Einmal kochend um die Welt – Lipperland: Pickert mit gebackenem Gartengemüse

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Kennt ihr das schöne Lipperland?  Es wurde erstmals im 12. Jahrhundert beurkundet. S.eit knapp 30 Jahren hat das Ländchen sogar ein eigenes Autokennzeichen, das ihr vielleicht schon einmal auf einem Wagen vor euch auf der Autobahn gesehen habt: „LIP – …“.

Lipperland war ein kleiner deutscher Staat, der erst 1947/48 auf Betreiben der Britischen Besatzungsmacht seine Selbstständigkeit aufgeben musste und sich mit Rheinland und Westfalen zu Nordrhein-Westfalen zusammenschloss. Die ersten Familienurlaube meiner Kindheit, an die ich mich noch gut zurück erinnern kann, waren auf einem Bauernhof in Lipperland am Teuteburger Wald. Gut erinnerte ich mich an die schöne Landschaft, das Hermannsdenkmal und die Externsteine, als ich nun wieder diese Region, die ja nicht weit von Hannover entfernt gelegen ist, aufsuchte. Stundenlang wanderte ich durch die Wälder und naschte heute wie vor 40 Jahren von den wilden Heidelbeeren, Himbeeren und Walderdbeeren, erfreute mich an der abwechlungsreichen Flora, den Waldeidechsen, bunten Schmetterlingen,  Eichhörnchen, Sing- und Greifvögeln sowie abends an den unzähligen Fledermäusen.

 Den Lippern selber sagt man nach, dass sie ein gut wirtschaftendes und sparsames Völkchen seien. Böse Münder behaupten gar,  sie würden von ausgewiesenen Schotten abstammen, schließlich hätten sie den Pfennig so oft umgedreht, bis sie daraus den ersten Kupferdraht aufwickeln konnten. Reichverziehrte Fachwerkhäuser, herrschaftliche Villen und neue schöne Bauten zeugen in den Ortschaften vom früheren und heutigen Wohlstand dieses kleinen Ländchens, das auch äusserst karge Zeiten durchlebt haben muss. Doch die Lipper waren eben schon immer kreativ und erfinderisch. So wussten sie bereits damals mit wenig Großes zu zaubern, wie beispielsweise den Pickert.

 Der lippische Pickert, eine Art Pfannkuchen, ist von seinem Ursprung her ein typisches ländliches Arme-Leute-Essen. Verwendet wurde dabei nur, was auf dem eigenen oder gepachteten Hof produziert werden konnte: Kartoffeln, Eier, Weizenmehl und Schweinefett. Wer es sich leisten konnte, gab noch eine Prise teuren Zucker hinzu. Gebacken wurde der Pickert direkt auf der Ofenplatte, die zuvor mit einer Speckschwarte gut eingefettet worden war. Dazu reichte man etwas von der guten, selbstgeschlagenen Butter, oder von der geräucherten Leberwurst, die das geschlachtete Hausschwein hergab. Mit zunehmenden Wohlstand wurde auch der Pickert angereichert, mit Milch oder Sahne, mit Hefe, Zucker und kostbaren Rosinen. Man reichte und reicht Zwetschgenmus, Apfelmus, Rübenkraut, lippische Leberwurst, Blutwurst, geräucherten Lachs und vieles mehr dazu.

 In sämtlichen Touristen- und Museumslädchen im gesamten Lipperland werden Fertigmischungen für einen Pickert feilgeboten, der heute als lippisches Nationalgericht gepriesen wird. Doch auch die Westfalen erheben Anspruch auf den Pickert, der dort Lappenpickert genannt und oftmals mit Buchweizenmehl gebacken wird. Schließlich gibt es dann noch den Kastenpickert, der im Raum Bielefeld – Gütersloh in Kastenkuchenformen gebacken und anschließend in Scheiben aufgeschnitten wird. Ich entschied mich für ein einfaches, fast ursprüngliches Pickertrezept und reichte dazu ofengebackenes Gartengemüse mit einem Klacks Frischkäse

 Zutaten für eine mächtige Portion

 Pickert

  • 250 g Kartoffeln
  • 50 g Mehl
  • 30 ml Milch
  • 1 Ei
  • 1 Stück Speckschwarte
  • Salz

Ofengemüse

  • je 100 g Rote/Gelbe Bete, grüne Paprika, Möhren, Knollensellerie
  • 1 kleine rote Zwiebel
  • 1 TL Olivenöl
  • 2 TL Sojasoße
  • 1 EL (Ziegen-)Frischkäse

Zubereitung:

 Die Gemüse und die Zwiebel putzen,  grob würfeln, mit Olivenöl und Sojasoße vermengen und auf einem Backblech im vorgeheizten Backofen knapp 20 Minuten bei 180 Grad Celsius backen.

 In der Zwischenzeit die Kartoffeln schälen, waschen, reiben. Die Karoffelmasse über einem feinen Haarsieb vorsichtig auspressen, um möglichst viel Stärke mit bei zubehalten. Den rohen Kartoffelbrei mit den übrigen Zutaten  zu einem Teig verrühren.

Eine große (gußeiserne) Pfanne erhitzen und mit der Speckschwarte gründlich abreiben. Dann den Teig in der heißen Pfanne verteilen, sodass ein großer, dünner Pfannkuchen entsteht.

Sobald die Unterseite gebräunt ist, den Pickert einmal wenden und auf der anderen Seite bräunen.

 Den fertigen Pickert auf einen Teller heben, mit dem gebackenen Gartengemüse und dem Frischkäse belegen.

 Also, ich habe diese Portion nicht geschafft, aber lecker war sie schon. Der Pickert hatte eine dezente Räuchernote und das süßlich karamelisierte Gemüse passte hervorragend.  Allerdings muss ich gestehen, dass ich die sogenannte Neureichenvariante des Pickerts mit Hefe und Rosinen, einen ordentlichen Speckpfannkuchen oder den rheinischen Rievkooche  diesem ursprünglichen Pickert vorziehe.

5 Kommentare Gib deinen ab

  1. Ein interessanter Bericht über einen Ort den ich bisher nicht kannte. Ich hätte jetzt aber Appetit auf den lecker aussehenden Pickert.
    Liebe Grüße Sigrid

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    1. Wili sagt:

      Und? Hast du dir gleich einen Pickert gebacken? Wenn du mal in NRW bist solltest du durchaus einen Ausflug in die Gegend um Detmold machen. Es lohnt sich.

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      1. Das werde ich mir merken, Detmold kenne ich aber leider nur dem Namen nach.

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  2. Ira Moritz sagt:

    Also Deine Pickert-Version gefällt mir besser als das Original bin nicht so für süß, beim Essen. Die Geschichte ist natürlich wieder bezaubernd – danke Dir, dass Du diese Wissenslücke bei mir so unterhaltsam geschlossen hast.

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    1. Wili sagt:

      Gerne, hat mir selbst Soass gemacht, dieses alles zu erfahren. Übrigens soll ja „meine“ Version der Legende nach sehr dem Original nahe kommen, während die süße Variante eine Weiterentwicklung in besseren Zeiten darstellt 😉

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