7. Buchdate -„Advent, Advent, das Regal brennt“

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Zumindest hier auf meinem Blog geben sich im Jahr 2017 das Buchdate VI und das Buchdate VII die Hand. Die Initiatoren dieser schönen Begegnungen mit Literatur sind Wortgeflumselkritzelkram und Zeilenende.  Sie läuteten die letzte Datingrunde für dieses Jahr mit folgenden Worten ein:

Wir stärken uns mit guter Lektüre, bevor wir im adventlichen Stress zwischen Glühweinkater, langweiligen Weihnachtsfeiern, plätzcheninduzierter Diabetes und überfüllten Spielwarenabteilungen ganz vergessen, was Lesen überhaupt ist. Und damit wirklich alle Teilnehmer*innen zufrieden in die schönste zweitschönste Zeit des Jahres starten können, verzichten wir diesmal auf eine Motto-Vorgabe. (Quelle)

Oha! Erwartet wird gute Lektüre, die uns darin stärkt jedweden adventlichen Stress gut zu überstehen. Was kann das nur sein? Etwas ruhiges für hektische Tage, etwas spannendes gegen mögliche Langatmigkeit, etwas verträumtes gegen die adventlich-nüchterne Realität, etwas nüchternes gegen all die Üppigkeit oder…. Ach ich weiß es nicht so recht.

Meine bereits vor Tagen vorsortierten Buchempfehlungen für dieses fast mottofreie Dating habe ich jedenfalls gerade verworfen, als ich entdeckte, dass ich Tanja im Norden meine Empfehlungen niederschreiben darf. Denn Tanja im Norden schreibt über sich, dass sie eigentlich nicht so genau sagen könne, was ihr Lieblings-Genre sei (womit sie mir ja entgegenkommt), um dann zu vermuten, dass es wohl die 0,5 % nicht schwülstigen Historienromane seien.  Eines ihrer drei zuletzt gelesenen Bücher war „Gedankenlesen durch Schneckenstreicheln“ von Martin Puntigam. Klar, das machte auch mich neugierig und ich kann mir vorstellen, dass es auch das eine und andere vergnügliche Schmunzeln bei mir neben dem Adventskranz entlocken kann. Ihre drei genannten Lieblingsautoren „T.C. Boyle, Rudyard Kipling, Michener“ sagten mir zunächst nichts. Jetzt aber weiß ich, dass Rudyard Kipling der Schöpfer des Jungelbuchs ist. Das Original habe ich nie gelesen, der Disneyfilm hingegen zählte viele Jahre zu meinen liebsten Filmen. Angaben also, die mich meine vorab getroffene Buchauswahl noch einmal verwerfen ließen. Gute Lektüre für die Adventszeit, das könnte für Tanja aus dem Norden ja doch noch einmal ganz etwas anderes bedeuten als für mich.

Meine erste Buchempfehlung halte ich aber doch mutig aufrecht, wobei die Reihenfolge lediglich eine Aufzählung, kein Ranking darstellt. Mutig, weil ich selber noch mitten in diesem Buch lese, dass ich vor kurzem erst während einer Erzählstunde des  Autors hier in Hannover erwarb.  Tanja im Nordens Angabe Rudyard Kipling gerne zu lesen bestärkte mich darin:

 

„Die unglaubliche Geschichte von Sami und seinem abenteuerlichen Leben in den Gassen von Damaskus. Geschichten um Geschichten reihen sich aneinander. Sie alle erzählen von einer innigen Freundschaft, der Sehnsucht zweier Jungen nach Freiheit und dem Ausbruch der syrischen Rebellion:
Sami und Scharif sind unzertrennlich, sie wachsen wie Brüder auf. Nach seiner Flucht aus Syrien erzählt Scharif von ihrer Kindheit in den verwinkelten Gassen von Damaskus, ihren teuflischen Tricks, die Schule zu überstehen, und von ihrem Beschützer, dem weisen Postboten Elias, dem besten Lautenspieler aller Zeiten. Wie Sami sich mutig in jedes Abenteuer stürzt, weil er Unrecht nicht erträgt, und für seine Liebe Josephine sein Leben aufs Spiel setzt. Und wie er sich im Laufe der Jahre so viele Narben holt, die jede wieder ihre eigene Geschichte hat. Bald passieren Dinge, die ihnen die Augen öffnen. Als der Widerstand gegen den Diktator wächst und der Aufstand in Daraa ausbricht, müssen die Freunde abtauchen. Seitdem hat sich die Spur von Sami verloren …“

