Das Rezept auf Seite 32 : Hubnik (Pilzauflauf)

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Wie die Zeit vergeht, immer gleich in ihrem Rhythmus, dem wir einen 24 Stunden – 12 Monate – Takt  zugeschrieben haben. Das subjektive Empfinden kann von dieser Gleichförmigkeit abweichen, wie jetzt hier bei mir. Ist es wirklich schon so weit, dass ich ein weiteres Rezept aus einem Kochbuch vorstelle? Endlich! Schon!? Beide Empfindungen schlagen in meiner Brust.

Für heute wählte ich ein schönes Büchlein, das vor 4 Jahren, im Oktober 2013 im Leopold Stöcker Verlag herausgegeben wurde, der mir freundlicher Weise ein Rezensionsexemplar zur Verfügung stellte.

ISBN 978-3-7020-1423-0 Gerd Wolfgang Sievers / Sassi Z. Horinek BÖHMISCHE KÜCHE Über 200 Rezepte! 176 Seiten, ca. 80 Farbabbildungen, 18,5 x 25 cm, Hardcover

Auch wenn ich sie heute selten genieße und noch seltener zubereite, so fühle ich mich der böhmischen Küche doch sehr verbunden, assoziiere mit ihr Geschichten von Rübezahl, das Sammeln von Maronen und Steinpilzen im feuchten Wald, geselliges Schlemmen im Familienkreis, Umsorgtsein, Pan Tau, Weihnachtskarpfen in der Badewanne… Seelenwärmende Speisen an stürmischen Herbst und Wintertagen. Doch neben den Kindheitserinnerungen aus weit zurück liegenden Tagen, kamen mir auch meine Reisen nach Prag und Pilsen mit all den vielen köstlichen Speisen in den Sinn, als ich dieses Kochbuch erstmals interessiert durchblätterte.  Gutbürgerliche, klassische Hausmannskost aus eben jenen längst vergangenen Tagen lachten mir da freundlich entgegen. Mein Herz schlug ein wenig höher. Nun könnte ich Omas Leckereien, deren Rezepturen sie nicht weitergab, nachkochen. Deftig, sättigend,  fleischeslustig, wärmend geht es in dem Buch zu, genussvolles Schlemmen steht  weit über magerer Vernunftskost, doch Unvernunft wird keinesfalls zelebriert. Mit einem fetten Schmunzeln las ich die einleitenden Worte von Gerd W. Sievers, der das Buch mit Sassi Z. Horinek auf den Weg brachte: „Vom Zauber der böhmischen Küche“.  Er beschreibt bild- und anekdotenreich die Entwicklung der böhmischen Küche als “ ein glorreiches Beispiel dafür, wie kreativ regionale Küche sein kann,  wenn sie unter einem Küchenmatriachat steht – und das fernab von emanzipatorischem  Gedankengut, …“ Er plädiert, die traditionellen Rezepte sanft zu modernisieren, um ihren Charakter beizubehalten. Das meint mit weniger Mehlschwitze, reduzierten Fettzugaben und kleineren Portionen zu arbeiten, statt Zutaten auszutauschen oder zu ersetzen.

Seinem Plödoyer ist ein ausführliches Kapitel über die bewegte Geschichte Böhmens vorangestellte, dessen  Zentrum Prag heute zu Tschechien gehört. Die 200 Rezepte werden dann reich bebildert in den Kapiteln: Vorspeisen und Salate; Suppen und Eintöpfe; Karpfen und kaum andere Fische; Fleisch, Geflügel Wild und Innereien; Immer wieder Knödel- mehr als nur eine Beilage; Saucen, Gemüsegerichte und diverse Beilagen; Mehlspeisen, Süßspeisen und Desserts vorgestellt. Darunter befinden sich sämtliche Klassiker, wie „Prager Schinken“, „Karlsbader Gulasch“, „Geselchte in Powidl“,  „Mährischer Fasan“,  „Wildschwein in Weichselsauce“ oder auch die „Gebratene Gans nach Familie Simonek“. Neben dem Weihnachtskarpfen gibt es weitere Karpfenrezepte, diverse Knödel- und Pilzrezepte, köstliche Suppen und natürlich auch „Liwanzen mit Powidl“, “ Böhmische Buchteln“, „Zwetschkenknödel“, „Böhmischer Palatschinken“ oder die „Karlsbader Oblatentorte“.

Die Rezepte sind gut verständlich und übersichtlich aufgebaut. Die Mehrzahl der Zutaten und Gewürze ist leicht zu erwerben, wenn man sie nicht eh schon im Haus hat. Allerdings gibt es auch einige Spezialitäten, die zumindest hier in Hannover nicht jeder Lebensmittelladen im Standardsortiment führt. Ergänzt werden die Rezepte von kleinen „Schaukästen“, in denen die  wichtigsten böhmischen Produkte wie Znaimer Gurken, Prager Schinken oder Pilsner Bier mit Hinweisen auf einige typisch böhmische Lokale in Prag und anderen tschechischen Städten kurz beschrieben werden. Ein Buch also nach meinem Geschmack, dessen  klassische Aufmachung gut zum Inhalt passt.

Auf Seite 32 gibt es ein Rezept für UTOPENCI, eingelegte Knackwürstchen und ein Rezept zu CESKY SALAT, Tschechicher Salat mit Kalbsbraten und gekochtem Rindfleisch. Die Würstchen lege ich bestimmt einmal ein, doch jetzt ist es noch eine gute Zeit für Pilzgerichte. So blätterte ich weiter auf die Seite 132 und entschied mich für einen unkomplizierten , aber megaleckeren Pilzauflauf:

HUBNIK

Zutaten für 4 Portionen


  • 500 g Pilze
  • 100 g Butter
  • 4 altbackene Brötchen
  • 1 Tasse Milch
  • 4 Eier
  • 3 Knoblauchzehen
  • 3 EL Grieß
  • Salz und Pfeffer
  • Petersilie

Zubereitung

Pilze putzen, in Scheiben schneiden und in der Hälfte der Butter dünsten.

Semmeln in Milch einweichen und ausdrücken.

Restliche Butter in einer Pfanne erhitzen, verquirlte Eier, Pilze, Semmeln und den zerdrückten Knoblauch sowie Grieß, Salz und Pfeffer hineingeben, alles miteinander vermischen und stocken lassen.

Die Masse in eine gefettete Form geben, mit Butterflöckchen belegen und im auf 170 Grad vorgeheizten Ofen ca. 30 Minuten goldbraun überbacken.

Mit Petersilie garniert servieren.


Mein Hubnik ging fast unter in einem Meer aus Blattsalat, was den guten Geschmack aber keineswegs trübte. Nachmachen kann ich nur empfehlen.

 

Ein weiteres spannendes Rezept auf Seite 32 findet ihr auch bei linzersmileys

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Wieder eine sehr schöne Buchpräsentation – danke! Mir ist beim Lesen der einzelnen Gerichte das Wasser im Munde zusammengelaufen 🙂 …
    Ich mag die böhmische Küche sehr, ganz besonders ihre wunderbaren Mehlspeisen (vor allem die mit Powidl :-)), die auch in mir viele schöne Kindheitserinnerungen wachrufen.
    Das Rezept, das du nachgekocht hast, klingt lecker und passt so schön in den Herbst … Ich kann mir gut vorstellen, dass ich es mal ausprobieren werde.

    Liebe Grüße Daniela

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    1. Wili sagt:

      Ich glaube auch, dass dir das Büchlein gefallen könnte 😊

      Gefällt 1 Person

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