Das Rezept auf Seite 32: Grüne Suppe

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Einmal monatlich, jeweils am zweiten Donnerstag des Monats stelle ich ein Kochbuch aus dem eigenen Bücherregal, eine Kochzeitschrift, eine Neuerscheinung oder ein mir zur Verfügung gestelltes Rezensionsexemplar mit dem Rezept auf Seite 32 vor. Ab und zu gesellen sich weitere Blogger*innen dazu, dann freue ich mich und nehme die Beiträge in einer Liste mit auf, sodass Interessierte sämtliche Beiträge einfach auffinden können. Wie alles seinen Anfang nahm, könnt ihr hier nachlesen.  

Heute hat Daniela von linzersmilys wieder einen schönen Beitrag beigesteuert, der von längst vergangenen Tagen, von Urlaubserinnerungen, erzählt und schenkt uns einen kleinen Einblick in ein besonderes Reiseandenken, einem Kochbuch aus Andalusien.

Auch Harrald Saul, ein Küchenmeister aus Gera, widmet sich dem Sammeln und Präsentieren von Rezepten längst vergangener Tage. Seit mehr als 20 Jahren trägt er Rezepte aus den Küchen jener Regionen zusammen, die bis 1945 zum deutschen Reich gehörten. Handgeschriebene Familienrezepte, Dokumente, Erinnerungen und Geschichten ranken sich um Orginalrezepte, die zwei Weltkriege und Flucht überdauern konnten. Kostbarkeiten, wie ich finde, die ihm Menschen anvertrauten und die er mit deren Erlaubnis in mittlerweile  rund 30 Büchern veröffentlichte.  2017  brachte die Random House GmbH eine leicht gekürzte Zusammenstellung  aus zwei älteren Titeln über die Ostpreussischen Rezeptsammlungen von Harald Saul heraus und überließ mir ein Rezensionsexemplar:

Mein Vater war sieben oder acht Jahre alt, als sich seine Mutter mit ihm und seinen beiden jüngeren Geschwistern auf den beschwerlichen Weg in den Westen machten. Meine Oma erzählte nie von dieser Zeit und auch von meinem Vater erfuhr ich nur sehr spärliches aus seiner frühen Kindheit. Gelegentlich plätscherten dann doch schöne Erinnerungen herauf und noch seltener erhielt ich einen winzigen Einblick in seine kriegstraumatischen Erlebnisse.  So berühren mich die Geschichten, die in diesem Buch zusammengetragen sind, auf eine sehr persönliche Weise. Die Rezepte und das Küchenwissen, die teilweise seit nun schon 150 Jahren mündlich und in säuberlicher Handschrift von den Müttern an die Töchter weitergegeben wurden, sind für mich etwas besonderes. Noch habe ich nicht vieles von den hier zusammengestellten Rezepten nachgekocht. Doch ich staune immer wieder, weil ich lesend an unerwarteten Stellen in dem Buch meine Verbindungen zur ostpreussischen Kochkunst und -kultur erkenne.

Auf der Seite 32 beginnt das Kapitel Rezepte der Familie Lube aus Königsberg. Mein Vater erzählte mir einmal von seiner aller ersten Bahnreise Anfang der 1940ziger Jahre nach Königsberg zu seiner Tante Maria, die sieben Kinder hatte. Ich habe niemals einen dieser Verwandten Kennen gelernt. Für meinen Vater aber war diese Bahnfahrt ein riesengroßes Abenteuer, ebenso wie der Besuch der großen Stadt.

Die Familie Lube konnte den Zugriff auf eine lange Ahnentafel bewahren, die bis in das 17. Jahrhundert zurückreicht.  Im 18. Jahrhundert siedelte sie sich in Ostpreussen an. Nach 1844 wurde dann von Wilhelmine Ernestine Caroline Lube, geborene Rosengarth der Grundstein für die handschriftliche Familienrezeptsammlung gelegt.  Das Rezept der grünen Suppe wird im vorliegenden Kochbuch im Originaltext vorgestellt:

Die grüne Suppe (der Familie Lube)

2 Liter Wasser setzt man mit einem Suppenteller voll kleingeschnittenen Suppenwurzeln und einer großen Stange Poree zu Feuer. Das alles kocht man eine gute Stunde und entfernt dann die suppenwurzeln, die man fein wiegt und mit drei Eßlöffel voll gehackten Spinat etwas gewiegten Sauerampfer, Schnittlauch, Kerbel und jungen Kopfsalat mischt und in die Brühe zurück gibt. Dann rühre man drei Eßlöffel Stärkemehl in kaltem Wasser an und binde damit die köchelnde Suppe. Abschmecken sollte man die grüne Suppe mit Pfeffer und Muskat. Man rühre Eigelb mit Milch und legiere damit die Suppe. Kleine geröstete Brotwürfel gibt man in eine Suppenschüssel und gieße die heiße Suppe darüber. Zuletzt gibt man an die Suppe zwecks Verfeinerung etwas Butter.

Das ist ja eher eine Frühlings- und Sommersuppe und wir haben gerade Winter. Statt eines frischen, jungen Kopfsalat aus dem Garten fand ich einen eher etwas schlappen Salatkopf aus Frankreich. Statt Kerbel gab es Petersilie und den Sauaerampfer ersetzte ich durch 1-2 Teelöffel selbstangesetzten Estragonessig. An Suppenwurzeln wählte ich Knollensellerie, Steckrübe, Pastinake, Petersilienwurzel und Karotte. Insgesamt nahm ich 400 g davon für 2 Liter Wasser. Neben weißem Pfeffer und Muskat würzte ich auch noch mit Salz.  Die Brotwürfel schnitt ich aus Toastbrot. So erhielt ich ein feines, mildes Süppchen mit dezenter Säure.

 

 

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