Wie aus dem Sonntagsbraten ein Montagsessen wurde

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Es war einmal vor gar nicht langer Zeit, da…

So oder so ähnlich fangen Märchen an. Doch das hier ist kein Märchen. Es ist ein kleiner Tatsachenbericht über ein Rezept und ein küchenfertiges Bruderhähnchen.

Das Rezept hatte ich erst vor kurzem in dem schönen Buch von Gintare Marcel entdeckt. Ich freute mich schon darauf und hatte alles so geplant und vorbereitet, dass es am Sonntag Hähnchen in (Rauch)Tee- Marinade mit Trauben geben konnte. Deses Gericht braucht Planung, denn das Hähnchen darf 24 Stunden in einer Lapsang Souchong – Marinade baden.

Seit ich den Biolandhof hier in der Region entdeckt habe, der die Bruderhähnchen mit groß zieht, beziehe ich von dort meine Eier, Hähnchen- und Hühnerfleisch. Die Bruderhähnchen der Legehennen sind aber keine Masthähnchen. Sie wachsen langsamer und setzten weniger Fleisch an. Auch ihre Aufzucht im Freilandgehege mit den vielen Bewegungsmöglichkeiten für die Tiere, läßt das Fleisch fettärmer und muskulöser werden als bei den Masthähnchen. Der Vorteil ist ein  intensiver Fleischgeschmack, der mich begeistert.  Allerdings hatte ich die Hähnchen bisher gekocht und nicht gebraten oder geschmort.

Sonntag also briet ich das im chinesischen Rauchtee getränkte Bruderhähnchen im Backofen Dabei hielt ich mich an die Vorgaben des Rezeptes. Das Ergebnis sah dann so aus:

Eine schöne tiefbraune Farbe, aber irgendwie fest und kompakt. Ich sah es ja schon, aber Blicke können täuschen. Doch auch das Zerlegen des Vogels signalisierte nur, dass das Fleisch zäh geblieben war.

Es duftete gut und geschmacklich, war es wirklich sehr aromatisch und lecker. Mir gefiel, die Kombination rauchig, fruchtig, salzig und süß. Doch das Fleisch war ungenießbar zäh. So etwas kannte ich bisher nur von bereits älteren Suppenhühnern, die nicht lange genug gekocht wurden. Ein zähes Hähnchen war mir neu.

Nun gut. Sonntag gab es dann also gebackene Kartoffelwürfelchen mit geschmorten Weintrauben und etwas Bratensaft.

Das zerteilte Hähnchen gab ich mit Bratensaft, Trauben, etwas Wasser und Wein in meinen Crocky und ließ es über Nacht auf der Stufe „slow“ leise vor sich hin simmern.

Gut, die Trauben waren nun völlig zerkocht, die sollte ich nächstes mal erst später hinzu geben. Doch das Hähnchenfleisch war zart und löste sich schon beim Hinschauen von den Knochen. Die Hähnchenhaut war leider nicht mehr knusprig, dazu hätte ich das Fleisch doch nochmals kurz anbraten oder grillen müssen. Aber die Brühe, die war nun die absolute Wucht und auch das Fleisch hatte ein feineres Aroma angenommen, als am Sonntag. Man könnte sagen, meine Rezeptrettung war gut gelungen.

Ich hatte dazu Safranreis serviert und einen bitter-fruchtigen Salat mit Endiviensalat, Radicchio, gelben Pflaumen, Kumquat und Haselnüssen.

Nächstes Mal werde ich so ein Bruderhähnchen einfach länger im Bräter schmoren lassen und anders, als in dem Rezept angegeben, regelmäßig mit Bratensaft übergießen oder ich werde es von vornherein nach dem Niedrigtemperaturverfahren garen.

 

7 Kommentare Gib deinen ab

  1. Zeilenende sagt:

    Japp, das ist dir gelungen. Und geschmort ist mir Hähnchen ja eh lieber als gebraten. Aber was bringen diese Bruderhähnchen denn an Gewicht auf die Waage? Ich hatte immer das Problem, dass die Supermarkthähnchen mir tatsächlich zu schwer waren, irgendwie aufgedunsen. Seitdem habe ich keins mehr gegessen und suche gelegentlich nach Alternativen.

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    1. Wili sagt:

      Suppenhühner wie Bruderhähnchen wiegen zwischen 1000 g bis max. 1300 g. Das Fleisch bleibt grundsätzlich etwas fester und das Beste daran: Sie schmecken nach Huhn bzw. Höhnchen. Ich meine so richtig.
      Ich habe jedesmal den Eindruck gehabt, da läge das Geflügel meiner Kindheit auf dem Teller, Fleisch von Tieren, die frei auf dem Hof herum liefen und von der Kornernte etwas abbekamen 😊

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      1. Zeilenende sagt:

        1000g ist ja mal eine händelbar. Dann weiß ich, wonach ich zukünftig suchen muss. Danke. ☺

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      2. Wili sagt:

        Dafür nicht *g*
        Du musst da wohl auch nachfragen. Mittlerweile gibt es (wieder) Züchtungen, die beides beeinflussen, Lege- und Mastqualität.

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  2. Deine Erfahrung können wir bestätigen, freilaufendes, artgerecht gehaltenes Geflügel und da vor allem die Rassetiere verlangen eine andere Zubereitung.
    Wir schwören mittlerweile auf Niedrigtemperaturgaren im Ofen und zum Schluß nochmal Oberhitze. Damit haben wir die tollsten Braten aus richtig gutem Federvieh gezaubert. (Und jedes Mal, wenn du deinen Crockpot erwähnst, liebäugle ich wieder mit so einem Teil)
    LG Oli

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    1. Wili sagt:

      Ja, so ein Crocky ist eine gute Investition, wenn du dir nicht gleich einen neuen Herd zulegen willst. Ich empfehle dir da die einfachen Varianten ohne viel Hightech.

      Und das Hähnchenbacken mit Niedrigtemperatur wird es bei mir zukünftig auch geben 😊

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