Schläft ein Lied in allen Dingen…

am

Ich habe einen Traum, der langsam erwacht, sich als ein neues Ziel für diesen Blog aufmacht: Da hielt ich doch vor einigen Wochen ein kleines Büchlein von Vincent Klink in der Hand. Ich schätze seine Art die Speisen zu würzen sehr und ebenfalls seine kluge, humorvolle Schreibe. Doch dieser Mann kann noch viel mehr: Er schwenkt die Pfanne, spielt die Querflöte, spitzt die Feder zum Texten und Malen. Das imponiert mir. Nun hatte ich kein Hörbuch in der Hand, konnte also nicht sagen, welche Töne er zu seinen Speisen der Querflöte entlockt. Doch ich bin mir sicher, es wäre mir eine wahre Sinnesfreude gewesen, so wie der Anblick seiner kleinen Gemüsemalereien. Ja, das gefiel mir und ich dachte, es wird toll sein, wenn ich mich diesem ein klein wenig annähern könnte.

Dieser vermessene Gedanke konnte entstehen, da ich – wie bei vielen- während der Reha im Dezember meine Freude am Zeichnen und Malen entdeckte. Ich hatte Pastellkreide und DinA4 sowie DinA3 Blätter mit auf mein Zimmer genommen und legte nach Lust und Laune los:

Neben der Freude am schöpferischen Prozess und am streicheln der Farbpigmente auf das Papier, stieß ich doch auch schnell an meine Grenze. Viele Fragen taten sich mir auf. Dabei ging es mir noch nicht, um das Basiswissen. Zunächst wollte ich Licht und Schatten verstehen und Plastizität erzeugen können.  Ich übte mich an der Darstellung von Äpfeln

Wieder zu Hause wechselte ich das Obst und malte mein erstes Stilleben. Mein Kater unterstützte mich dabei, indem er dem Papier ein Paar Kratzer zufügte.

Als Sabine von wortegflumselkritzelkram beschrieb, wie schwer es sei Wassertropfen zu zeichnen musste ich das sofrot ausprobieren und grandios scheitern:

Endlich begann dann im Februar ein Zeichnen-Lern-Kurs. Toll! Da war ein Päärchen in meinem Alter, beide malen schon seit Jahren frei und mit Acryl, eine angehende Kunsttherapeutin, die noch Arbeiten für ihre Mappe braucht, zwei Comiczeichner und ich. Das erste was ich lernte, war den Bleistift richtig zu halten. Das erste was mich herausforderte, eine Gerade zu ziehen und dann dem Bleichstift verschiedene Grautöne in gleichmäßiger Abstufung zu entlocken. Endlich aber war es dann soweit und der Kursleiter baute ein Stilleben auf, das wir „nach der Natur zu Papier bringen sollten…

wo… wie… sollte ich nur beginnen. Sprachlos und fast völlig blockiert stand ich vor meiner Staffelei. Der gespitzte Bleistift in meiner rechten Hand und das riesige leere weiße Blatt Papier (DinA2) vor mir. Ein kleines Pappkärtchen mit „Fenster“ sollte mir helfen, den richtigen Ausschnitt zu finden und ich hatte in Trockenübung gelernt mit dem Stift den Raum zu vermessen. Ich holte tief Luft, setzte einen Punkt auf die Mitte des Papiers und legte zaghaft los.

Ehrlich, es war eine Quälerei. Beim Übertragen der Geraden aus der Natur auf das Papier wollte ich jedesmal meinen Bogen mit dem Bleistift durchstechen. Irgendwie schaltete sich auch ständig mein Gehirn mit seinen Vorstellungen zwischen Auge und Hand. Der Lehrer machte es mir nicht leichter. Ich möge doch bitte eine Beziehung zwischen den einzelnen Gegenständen herstellen und die Farbwerte in Grautöne übersetzen…. Au man!

Ich war echt tapfer, finde ich. Wie ihr seht habe ich dann meinen ersten Versuch mit Kohle zu Hause überarbeitet. Und dann habe ich einen zweiten Versuch gestartet, allerdings war mir da das Foto die Vorlage, denn das Stilleben gab es ja nicht mehr.

Zur nächsten Doppelstunde durften wir uns mit unserer Staffelei vor einen Spiegel stellen und loslegen:

Einmal Kohle und einmal Bleistift. Ganz klar, mit Kohle übe ich lieber. Ich mag das Verwischen, auch wenn ich das nach Möglichkeit unterlassen sollte… wieso eigentlich? In beidem erkenne ich Züge oder Elemente meines Gesichts und doch sind da zwei mir fremde Potraits entstanden. Versucht es mal selbst.

