Schläft ein Lied in allen Dingen… – Vanitas

am

Donnerstags ist Pastellkreidekurs. Er dauert jeweils 120 Minuten an. Die ersten 5-10 Minuten erklärt der Kursleiter, was er von uns möchte.  Meistens legt er dabei vor unseren Augen eine grobe Skizze an. Diesmal war das Thema „Stilleben“ und er wünschte, dass wir Schicht um Schicht unsere Bilder aufbauten und versuchen solten, mit Andeutungen zu arbeiten.  Die meisten Teilnehmer*innen hatten auch artig drei Gegenstände mitgebracht, sich also bereits vorab überlegt, was sie malen wollten. Ich nicht.

So wurden mir die Requisiten zugeteilt: Eine bereits recht vertrocknete Zitrone, eine Bierflasche und ein Stück Schädel… Suff, verhutzeltes Leben und schließlich der Tod, quasi barocke Klassiker zur Darstellung von Vergänglichkeit. Mal etwas anderes als Blümchen und knackige Äpfel, lachte ich.  Dann saß ich da mit meinem weißen Blatt und den Pastellkreiden vor meiner unheiligen Dreifaltigkeit, sah mir die Drei eine Weile an und legte los… versank dabei in meiner Arbeit und hatte in 100 Minuten folgendes geschaffen:

Nach 100 Minuten nehmen wir uns jedesmal die Zeit, die in der Regel über 20 Minuten hinausgeht, um alle Werke zu betrachten und gemeinsam zu besprechen. Das sind mir die wertvollsten Momente während des gesamten Kurses. Denn ich kann dabei betrachten, wie die anderen meine Probleme lösen. Hier und da gibt es dann auch einen kleinen Hinweis, wird eine kleinere Korrekturmöglichkeit angedeutet oder eine Technik kurz beschrieben.  Umsetzen und üben dürfen wir dann im Verlauf der folgenden Woche selber. Dann kommt immer noch die Frage: „Und wie geht es dir mit deinem Bild?“:

Ich werde entspannter und geduldiger mit mir, freue mich an den kleinen Fortschritten und verzweifle nicht mehr an den unbewältigten Herausforderungen. Mein Vanitas-Stilleben erinnert mich tatsächlich an den Kunstunterricht während meiner Schulzeit. Anscheinend setze ich gerade tatsächlich dort an, wo ich vor Jahrzehnten stehen geblieben war.  Die Zitrone ist ein wenig zu gelb und die braunen Linien auf ihr sind zu scharf gezogen. Andererseits sind es dieses Gelb und das Grün der Flasche, welche die Blicke auf sich ziehen. Mit der Bierflasche bin ich zufrieden und an dem, auf mich freundlich wirkenden Schädelstück ist mir die Augenhöhle schon ganz gut gelungen. Schatten male ich  auch nicht mehr schwarz.

 

5 Kommentare Gib deinen ab

  1. Myriade sagt:

    Gefällt mir, dass die Zitrone ein bisschen schräg liegt.

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    1. Wili sagt:

      Danke 😊 Mittlerweile denke ich, dass ich die Flasche hätte hinlegen können…. hinterher ist man immer schlauer 😉

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      1. Myriade sagt:

        Das trifft leider auf alle Bereiche des Lebens zu 🙂

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      2. Wili sagt:

        stimmt und doch bedeutet das ja manchmal auch eine Bestätigung dessen, was man gemacht hat 😉

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      3. Myriade sagt:

        Ja und gar nicht einmal so selten …..

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