Vanillelinsen mit Grünkohl und Rote Bete

am

Unscheinbar klein, aber wunderschön, grün-weiß und duftend öffnen sich die Blüten der Orichdee für nur einige Stunden am Vormittag. Bis dahin allerdings brauchte die Schlingpflanze, die sich gerne an Bäumen hochrankt, von ihrer Aussaat an vier Jahre. Kolibris und kleine Insekten naschen in ihrem Heimatland während dieser kurzen Zeit von ihrem süßen Nektar und befruchten die Blüten. In ihrem heutigen Hauptanbaugebieten müssen die Bauern und Plantagenarbeiter diese kostbaren Vormittagsstunden abpassen, um die Blüten mit Hilfe kleiner Bambusstäbchen von Hand zu bestäuben. Unbefruchtete Blüten fallen einfach ab. Die anderen wachsen in ca. sechs Monaten zu länglichen grünen, dann braunen  Schoten heran, gefüllt mit  Zehntausenden von winzlingskleinen Samen, die vom Wind weit verbreitet werden wollen. Doch der Mensch beeilt sich dem Wind zuvor zu kommen. Er erntet die Schoten kurz bevor oder wenn sie gerade zu Platzen beginnen, taucht sie in kochendes Wasser und läßt sie anschließend in Tücher gewickelt in der Tropensonne glänzend schwarzbraun fermentieren.

Unter den rund 30.000 Orichdeenarten ist diese Orchidee die einzige, die zu unserer Ernährung beiträgt.  Das mag mit ihrer Entstehungsgeschichte zusammenhängen:

Vor ewig langer Zeit befand sich am Golf von Mexiko zwischen Papantla und El Tajindas das totonakische Reich des Königs Tenitzli II.  Seine Frau gebar ihm eine wunderschöne Tochter,  die sie Tzacopontziza (Morgenstern) nannten. Tenitzli II. ertrug den Gedanken nicht, dass seine Tochter einmal heiraten würde.  Deshalb beschloss er, dass sie eine Priesterin werden solle und schickte sie zu der Göttin Tonoacayohu, der Göttin der Ernte und Speisen. So wuchs die schöne Tzacopontziza  im Tempel auf und brachte der Göttin täglich Lebensmittel und Blumen dar, die sie im nahe gelgenem Wald sammelte.

Eines Tages erblickte sie dabei zufällig der junge Prinz Zkatan-Ozga (junger Hirsch)  und es kam wie es kommen musste. Er verliebte sich unsterblich in die Prinzessin. Von da an riskierte er tagtäglich sein Leben und beobachtete sie, bis er sich endlich all seinen Mut zusammen nahm und sie einfach ansprach. Nach ihrem ersten Schreck erwiderte Tzacopontziza unmittelbar seine Liebe. Gemeinsam beschlossen sie zu Fliehen und ihr Glück in der Ferne zu begründen.  Sie eilten Hand in Hand aus dem Wald auf einen rettenden Berg zu. Doch ehe sie diesen erreichten, versperrte ihnen ein gräßliches, feuerspuckendes Biest den Weg.  Verschreckt kehrten sie um und liefen direkt auf die Priester der Göttin Tonoacayohua zu. Diese ergriffen die Beiden und trennten ihnen erbarmungslos die Köpfe vom Rumpf. Dann schnitten sie ihnen die noch zuckenden Herzen aus der Brust und opferten sie im Tempel der Göttin. Am Ort der Tat aber begann nach einigen Tagen, als das Blut bereits vertrocknet war, ein kräftiger Strauch zu wachsen. Wieder einige Tage später wuchs ein Trieb aus der Erde .
Dieser wuchs und rankte sich smaragdgrün an dem jungen Busch in die Höhe, gerade so als würde eine junge Frau ihren Geliebten schmachtend umarmen. Wieder einige Zeit später blühte die Pflanze wunderschön und nach dem Verblühen erschienen schwarze länglichen Kapseln, die wunderbar dufteten. Da begriffen die Priester, dass sich der Prinz in den Strauch und die Prinzessin in die Orchidee verwandelt hatten und sie brachten die Schoten als Opfergabe auf dem Altar der  Göttin dar. Die um den Busch rankende Orchidee aber nannten die Totonaken Caxixanath, gejagte Blume. Wir nennen sie Vanille.

Wie nun die Vanille von Mexiko in ihre heutigen Hauptanbaugebiete Madagaskar, die Komoren und die Insel Réunion, ehemals Bourbon, kam und weshalb sie heute kostbarer als Silber und nach Safran das teuerste Gewürz der Gegenwart ist, sind weitere Geschichten, die ich vielleicht bei anderer Gelegenheit erzählen werde.  Jetzt ist es an der Zeit, das Rezept zu beschreiben. Denn Vanille veredelt neben süßen auch herzhafte Speisen angenehm!