Meine zweite Buchempfehlung ist ein kleines, zart wirkendes Büchlein aus dem Jahr 2012. Ich kam ein wenig um die Ecke denkend darauf, als ich las, dass James A. Michener in dritter Ehe mit Mari Yoriko Sabusawa, einer amerikanischen Japanerin der 2. Generation, verheiratet war:

»Auf dem Schiff waren die meisten von uns Jungfrauen.« So beginnt die berührende Geschichte einer Gruppe junger Frauen, die Anfang des 20. Jahrhunderts als picture brides von Japan nach Kalifornien reisen, um japanische Einwanderer zu heiraten. Bis zu ihrer Ankunft kennen die Frauen ihre zukünftigen Männer nur von den strahlenden Fotos der Heiratsvermittler, und auch sonst haben sie äußerst vage Vorstellungen von Amerika, was auf der Schiffsüberfahrt zu wilden Spekulationen führt: Sind die Amerikaner wirklich behaart wie Tiere und zwei Köpfe größer? Was passiert in der Hochzeitsnacht? Wartet jenseits des Ozeans die große Liebe? Aus ungewöhnlicher, eindringlicher Wir-Perspektive schildert der Roman die unterschiedlichen Schicksale der Frauen: wie sie in San Francisco ankommen (und in vielen Fällen die Männer von den Fotos nicht wiedererkennen), wie sie ihre ersten Nächte als junge Ehefrauen erleben, Knochenarbeit leisten auf den Feldern oder in den Haushalten weißer Frauen (und von deren Ehemännern verführt werden), wie sie mit der fremden Sprache und Kultur ringen, Kinder zur Welt bringen (die später ihre Herkunft verleugnen) – und wie sie nach Pearl Harbor erneut zu Außenseitern werden. 

Meine dritte Buchempfehlung ist noch ein wenig betagter und stammt aus dem Jahr 1994. Der Autor ist Amerikaner, ein guter Geschichtenerzähler, wie ich finde, und emeritierter Professor für Psychiatrie.  Die Protagonisten seiner fiktiven Romanhandlung sind reale historische Personen. Vielleicht läßt sich dieses Buch somit auch dem Genre Historischer Roman zuordnen:

Wien, ausgehendes 19. Jahrhundert: Die selbstbewusste junge Russin Lou Salomé drängt den angesehenen Arzt Josef Breuer, den suizidgefährdeten Friedirch Nietzsche zu helfen und ihn von seiner zerstörerischen Obsession für sie zu kurrieren. Breuer willigt ein und unterzieht Nietzsche einer neuartigen Heilungsmethode, deren Ausgang jedoch für beide unerwartet ist.

So, liebe, unbekannte Tanja im Norden, jetzt werde ich mich freuen, wenn dir eine der Lektüren verführerisch entgegenlächelt und sich vergnügliche Momente zwischen euch auf dem Lesesessel im  Novemberkerzenschein entfalten werden.

7 Kommentare Gib deinen ab

  1. „Wovon wir träumten“ landet auf jeden Fall auf meiner Liste

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    1. Auf meiner auch. 🙂

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  2. Danke für diese Lesetipps. Es sind drei Bücher, die ich alle nicht kenne, und deren Zusammenfassungen alle interessant klingen. Das muss ich noch ein wenig hin und her wenden, bis ich mich entscheiden mag.

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  3. Myriade sagt:

    Yalom finde ich auch großartig !

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  4. Zeilenende sagt:

    Hihi … Mich hat es ja ein wenig erleichtert, dass ich meine ursprünglichen Empfehlungen (ich hatte mir ein paar Fantasy- und Thriller-Titel zurecht gelegt) wieder einpacken konnte. So kann es den Leuten unterschiedlichst gehen mit dem ersten Date. 🙂

    Gefällt 1 Person

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