Einmal kochend um die Welt – Türkei: Hamsili Pilav

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Mein Kochlöffel streifte auf der Landkarte von Georgien aus Richtung Südwesten über Aserbeidschan, um im Norden der Türkei am Schwarzen Meer zu stoppen. Diese Region wird durch das pontische Gebirge von Anatolien getrennt und ist bekannt für seine riesigen Haselnussplantagen, den Honig und hervorragenden Tee.  Zudem ist  das Schwarze Meer reich an winzig kleinen, dünnen, aber länglichen Sardellen, die in blaumetallisch flirrenden Schwärmen unweit der Küste entlangschwimmen. Kommen die Sardellenfischer vom Meer zurück, sind ihre Boote derart prall gefüllt, dass sie davon eimerweise an mittellose Küstenbewohner abgeben. Zumindest war das früher so. Schwarzmeersardellen, Hamsili, sind quasi das Brot dieser Region und sie sind in der ganzen Türkei sehr beliebt.  Denn sie sollen besser schmecken als die Sardellen aus den anderen Meeren, würziger, weil das Wasser in dem sie schwimmen recht kühl sein soll. Den Karadenizli, den Bewohnern der türkischen Schwarzmeerküste sagt man nach, dass sie mindestens 101 verschiedene Sardellen-Gerichte erfunden hätten, von der Sardellensuppe, über das Sardellenbrot, der Sardellenfrikadelle, den fritierten Sardellen bis hin zum süßen Sardellen-Nachtisch.

Einmal, als ich in Istanbul Kadiköy war, genoß ich in einem kleinen, etwas abseits und versteckt gelegenem Restaurant, das eher ein Imbiss war, ein Hamsili Pilav, das ich hier nun aus der Erinnerung heraus nachgekocht habe. Zugegeben, ich hatte kein genaues Rezept als Vorlage. Doch ich bin mir sicher, wie bei den meisten traditionellen und klassischen Gerichten wird es so viele Rezeptvariationen wie Köch*innen geben. Wer weiß also schon, wessen geheimes Familienrezept ich hier nun ahnungslos offenbare?

Hamsili Pilav

Zutaten für 4-5 Portionen

  • 1 Kg (Schwarzmeer)Sardellen
  • 2 EL Maisgrieß (oder Paniermehl)
  • 1 TL getrockneter Thymian
  • 300 g Vollkornreis
  • 500 g Spinat
  • 1 Knoblauchzehe
  • 1 Zwiebel
  • 1 TL Kurkuma
  • 2 EL Pinienkerne
  • 2 EL Rosinen
  • Salz und Pfeffer
  • Sonnenblumenöl

Zubereitung

Vielleicht habt ihr einen freundlichen Fischhändler, der euch bereits die Sardellen filetiert. Dann braucht ihr sicherlich nur um die 700 g von den Fischchen. Ansonsten ist die erste Arbeit fast schon wie ein kleines entspannendes Küchenmantra. Die Fischchen werden gewaschen, Kopf, Innereien und die Gräten entfernt. Das geht leicht und unkompliziert von der Hand, die Bewegungen dazu wiederholen sich Sardelle um Sardelle um Sardelle. Ich habe eine kleine Anleitung auf youtube gefunden, die ihr euch ansehen könnt, wenn ihr hier anklickt.  Anschließend micht ihr den Maisgrieß oder das Paniermehl mit dem Thymian  und wendet darin die Sardellenfilets , bzw.  vermengt diese damit.

In der Zwischenzeit könnt ihr euren Reis bereits dämpfen. Ich hatte noch Reis vom Vortag über. Die Zwiebel und den Knoblauch schälen und in kleine Würfel schneiden. Den Spinat gründlich waschen, grob abtropfen lassen und grob zerkleinern.

In heißem Öl Knoblauch- und Zwiebelwürfelchen glasig dünsten, mit dem Kurkuma bestreuen und weich werden lassen. Die Pinienkerne und die Rosinen beifügen und leicht anrösten. Den Spinat zufügen und auf kleiner Flamme abgedeckt zusammenfallen lassen. Das braucht ca. 2-3 Minuten. Den fertigen Reis dazu geben, mit Salz und Pfeffer abschmecken und alles noch ein paar Minuten dünsten, vom Herd nehmen und ein wenig auskühlen lassen.

Nun eine Pfanne sehr dünn mit Öl ausstreichen. Das geht am besten mit einem Pinsel. Den Pfannenboden und den Pfannenrand dachziegelartig mit den Sardellenfilets auslegen. Da sich die Fischchen beim braten zusammenziehen, müsst ihr sie wirklich dicht an dicht und gut überlappend auslegen.

Darüber nun die Reis-Spinat-Mischung gleichmäßig verteilen. Und dann anschließend vorsichtig die überstehenden Fischfilets vom Pfannenrand her über den Reis klappen. Dann von aussen nach innen arbeitend den Reis mit Sardellenfilets dicht an dicht belegen, so das schließlich der gesamte Reis von Sardellenfilets umschlossen ist.

Jetzt die Pfanne auf dem Herd erhitzen und zunächst die unteren Sardellen knusprig anbraten. Dann das Pilav wenden und von der anderen Seite anbraten. Das Wenden geht gut mit Hilfe eines Deckels oder Tellers, auf den man das Pilav stürzt.

Afiyet olsun!

 

 

 

3 Kommentare Gib deinen ab

  1. Ira Moritz sagt:

    Wie schön, bei Dir ist immer die Welt zu Hause und das macht wirklich Spaß. Besonders wenn es ein persönliches Erlebnis gleich frei Haus gibt. Danke für das Rezept und den schönen Beitrag!

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  2. aboutrosi sagt:

    Das Rezept find ich ja toll! Ich koch auch so gerne Rezepte aus anderen Ländern nach… das ist ein bisschen als wäre man dort! Alles Liebe, Rosi ❤

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  3. Sieht mal wieder klasse aus!

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