Ein Hauch georgisch: Sellerie-Walnuss-Stampf an Berberitzenkebab

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Es war einer dieser ungemütlichen, nasskalten Novembernachmittage, als ich wieder einmal den Roulette-Bus erwischte. Komme ich pünktlich aus dem Büro, so fährt mich ein Bus ganz ruhig und entspannt durch die kleine südniedersächsische Satdt der Wissenschaft  An diesem Nachmittag jedoch blieb mir nur dieser Bus, der sich stockend und schleppend durch die Rush Hour Göttingens bis zum Bahnhof schiebt. Dort angekommen durfte ich meine Beine in die Hand nehmen und im Slalon an Flüchtlingsgrüppchen, Bildungsbürgern, Studenten und Berufspendlern vorbei zum vorletzten Bahngleis eilen, schnell die Stufen hoch laufen und gerade noch mit dem letzten Signalton der schließenden Bahntüren in den nächstbesten Wagen hechten. Der Zug fuhr an und ich atmete tief durch.“Geschafft“, dachte ich erleichtert, während meine Augen auf dem Infomonitor das Wort Hildesheim erfassten.  Hildesheim? Ein Fluch, den ich hier nicht wiedergeben mag, durchfuhr meinen Kopf. Ich befand mich in dem falschen ICE.

Als der Zug in Hildesheim einfuhr war es bereits dunkel, der kalte Nieselregen sprühte desinteressiert vor sich hin. Fast zeitgleich sollten laut Anzeige ein RE und eine S-Bahn nach Hannover weiter fahren. Ich fragte einen etwas düster gekleideten jungen Mann nach der schnelleren Verbindung. Mit gebrochenem Deutsch empfahl er mir den RE und begleitete mich zum richtigen Abfahrtsgleis. So kamen wir ins Gespräch. Unabläßlich glich mein Gehirn im Hintergrund diesen Akzent, den ich nicht einzuordnen wusste, mit mir Bekanntem ab und fand keinen Treffer. Er hieß Lasha, studierte BWL und wollte zu seiner Freundin nach Hamburg fahren. Seine blauen Augen überraschten mich, als der die Kaputze aus dem Gesicht zog. Denn ich hatte tiefbraun gefärbte Regenbogenhäute erwartet. „Do you know Georgia?“ fragte er mich. „Schewardnadse war Mitte der 1990ziger Jahre Präsident?“ fragte ich unsicher zurück, denn weit mehr wusste ich nicht über dieses kleine kriegsgebeutelte Land. Es ist ein leeres Feld in meinem Kopf. Seine blauen Augen strahlten milde. „In Georgien gibt es den besten Wein der Welt, den musst du unbedingt probieren und das Essen….. mmmmh das Essen mit Walnusssauce und Granatapfel….“ Ich wurde hellhörig. Walnuss und Granatapfel waren in meiner kleinen Welt eng mit der persischen Küche verwoben. Die georgische Küche würde mir gefallen.

Als ich nach einer äusserst kurzweiligen Bummelfahr von Hildesheim nach Hannover den Zug verließ, hatte ich längst vergessen, dass ich ja eigentlich einen unbequemen Umweg eingeschlagen hatte. Die kleine Begegnung mit Lasha war bezaubernd. Mit seinem englisch-deutsch-Kauderwelsch hatter er mein Herz für Georgien erobert. Regelmäßig schaue ich seither nach den Flugverbindungen von Deutschland Richtung Tiflis Die nächste Reise geht sicherlich in das kleine Land zwischen Kaukasus und schwarzem Meer, in dem sich Orient und Okzident miteinander verwoben haben.  Jedes Mal, wenn ich daran denke, bin ich schon aufgeregt und gespannt.

Mittlerweile war ich hier in Hannover mehrmals georgisch Essen und jedes mal, war ich hin und weg von den vielen Köstlichkeiten. Rezepte las ich bereits jede Menge und heute habe ich dann etwas einfaches ausprobiert. Lulakabab nach einem Rezept von Nana Ansari. Dazu kreierte ich ein Sellerie-Walnuss-Stampf mit Granatapfel und frischen Kräutern, welches die mir bisher bekannten kaukasischen Aromen wiederspiegelt.

