Mein Date mit einer Buchempfehlung von Michaela (bücherlogie)

am

Wer hat an der Uhr gedreht…

Es ist wirklich soweit. Der Stichtag für die Bekanntgabe der Ergebnisse des Buch-Dates ist erreicht und mir bleiben nur noch ein paar Stündchen, möchte ich pünktlich sein. Dieses mal hatte mich das Los zwischen und Chris (Lebensseiten) gewählt. So empfing ich folgende Buchempfehlungen von Michaela, aus denen ich mir eines aussuchen durfte. Dann hatte ich bis heute vier lange Wochen Zeit ausgiebig mit diesem Buch zu daten:

Martin Walker – Bruno, Chef de police

Das Buch habe ich vor einer Weile gelesen, sodass es dazu sogar eine Rezi auf meinem Blog gibt: Martin Walker – Bruno: Chef de police.
Warum habe ich dieses Buch ausgewählt? Obwohl ich Vegetarierin bin, muss ich bei „Frankreich“ immer an hervorragendes Essen und tolle Atmosphäre denken. Soweit ich mich erinnern kann, wird in diesem Buch beides transportiert. Nebenbei geht es um einen Mordfall. Es handelt sich aber um keine blutrünstige Geschichte, sondern um einen Kriminalfall, bei dem viel mit Andeutungen und weniger mit herumfliegenden Körperteilen gearbeitet wird.

Marsha Mehran – Das persische Café

Dieses Buch kenne ich so gar nicht, sondern bin bei meiner Recherche auf das Buch gestoßen. Irgendwo habe ich gelesen, dass man beim Lesen dieser Geschichte unbedingt den Kochlöffel schwingen möchte. Das fand ich doch ziemlich passend.
Neben der Geschichte der drei Schwestern, die das Café eröffnen und den Rezepten soll das Buch teilweise recht sozialkritisch sein. Eine, aus meiner sicht, interessante Kombination.
Hier kann man einen ersten Eindruck vom Buch bekommen.

Jonathan Safran Foer – Extrem laut & unglaublich nah

Ich kann gerade nicht genau sagen, warum ich mich als drittes für dieses Buch entschieden habe. Wahrscheinlich weil es so anders ist als viele Bücher, die ich gelesen Es hat mich zum Weinen und Lachen gebracht und ich habe sogar den Film gesehen, obwohl ich so ungerne Filme schaue.
Oskar benimmt sich nicht immer wie ein kleines Kind, obwohl er genau das ist. Er ist besserwisserisch und rechthaberisch. Doch auf der anderen Seite hat er sehr viele seelische Narben durch den Tod seines Vaters davongetragen. Als er einen Schlüssel in den Sachen seines Vaters findet, macht er sich auf die Suche nach dem dazugehörigen Schloss. Fest davon überzeugt, dass dieser Schlüssel für ihn bestimmt ist.
Zu diesem Buch kann ich sogar eine Rezi beitragen, um einen ersten Eindruck zu vermitteln: Jonathan Safran Foer – Extremely Loud & Incredibly Close (Extrem laut & unglaublich nah).

Erst einmal ganz herzlichen Dank an dich, Michaela, für diese sorgfälltige und gut durchdachte Auswahl. Ich habe mich über die Achtsamkeit und Wertschätzung, die du mir damit entgegen gebracht hast, gefreut.

Wie es nun vielleicht die ein und der andere von euch vermutet hat, entschied ich mich für ein Date mit Marsha Mehran: Das persische Café. Das Thema schien mir aktuell, auch wenn die Romanhandlung Ende der 1980ziger Jahre spielt: Wie kommen Menschen aus unterschiedlichen Kulturen zueinander?

Wie das so ist mit ersten Dates, war ich ein wenig, wenn auch freudig aufgeregt. Neugierig nahm ich das Buch aus den Händen der Buchhändlerin entgegen, setzte mich erst einmal in die Schmökerecke, klappte den Buchdeckel auf, blätterte die Titelseite um und las „Die Eroberung des Gartens“, ein Gedicht von Forough Farrochzad. Da wusste ich, dass ich die richtige Wahl getroffen hatte.

