Omelett mit Datteln (Omleteh Khorma) – املت خرما

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Jedes Mal wenn ihr Bruder Pajam um ein Omleteh Khorma bat,  grinste Parvin flüchtig und eilte in die kleine Küche, die vom Eingangsbereich der Wohnung links abging. Einmal ging ich ihr nach und sah, dass sie rasch  zwei Eier mit einer Gabel in einem Schälchen verquirlte. Dann knackte sie eine handvoll Walnüsse , löste die Walnusskerne aus den Schalen und zerstieß diese mit dem Messerrücken in  Stückchen.  Aus der kleinen Pappschachtel im Kühlschrank holte sie sieben Datteln, die sie ordentlich enthäutete und entkernte. Das Dattelfleisch hob sie mit den Walnussstückchen sowie etwas Salz und Pfeffer unter die Eimasse.  Anschließend setzte sie eine kleine Pfanne auf die Herdplatte, die sie auf Stufe 4 einschaltete und ließ ein Stückchen Ghee darin schmelzen. Kurz hob sie die Pfanne an und schwenkte sie rasch hin und her, sodass der gesamte Pfannenboden mit dem flüssigen Ghee benetzt war, ehe sie die Eimasse darüber verteilte. Mit einem großen Teller deckte sie die Pfanne ab, entsorgte die angefallenen Küchenabfälle und spülte das benutzte Geschirr. In den wenigen Minuten, die dabei vergingen, sprachen wir nicht miteinander. Ich beobachtete ihr Tun nur genau, um so die Zubereitung zu erlernen. Nun reichte sie mir ein Glas Tee. Wie sie legte ich mir ein Stück Würfelzucker auf die Zunge, ehe ich von dem heißen bitteren Schwarztee nippte. „Weißt du“, wisperte sie mir zu, „dieses Gericht ist ein  Stärkungsmittel und Aphrodisiakum für Männer. Deshalb will Pajam das immer essen.“ Sie kicherte. „Wirkt es auch bei Frauen?“ fragte ich neugierig. Sie rollte mit ihren großen braunen Augen. „Ja, Datteln sollen die Fruchtbarkeit steigern, deshalb essen bei uns junge Paare viele, wenn sie sich Kinder wünschen.  Aber Ei und Datteln sind nicht gut für Frauen, das macht uns dick!“ Sie stellte ihr Teeglas beiseite, hob den Teller von der Pfanne und wischte diesen mit einem Papiertuch von untern ab. Das Omelett war fertig gestockt. Sie ließ es auf den warmen Teller gleiten, viertelte rasch eine kleine Tomate, brach zwei drei Zweige von der Petersilienpflanze, arrangierte diese zu dem Omelett und brachte es Pajam zusammen mit einer Gabel und einer Serviette.  Ich folgte ihr mit unseren Teegläsern, die ich frisch aufgefüllt hatte. So saßen wir eine Weile zu Dritt beisammen und plauderten fröhlich daher in einem Mix aus deutsch, farsi und englisch. Irgendwann stand Pajam auf, meinte, er müsse nochmals weg, zog sich seine Jacke über und verschwand. Parvin zwinkerte mir verschwörerisch giggelnd zu…

… mittlerweile ist fast ein halbes Jahrhundert vergangen.  Doch diese kleine Episode hat sich mir in meinem Gedächtnis eingebrannt.  Immer wieder, wenn es ein Omleteh Khorma gibt, muss ich an das Wissen denken, welches mir Parvin damals von Fau zu Frau weiter gegeben hatte. So auch, als ich mir überlegt hatte, dass ich mir mit den gemahlenen Walnüssen, die ich noch von der Weihnachtsbäckerei über hatte, einem Ei und ein paar Datteln ein wärmendes und lange sättigendes, süßes Frühstück bereiten könne.

Ihr seht, das Ei verquirlte ich mit dem „Walnussmehl“ und die halbierten Datteln verteilte ich dann einfach über die Eimasse in der Pfanne, ehe diese fest gestockt war. Mein fertiges Omelett, dass so vielleicht mehr ein Pfannkuchen geworden war, bestreute ich mit Rosenblättchen, Pistazien,  Zimt und Puderzucker.  Das mich das jetzt nur dick machen soll…  ich fürchte, darin hatte Parvin sich geirrt

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