Zutaten

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Berberitzenkebab (Lulakabab)

  • 500 g Hackfleisch von Lamm oder Rind (ich hatte allerdings Rinder- und Schweinehack gemischt)
  • 2 Zwiebeln
  • 30 g Berberitzen
  • 1 Ei
  • 50 g Butter

Sellerie-Walnuss-Stampf

  • 300 g Sellerie
  • 300 g Kartoffel (mehlig kochend)
  • Milch
  • 100g Walnusskerne
  • je 30 g frischen Dill, Koriander, Basilikum und Frühlingszwiebeln
  • 100 ml Brühe (ich hatte noch von meiner Fleischbrühe vom Tafelspitz
  • 250 ml Milch
  • Salz und Pfeffer
  • 1/4 Granatapfel

Zubereitung

Für das Kebab die Zwiebeln mit den Berberitzen in der Küchenmaschine zerkleinern. Diese Mischung mit dem Ei und dem Hackfleisch gut vermengen und alles mit Salz und Pfeffer abrunden. Die Fleischmasse zunächst beiseite stellen.

Sellerie und Kartoffel putzen und in gleichgroße Stücke schneiden. Diese mit der Brühe und der Milch in einem Topf aufkochen und in ca 15-20 Minuten garen. Die Flüssigkeit soll dabei gut einkochen. In der Zwischenzeit die Kräuter putzen und zusammen mit den Walnusskernen in der Küchenmaschine fein zermahlen.

Aus der Hackfleischmasse längliche Fleischküchlein formen und diese von allen Seiten in der heißen Butter gut durchbraten.

Die Kartoffel- und Selleriestückchen in der Kochflüssigkeit zerstampfen, die Walnuss-Kräutermischung unterheben und mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Alles Anrichten und Granatapfelkerne über das Sellerie-Walnuss-Stampf geben.

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Das wird es so und ähnlich nun öfters bei mir geben.

8 Kommentare Gib deinen ab

  1. Ira Moritz sagt:

    Was für ein zauberhafter und spannender Beitrag! Georgien, da muss ich kulinarisch auch mal reinschmecken. Vielen Dank für die schönen Rezepte, es macht wirklich sehr viel Spaß bei Dir auf Entdeckungsreise zu gehen.

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    1. Wili sagt:

      Georgien scheint kulinarisch, kulturell und landschaftlich sehr reizvoll zu sein und es liegt eigentlich sehr nah. Da bin ich gespannt, was du erkunden und uns vorstellen wirst ☺️

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  2. Lehrercafe sagt:

    Etwas ungewöhnlich, aber man muss es mal ausprobieren. Viele sagen immer gleich „iiiihhh“, wenn sie etwas Unbekanntes auf den Tellern sehen. Man kann sich allerdings immer erst ein Urteil erlauben, wenn man es probiert hat. Finde ich jedenfalls. LG Ela☕

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    1. Wili sagt:

      Stimmt, denn manchmal wird man einfach nur überraschend verzückt werden, wenn man sich nur traut 😉

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  3. Zeilenende sagt:

    Mhm … Hier in der Nähe gibt es ein georgisches Restaurant, über das ich zufällig stolperte. Die Webseite hat mich dann schon verzückt. Jetzt muss ich da definitiv mal vorbei gehen. Eine schöne Geschichte hast du da erlebt. 🙂

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  4. Argh, ich habe gerade einige Bücher über Georgien an den bekannten Internet-Ankäufer geschickt: Geschichtliches, Sprachführer, Reisezeugs. Wäre dieser Post wenige Tage vorher erschienen, hätte ich sie stattdessen zu dir geschickt. 🙂 Georgien ist ein hochinteressantes Land, klimatisch, kulturell, geschichtlich und das was ich kulinarisch testen durfte, war auch sehr gut.
    LG Oli

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    1. Wili sagt:

      Du warst schon in Georgien? Toll. Im Moment steht bei mir keine Reise an, aber wenn es soweit sein wird, dann werde ich dich ein wenig mit meinen Fragen löchern 😂

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      1. Leider ist es dazu nicht mehr gekommen, dass ich wirklich hingeflogen bin. Dabei ist das eines der Länder, die mich wirklich, wirklich reizen würden. Meine damaligen georgischen Freunde haben sehr viel und sehr breit gefächert berichtet und es klang unheimlich reizvoll – auch wenn man den Patriotenbonus abzieht.

        Tja, die Zeiten zu reisen sind für mich erstmal vorbei schätze ich, ich hoffe, du kannst bald Georgien besuchen und uns davon berichten und Fotos zeigen! 🙂

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