Vanillelinsen mit Grünkohl und Rote Bete

Zutaten für 2 Portionen

  • 300 g Linsen
  • 600 ml Gemüsebrühe
  • 1 Lorbeerblatt
  • 2 Knoblauchzehen
  • 1/2 Vanilleschote mit Mark
  • 1-2 Rote Bete Knollen (ca. 100g)
  • 100 g frische Grünkohlblätter ohne Strunck
  • 1 Schalotte
  • 2 TL Traubenkernöl (oder ein anders neutrales Öl)
  • 1 TL Rohrohrzucker
  • Salz und Pfeffer

Zubereitung

Die Linsen mit den ungeschälten Knoblauchzehen, dem Lorbeerblatt, dem Vanillemark, der ausgeschabten Vanilleschote und der Gemüsebrühe bei mittlerer Temperatur zum Simmern bringen und 20 bis 25 Minuten leise köchelnd garen lassen. Wenn das Linsenwasser zu sprudelnd kocht, werden die Linsen nicht weich. Evtl. Flüssigkeit nachgeben.  Wenn die Linsen gar sind, die Knoblauchzehen herausfischen, häuten, zedrücken und wieder unter die Linsen rühren. Das Lorbeerblatt und die Vanilleschote entfernen.

Die Rote Bete schälen und in kleine Stücke schneiden. Den Grünkohl gründlich waschen und ebenfalls klein schneiden oder zupfen. Die Schalotte schälen und in Streifen oder Würfelchen schneiden. Das Öl in einer Pfanne erhitzen. Zunächst die Schalotte darin glasig dünsten, dann die Rote Bete zugeben und von allen Seiten 10 Minuten bißfest anbraten. Den Zucker zugeben und die Zwiebel-Bete-Mischung karamelisieren lassen. Evtl. 1-2 EL Wasser zugeben, damit nichts anbrennt.  Den Grünkohl 3-5 Minuten in kochendem Salzwasser blanchieren, abschöpfen und unter die Zwiebel-Bete-Mischung heben. Das Gemüse gut in der Pfanne vermengen und dann zu den Linsen geben. Alles mit Salz und schwarzen Pfeffer abschmecken und servieren.

13 Kommentare Gib deinen ab

  1. Ira Moritz sagt:

    Liebe Wili,
    ich hoffe Du bist gut gestartet im neuen Jahr? Ich liebe Deine Rezepte und die Geschichte dazu deutet so vieles an über das wir gerade in dieser Zeit wirklich nachdenken sollten. Deine Rezepte begeistern mich sehr, Du bringst neue Geschmacksmomente und Deine Geschichten dazu sind einzigartig, sehr einfühlsam und immer mit etwas, was wir uns wirklich zu Herzen nehmen sollten. Danke dafür, das ist wirklich persönlich und einzigartig und freue mich auf mehr in 2018. Herzliche Grüße Ira

    Gefällt 1 Person

    1. Wili sagt:

      Liebe Ira, bei deinen schönen Rückmeldungen geht mir jedes Mal das Herz auf. Allein eine Leserin so zu gewinnen, ermuntert mich wieder und wieder neben den Rezepten auch Geschichten zu finden und niederzuschreiben. Danke für deine Anerkennung.

      Gefällt mir

  2. Das mit der ungeschälten Knoblauchzehe gefällt mir sehr, das werde ich auch bei anderen Gerichten mal probieren.

    Gefällt 1 Person

    1. Wili sagt:

      Ja, das ist toll, mach das. Der Knoblauch entfaltet sich auf düse Weise angenehm und mild. Ich mag es sehr.

      Gefällt 1 Person

  3. akihart sagt:

    Schön! Aber welche Orchidee meinst du? Das ging anfangs des Textes unter!

    Gefällt mir

    1. Wili sagt:

      Ich meine die Vanille. Sie gehört zu den Orchideen.

      Gefällt mir

      1. akihart sagt:

        Wirklich?! Das wusste ich nicht. Wieder etwas wichtiges gelernt, Danke 🙂

        Gefällt mir

      2. Wili sagt:

        Ich auch nicht, bis ich es für diesen Beitrag herausgefunden habe. Ich wusste auch bisher nicht wie langwierig die Vanilleproduktion ist. Sie war bisher als Gewürz so selbstverständlich in meiner Küche. Jetzt achte ich sie um vieles mehr.

        Gefällt mir

  4. Das sieht wirklich fantastisch aus! Die Kombination muss ich unbedingt mal probieren. 🙂 Danke für die Inspiration! ❤

    Gefällt 1 Person

    1. Wili sagt:

      Gerne. Falls du es probieren solltest, werde ich mich über deine Rückmeldung freuen.

      Gefällt mir

  5. Vanillelinsen – das ist spannend – probier ich aus.
    Experimentierende Grüße aus dem Garten 🙂

    Gefällt 1 Person

    1. Wili sagt:

      Vanille passt sehr gut zu herzhaften Speisen, finde ich. Probier es aus 👍

      Gefällt 1 Person

  6. Sabine sagt:

    Sehr feines Essen.Zusammen mit einem frischen Salat aus dem Garten-das perfekte Essen für einen trüben Tag! Danke für das Rezept 😊

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s