Ich mag dieses Gedicht, das ja irgendwie schon vorwegnimmt, worum es in dem Buch gehen wird, so wie ich viele weitere Gedichte dieser besonderen Frau liebe. Sie war Lyrikerin, Malerin und Filmemacherin. Sie war die erste, die Empfindungen, Sehnsüchte und Wünsche, auch sexueller Natur, mit einerderartigen  Freizügigkeit in der persischen Lyrik ausdrückte. Das als Frau und aus weiblicher Sicht. Das machte sie nicht nur für Iraner zur Freiheitsikone. Bis heute 50 Jahre nach ihrem Tod polarisieren ihre Texte, deren Rezeption in Iran staatlicherseits immer wieder stark eingeschränkt wird. Am 14. Februar 1967 starb Forugh Farrokhzad bei einem Autounfall. Das war 17 Jahre vor der islamischen Revolution. Sie wurde kaum 32 Jahre alt.

Marsha Mehran: Das persische Café – Rote Linsensuppe mit Lavash

Der Ire Thomas McGuire ist sich sicher, dass er nach dem Tod des italienischen Bäckers nun sein Dorfimperium weiter ausbauen und vor allem mit dem Bäckerladen einen alten Traum wird verwirklichen können. Doch die Witwe überläßt die Räume drei Schwestern, Marjan (27), Bahar (24) und Layla (17). Diese mussten und konnten 1979 mit Beginn der islamischen Revolution den Iran verlassen. Von London aus hatten sie sich jetzt, 10 Jahre später, aufgemacht, um sich in Thomas McGuires kleinem irischen Reich ein neues, solides zu Hause aufzubauen. Dazu wandelten sie die Bäckerei in ein orientalisches Restaurant um. Und als ob das nicht schon genug Ärgernis wäre, verlieben sich auch noch Thomas McGuires Kuckuckssohn und Layla ineinander…

In 12 Kapiteln, denen jeweils ein iranisches Rezept vorangestellt wurde, werden die Bewohner des kleinen Örtchens Ballinacroagh vorgestellt, mit ihren Liebenswürdikeiten, Eigenheiten bis Sturheiten, Vorurteilen und Misstrauen dem Fremden gegenüber. Aber auch die Schwestern haben so ihre Unsicherheiten bis Bedenken der ihnen fremden irischen Kultur gegenüber. Leicht vorhersehbar gelingt es ihnen dann doch über ihre exotisch anmutenden Speisen die Dorfbewohner für ihr Restaurant zu gewinnen. Dabei werden immer wieder Retrospektiven der Schwester, in den Iran Mitte bis Ende der 1970ziger Jahre eingeblendet, parallel zu den Vergangenheiten der einzelnen Dorfbewohner.

Ich habe in die Geschichte nicht wirklich hineingefunden und mich ein wenig pflichtbewusst dazu gezwungen auch nach den ersten 50 Seiten, als ich immer noch nicht meinen Lesefluss gefunden hatte, weiter zu machen. Bis zum Ende des siebten Kapitels auf Seite 152 bin ich gekommen. Der Roman hat 287 Seiten. Das heißt die Essenz des Buches habe ich noch gar nicht erfassen können und werde dies wohl auch nicht mehr. Zu sprunghaft, aber eben auch unpräzise wirkten auf mich die dennoch jeweils sehr ausführlich beschriebenen Handlungsstränge. Mir waren die Nebenfäden oft zu detailiert und ausgeschmückt bei fehlender Tiefe. Manchmal konnte ich einfach nicht folgen, wenn eine der Schwestern sich in Gedanken verlor und aus diesen wieder auftauchend in einer völlig neuen Szene stand. Allwissend nur erlebte ich die Erzählerin, die das Zepter fest in der Hand hielt und situativ entschied, was sie nun Preis gab und was nicht. Mal erzählte sie poetisch, fast märchenhaft, dann plätscherten ihre Worte seicht daher und im nächsten Moment konfrontierte sie mit blutigen, brutalen, traumatischen Erinnerungen.  Mal machte sie Andeutungen, um sich dann doch für das Schweigen zu entscheiden.

