Wirsing im Stil der „Indisch Keuken“

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1619 machten die Niederländer Batavia auf der Insel Java, das heutige Jakarta,  zu ihrem Zentrum für ihren Handel im Osten. Die Anfänge niederländisch – Ostindiens waren gemacht. Heute ist die Kolonialzeit glücklich überwunden, Indonesien ist seit 1949 unabhängig.  Und doch, manches blieb: Während meines kurzen Aufenthalts auf Lombok im vergangenen Frühjahr fand ich noch deutliche architektonische Spuren aus dieser Zeit, wie diese Gebäude in Ampenam.

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Im Gegenzug dazu die Aufnahme von einem traditionellen Sasakdorf im Süden Lomboks:

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und von einem“modernem“ Dorf

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Nicht nur in der Architektur entstanden Mischformen aus westeuropäischen und südostasitischen Baustilen. Es entwickelte sich eine eigene Sprache, das Petjoh. Petjoh wurde vor allem von den indoeuropäischen Kindern beim Spielen auf der Straße gesprochen und verebbte mit der Unabhängigkeit. In den Niederlanden war Petjoh noch bis in die 1970ziger Jahre auf den Straßen zu hören.

Was aber in jedem Fall überdauerte und sich kontinuierlich weiterentwickelte ist die „Indisch Keuken“.  Indisch Keuken vereint mittlerweile seit fast 500 Jahren Zutaten und Kochtechniken der niederländischen mit der indonesischen Küchenkultur und ist somit eine der ältesten Misch- oder Fusionsküchen der Erde, für mich ein Symbol der kreativen Kraft des Miteinanders. die politische und gesellschaftliche Differenzen zu überwinden weiß. Dabei ist die indonesische Küche auch von portugiesischen, indischen, chinesischen und arabischen Kochkulturen beeinflusst. In der niederländischen Küche finden sich Einflüsse, der europäischen, amerikanischen und afrikanischen Küchen. Einen weiteren Einfluss bilden die Religionen. Alles zusammen genommen bildet die Wurzel der Indisch Keuken. Leider gibt es bisher nur Kochbücher in niederländisch oder englisch, die uns diese wunderbare Kochtradition näher bringen. Eine deutsche Übersetzung auf dem Büchermarkt wäre dankenswert.

Wenn wir hier in Deutschland ein indonesisches Restaurant besuchen oder in eines der vielen indonesischen Restaurants in den Niederlanden einkehren, so erwartet uns dort selten authentisch indonesische Küche, sondern in der Regel die Indisch Keuken. Bei solchen Besuchen fasziniert mich dann immer wieder, wie harmonisch sich die vielen verschiedenen Zutaten aus der gesamten Welt in einer Küche zu einem köstlichen Hochgenuss verbinden lassen.

Mich mit der Tradition des Verbindens und Verschmelzens verbunden fühlend, habe ich mir heute das Kokossambal, von dem ich noch übrig hatte, mit einfach geschmorten Wirsing kombiniert. – Irgendwie bin ich ja auch in eine Art Indisch Keuken hineingewachsen: Dazu habe ich einen halben kleinen Wirsing in feine Streifen geschnitten. Etwa eine Handvoll davon legte ich beiseite. Den übrigen Wirsing dünstete ich in wenig Wasser. Dann rührte ich 3 EL Kokossambal unter, gab die noch rohen Wirsingstreifen dazu und ließ alles weitere 10 Minuten bei geschlossenem Topf simmern.

In der Zwischenzeit habe ich noch schnell ein regionales Bruder-Ei gekocht und ein paar Erdnüsse geröstet. Dazu gab es lecker gedämpften persischen Basmatireis und noch ein paar Schwarzwurzel-Erdnuss-Nocken.

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Einfach und lecker!

 

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Ira Moritz sagt:

    Du bist ja eine Meisterin der Improvisation! Vielen Dank für den umfassenden Hintergrundbericht, ich mag das sehr und schaue deshalb so gerne bei Dir vorbei!

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    1. Wili sagt:

      Das freut mich, dass ich mit dir eine Followerin gewonnen habe, die mein Geschreibsel schätzt. Ich finde es selber spannend, was sich so alles um etwas alltägliches wie Kochen und Essen rankt und schreibe gerne darüber.

      Gefällt mir

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