Nonnefüzje

am

So fängt der Straßenkarneval gut an, egal ob im Rheinland oder hier in Hannover: Schmalzgebäck zum Blubberwasser. Schööööön fett und zuckrig. Die Gesundheitsbewussten unter euch ducken sich für einen kleinen Moment mal gaaaaanz weit weg,  denn natürlich ist Schmalz ein tierisches Fett voll gesättigter Fettsäuren und damit eine Cholesteringranate. Dazu dann noch der klebrige Raffinadezucker…. Klar könnte ich da jetzt eine modernere und ernährungsphysiologisch gesündere Rezeptur wählen. Doch nee, da bin ich konservativ, traditionell und nostalgisch. Ich möchte einfach wieder und wieder nachschmecken, wie ich Indianerhäuptling auf meinem wilden Autoreifen über den Spielplatz galoppiere. Das zuckerverklebte Mündchen gröhlt „Yieeeeeeeyieeeeeeeeeeyieeeeeeeeeha!“ und ich halte ein halbes Nonnefüzje in der linken Hand, während die rechte den Tomahawk meinem Bruder, dem Cowboy, der in Wahrheit neben statt vor mir auf einem Autoreifen reitet, hinterher schleudert. Eine echte Indianerhäuptling kann das nämlich, freihändig galoppieren! Wir haben die fünfte Jahreszeit. Schmalzgebäck hat Saison. Und das hat echte Tradition:

Als hier im Abendland noch der religiöse Glauben das Leben regelte, bereiteten sich die Menschen auf die Kirchenfeste durch mehr oder minder langes Fasten vor. Ungefähr 120 Fastentage zählte das Jahr, an denen  Fleisch, Zuckerwerk, Fröhlichkeit und Fleischeslust tabu waren. Die Fastenzeit vor Ostern dauert 40 Tage an! Das ist eine verdammt lange Zeit. Als es noch keine Kühl- und Gefrieschränke gab, musste man alle verderblichen Lebensmittel , zu denen auch das Schmalz zählte, zwingend aufbrauchen. Zeitgleich wollte man sich stärken, für das bevorstehende lange darben.  So entstand eine kurze Woche des Überflusses, des aus dem Vollen schöpfens und in Verschwendung und Ausschweifung schwelgens.

Damals waren die Menschen verrückt nach Schweineschmalz. Es war ein hohes und kostbares Gut, das Körperkraft und Wärme gegen Winterkälte schenkte, also als äusserst gesund und überlebenssichernd galt. Im Dezember waren die Schweine zuletzt geschlachtet worden und das bisher gut gehütete Schmalz drohte nun in den kommenden 40 Fastentagen ranzig zu werden. Da war es doch weitaus besser, darin köstliche süße Mehlspeisen wie Muzzen, Berliner oder eben Nonnefüzje im Überfluss auszubacken.

Nonnefüzje sind dabei kein typsches rhenisches Gebäck, aber ich Häuptling der Indianer liebte sie ganz besonders. Das hübsche Wort Nonnefüzje ist übrigens eine Ableitung des  mittelniederdeutschen „nunnekenfurt“. Das bedeutet so viel wie „von Nonnen am besten gemacht“.

Zutaten

img_9617

  • 250 ml Wasser
  • 1 Priese Salz
  • 50 g Butter
  • 2 EL Zucker
  • 150 g Mehl
  • 4-5 Eier
  • 4 EL Rosinen (etwas Rum)
  • Fett zum Ausbacken (Schweineschmalz)
  • Zucker zum Wälzen

Zubereitung

Das Wasser mit der Butter und dem Salz in einem Topf zum Kochen bringen. Das gesiebte Mehl auf einmal in die kochende Flüssigkeit geben und unter ständigem Rühren so lange kochen, bis sich ein glänzender Teigkloß bildet.

Den Teig in eine Schüssel geben und etwas abkühlen lassen. Die Eier nach und nach unter den Brandteig rühren. Wenn man gern Rosinen mag, diese gewaschen und (in Rum) eingeweicht unterrühren. Der fertige Teig ist weich, glänzend, goldgelb und fällt schwer reißend vom Löffel. Wenn das noch nicht der Fall ist, das fünfte Ei zugeben.

Das Fett in einem ausreichend großen Topf erhitzen bis sich Bläschen an einem Kochlöffelstiel aus Holz bilden. Mit zwei Esslöffeln Teigbatzen abstechen und goldgelb ausbacken.

Die fertigen Nonnenfüzje gleich in Zucker wälzen und servieren.

img_4037

10 Kommentare Gib deinen ab

  1. frauholle52 sagt:

    Gut so! Man muss auch einfach mal genießen und sich freuen. Übrigens kann ich mich noch erinnern, dass ich als Kind Schmalzbrote liebte! Komisch, daran habe ich seit Jahren nicht mehr gedacht.

    Gefällt 1 Person

    1. Wili sagt:

      siehst du 😉

      Schmalzbrote mochte ich auch, allerdings Gänseschmalz mit Grieben.

      Gefällt 1 Person

      1. frauholle52 sagt:

        Ja, das war noch besser. Obwohl Grieben mochte ich nicht so.

        Gefällt 1 Person

  2. Zeilenende sagt:

    Hachja … Ich frittiere lieber mit Kokosfett oder notfalls Butterschmalz, aber das ist ja Geschmacksfrage. Nonnenfüzje sind in meiner Ecke der Heimat allerdings auch gar nicht verbreitet. Allerdings habe ich vorgestern einen vermeintlich ungefüllten Berliner mit Rosinen in einer traditionsreichen Bäckerei gegessen (den ich per Daraufdeuten gewählt habe) und mich erstaunt gezeigt, dass es ein Brand- und kein Hefeteig war, der da die Grundlage bildete. Frittierten Brandteig kannte ich bis dato nur als Eberswalder Spritzkuchen.

    Jetzt weiß ich auch, was ich da gegessen habe. *g*

    Gefällt 1 Person

  3. Hach, lecker, die gehören zum Karneval wie „Humba tätärääää“, hihihi!

    Gefällt 1 Person

    1. Wili sagt:

      Das finde ich auch 🎶

      Gefällt 1 Person

  4. georgous sagt:

    Gut, beim nächsten Mal mache ich Rum-Teile. Rosenmontag olé.

    Gefällt 1 Person

  5. coconuted sagt:

    Wow, was für ein tolles Rezept und was für wundervolle Bilder du da geschossen hast, die sehen sooo lecker aus, da läuft mir richtig das Wasser im Mund zusammen. Ich hab den „Namen“ zwar bisher noch nicht gehört, aber ich bin mir sicher die sind himmlisch!

    Tolle Inspiration und ich denke dieses Rezept werde ich auf jeden Fall einmal testen und nachmachen!

    LIebe Grüße, Nicky von http://www.coconuted.com

    Gefällt 1 Person

    1. Wili sagt:

      Oh, danke für dies tolle Kompliment. Ich hoffe sie schmecken dir dann auch so gut, wie du es dir jetzt vorstellst 😋

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s