Doch ist nicht so auch genau das Leben. Während dem einen der Duft von frischem Brot Glückseligkeit aufsteigen läßt, versinkt die andere in die Erinnerung an Folterkammer und das Überleben, dank eines Brösels trockenen Brotes. Die erste süße Liebe schmeckt vielleicht wirklich wie das Lieblingsgewürz, von dem man als kleines Mädchen heimlich naschte, während hinter der Tür ein blutiges Drama passiert…  Und wie oft packen wir unangenehmes, schmerzliches in belanglose Zuckerwatteworte, um das Gegenüber oder aber uns selber zu schützen?

Die Idee, dass je Kapitel ein bestimmtes Gericht den Rahmen der Handlung setzt, dessen Rezept vorangestellt wird gefällt mir wiederum gut. Die Rezepte sind einfach und leicht nachzukochen.  Weil heute Aschermittwoch ist, entschied ich mich für die Rote Linsensuppe, die ich allerdings mit Gemüse-, statt mit Hühnerbrühe kochte. Auch pimpte ich sie mit einigen weiteren Gewürzen wie Bockshornkleesamen, Koriandersamen und frischem Dill auf. Die für diese Linsensuppe zwingend benötigten Zwiebeln hatte ich vorrätig, leider. Denn sonst wäre es mir vielleicht wie Layla ergangen und ich wäre beim Kauf des Gemüses meiner großen Liebe begegnet. Das Rezept für das Lavash, bei dessen Zubereitung Marjan sich erinnerte, wie sie sich und ihre Schwestern für ihrer großen Liebe in enorme Gefahr gebracht hatte, ist ebenfalls gut nachvollziehbar. Geschmeckt hat es auch.

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Hier geht es zum Sammelbeitrag der Rezensionen.

10 Kommentare Gib deinen ab

  1. Zeilenende sagt:

    Solange das Essen schmeckt, ist ein Date, dem keine weiteren Treffen mit dem gleichen Partner folgen, hoffentlich zu verschmerzen. Immerhin wird dein Zwiebelvorrat nicht ewig halten. Dann ergibt sich im Supermarkt vielleicht eine neue Gelegenheit. 🙂

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    1. Wili sagt:

      Es war nicht eins von diesen Dates, die man am liebsten nicht gehabt hätte und keinesfalls wiederholen mag. Und doch wollten wir trotz Interesse nicht zueinander finden. Vielleicht habe ich mich von dem einleitenden Gedicht in Anspruch und Erwartung in die Irre führen lassen

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      1. Zeilenende sagt:

        Ich blicke auf eine lange Reihe an Dates zurück, von denen ich insgesamt sagen kann: Ach … Ohne wär schon irgendwie angenehmer gewesen. Von daher ist ein enttäuschendes Date auch nicht schlimm 😉

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  2. Susanne sagt:

    Ich habe das Buch vor einigen Jahren gern gelesen. Ich hole es mal wieder hervor – mal sehen, was es mir heute sagt….

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    1. Wili sagt:

      Hast du dann auch den zweiten Band gelesen?

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      1. Susanne sagt:

        Nein. Ich erfahre grade, dass es den gibt. Aber bei solchen Fortsetzungsgeschichten bin ich ohnehin misstrauisch.

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  3. Irgendwie sind meine Buchempfehlungen beim Buch-Date bisher nie der Knaller gewesen. Das ist schade, aber immerhin gibt es so noch Luft nach oben. Schade, dass du nicht in die Geschichte gefunden hast, ich hätte dir ein perfektes Date gewünscht. 🙂

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    1. Wili sagt:

      Ach was, das liegt nicht an deiner Empfehlung. Das lag an meiner Wahl.

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      1. Nächstes Mal kann dann ja alles noch besser werden. 🙂

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