Einmal kochend um die Welt: Belgien – Balletjes met krieken

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Wie startet man eine kochende kulinarische Weltreise? Mit dem, was man noch so überhaupt nicht kennt, einem sehr fremd und exotisch erscheint? Das wäre spannend. Ich dachte an die skandinavischen Länder, an Alaska und an Osteuropa. Dann wieder streiften meine Gedanken nach Polynesien, Neuseeland und Australien oder vielleicht doch lieber Afrika? Südamerika? Oder sollte ich die heutigen Länder der Seidenstraße entlang kochen….? Alles ist spannend und reizt mich. Und schließlich entschied ich mich erst einmal bei unmittelbaren Nachbarn in den Kochtopf zu schauen.  Belgien ist mir alles andere als fremd, denke ich. Regelmäßig machen wir Ausflüge an die Nordsee, nach Brüssel und Antwerpen. Cousinen und Freunde leben in Belgien und wenn mir meine Nachbarn nicht verraten hätten, dass sie Belgier sind, hätte ich es gar nicht bemerkt.

In dem kleinen Belgien leben wahre Schleckermäulchen, die mit ihrer Kochkunst die Welt eroberten: Pommes Frittes, belgische Schokolade, belgische Waffeln, Muschelgerichte und Chicorée schätzt man weltweit, ebenso wie belgisches Bier und belgischen Käse.  Die belgische Küche ist geprägt von der hohen Qualität ihrer Zutaten und Belgien soll das Land in Europa mit den meisten Michelin-Sternen in Relation zu seiner Einwohnerzahl sein. Die Nordsee liefert Fisch, Muscheln und Garnelen bester Qualität. Gemüse kommt aus der Gegend rund um Gent oder Mechelen,  Fleisch und Geflügel liefern das Polderland und die Ardennen bieten zahlreiches Wild. Neben einer exquisiten Gourmetküche scheinen Belgier auch eine Schwäche für die deftige Küche zu haben. Leckere Eintöpfe wie stoverij, hutsepot oder Gentse waterzoo, oder in Bier geschmorte Fleisch- und Gemüsegerichte sind beispielhaft dafür. Ich entschied mich, einen flämischen Klassiker auszuprobieren, der mir persönlich völlig neu ist. Als ich die Zutatenliste las, Hackfleischbällchen, Sauerkirschen aus dem Glas und Vanillepuddingpulver kam mir das sehr exotisch vor. Ein wenig skeptisch, fast mutig machte ich mich ans Werk:

Balletjes met krieken

Zutaten

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  • 500 g Hackfleisch halb und halb
  • 1 Zwiebel
  • 2 EL Paniermehl
  • Salz, Pfeffer, Rosmarin und Thymian
  • 1 Glas Sauerkirschen
  • 1 1/2 EL Vanillepuddingpulver
  • Butterschmalz

Zubereitung

Die Zwiebel fein würfeln und sautieren, dann mit dem Paniermehl und den Gewürzen (auf individuellen Geschmack abgestimmt) unter das Hackfleisch mengen. Kleine Fleischbällchen formen. Diese 8-10 Minuten in kochendes Wasser geben. Anschließend abschöpfen und gut abtropfen lassen.

In einer Pfanne etwas Butterschmalz erhitzen. Die Fleischbällchen darin von allen Seiten schön braun anbraten. Beiseite stellen. Die Kirschen abgießen und dabei das Kirschwasser auffangen. In einem Teil des Kirschwassers das Vanillepuddingpulver kalt einrühren. Mit dem übrigen Kirschwasser das Bratenfett ablöschen und aufkochen lassen. Das Vanillepuddingpulver einrühren und alles eindicken lassen. Die Kirschen und die Fleischbällchen dazu geben und alles eine kleine Weile simmern lassen.

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Traditionell reicht man dazu dunkles Brot mit Butter oder Bratkartoffel. Ich habe mein Brot mit Grurkenscheiben aufgepeppt. Das Rezept erinnert mich an die Wirtschaftswundernachkriegszeit und ich muss gestehen, so skeptisch ich war, so  gut hat es mir dann doch geschmeckt. Im Sommer werde ich einmal die Frischevariante ausprobieren mit frischen Sauerkirschen und echter Vanille, statt des Puddingpulvers. Aber so oder so ist es ein wahres Soulfoud unserer belgischen Nachbarn. Schön das ich dies erschmeckt habe.

4 Kommentare Gib deinen ab

  1. Da hätte ich auch erst mal gestutzt – klingt äußerst spannend….

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    1. Wili sagt:

      ja, das war genau so auch meine erste Reaktion 🙂

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  2. Myriade sagt:

    Puddingpulver zu Fleisch, das kann ich mir irgendwie gar nicht vorstellen. Mit Vanille schon eher, aber insgesamt ist das glaube ich nichts für mich. Ich freu mich aufs nächste Rezept 🙂
    Ein hübsches Logo hat das Projekt übrigens.

    Gefällt 1 Person

    1. Wili sagt:

      ich kannte ja bereits sauerkirschen mit Lammfleisch und war dennoch ebenfalls skeptisch wegen des Puddingpulvers, wurde dann aber angenehm überrascht. Und natürlich ist das Puddingpulver nur Stärke mit einem Vanilleersatz, also könnte man alles Verfeinern mit echter Vanille und einer edleren Art des Soßeeinbindens 😉 Aber das nächste Rezept kommt bestimmt.

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