit Geschichte. Da war das Lesen allein schon ein großer Genuss. Danke. 🙂

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  3. ohneeinander sagt:

    Schön geschrieben, aber die Suppe kenne ich von meiner Oma und die war 😝😷

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    1. Wili sagt:

      Echt? Da habe ich ja Glück und muss nicht mit dir teilen 😘

      Gefällt 1 Person

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