Ich weiß noch nicht recht, was ich von diesem Kurs halte. Denn ich möchte natürlich Techniken und Kniffe lernen, möchte wissen, wie ich mich orientieren kann, wie ich sauber schraffiere, wie ich Tiefe ins Bild bekomme und Licht…. Wir üben zu sehen und zu übertragen. Ziel ist es, die Wahrnehmung der Augen möglichst ungefiltert über die Hand auf das Papier zu bringen. In jedem Fall fordert es mich und am Ende bin ich erstaunt über das Produkt, auch wenn es noch so völlig abweicht von dem, was ich da gesehen habe.

Wieder zu Hause übte ich erst einmal an meinen Katzen. Die interessiert es zum Glück nicht, wie ich sie auf dem Papier mainfestiere. Auch nutzte ich eine Fotovorlage, weil sie da lange genug ruhig sitzen bleiben Dennoch sind sie im Ausdruck so anders und fremd geworden:

So wie meine Schwester täglich eins bis zwei Stunden übt, die Noten vom Blatt in Klänge auf ihrer Gitarre zu übertragen und leider auch mein Nachbar das Klavierspielen übt, so übe ich das Linien schwingen und schraffieren täglich auf dem Papier

Dabei mag ich den Bleistift nicht. Vieleicht habe ich aber bisher nur den falschen Stift und vor allem einen schlechten Spitzer. Zwischendurch nehme ich mir immer die Pastellkreide zur Hand. So habe ich jetzt zuletzt ein Stilleben mit Kaffeekanne, Granatapfel und Zitrone aufgebaut. Eine der Katzen sprang hinzu.

Sie blieb aber nicht ganz so lange, wie ich die Szene nachzumalen versuchte, was mir letztlich Freiheit in der Darstellung schenkte. Während ich versuchte möglichst naturgetreu die Früchte zu zeichnen, wanderte das Sonnenlicht tändig weiter. Damit wechselten die Farben. Ich musste mich also einfach irgendwann festlegen und etwas fixieren, das es so „in der Natur“ gar nicht mehr gab. Das war spannend und entlastend. Ihr seht hier auch meinen ersten Versuch einen Faltenwurf zu zeichnen. Ein besonders Erlebnis hatte ich mit der Kanne. Nachdem es zuvor viel Überwindung, jede Menge Versuche und Korrekturen gekostet hatte, um die Gießkannen zu zeichnen, erwuchs die Kanne mir leicht aus der Hand. Ich habe also schon etwas gelernt, wenn mir auch noch nicht so ganz klar ist was. Das spricht für den Zeichnen-Lern-Kurs.

Ich habe mich also auf den Weg gemacht das Zeichnen und Malen zu lernen. Nicht jede Übung, doch einzelne Wegesetappen möchte ich zukünftig hier präsentieren, bis ich dahin gekommen bin regelmäßig eines meiner Rezepte mit einer Zeichnung zu begleiten. Eine neue Blogkategorie ist geboren.

 

7 Kommentare Gib deinen ab

  1. Myriade sagt:

    Wenn du in die Schatten eine Spur von der Farbe des Objekts dazutust sind sie nicht so hart. Viel Freude beim Zeichnen und Malen !

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    1. Wili sagt:

      Super, danke für den Tipp. Ich werde ihn beherzigen

      Gefällt 1 Person

  2. Ach, liebe Wili, wie schön. Ich mag deine neue Blogkategorie und deine Bilder mag ich auch. Vor allem die Entwicklung, die man darin schon sehen kann. Wir haben mal in unserem Kurs eine Übrung gemacht, dass wir einen Hahn abzeichnen sollten – einmal richtig herum und beim zweiten Mal haben wir die Vorlage gedreht. Ziel war es, das Gehirn ein wenig zu überlisten und tatsächlich das zu zeichnen, was wir sehen und nicht das, was unser Gehirn uns vorgaukelt …. Und dieses genaue Hinsehen finde ich immer noch sehr schwer…..
    Ich wünsche dir einen wunderschönen Sonntag udn ich werde jetzt meine Seerosen weiter malen … 🙂

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  3. Ira Moritz sagt:

    Ich habe mich sehr gefreut über diesen Ausflug in ein Metier das nicht meins ist. Es hat wie immer Spaß gemacht bei Dir zu lesen wünsche Dir noch einen schönen Sonntag und viel Geduld und vor allem Spaß bei Deinem neuen Hobby.

    Gefällt 1 Person

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