persischer Gersteneintopf (Ash_e Djo) – آش جو

am

Ich erinnere mich noch  als sei es gestern gewesen. Wir hatten an einem Wintersonntagmorgen beschlossen bei diessem Schitwetter eine Sonderausstellung der Kunsthalle zu besuchen.  Als wir das Museum wieder verließen, nieselte es naßkalt aus einem grauverhangenen Himmel. Amon knipste seinen schwarzen Schirm auf, ich hakte mich bei ihm unter und wir schlenderten noch ganz vertieft in unseren Kunsteindrücken die Treppen hinunter, über den Vorplatz in Richtung Tiefgarage. Plötzlich rieß uns ein scharfer Wind aus unserer Idylle. Er verwandelte den leichten Regen in eisige Wasserschnüre, die durch unsere Jacken hindurch bis auf unsere Haut peitschten. Der schwarze Schirm klappte jämmerlich in sich zusammen. Amon lachte über dieses unütze Ding, fasste meine Hand und wir rannten leicht geduckt bis in das Foyer mit dem Garagenzugang. Es war nur ein kurzer Moment gewesen, keine 3 Minuten, doch wir waren völlig durchnässt und froren.

Zuhause angekommen präsentierte Amon mir dann einen Teller voller undefinierbarer, breiig wirkender Suppe, die seine Mutter bereits am Vortag zubereitet hatte. Diese sei jetzt genau das Richtige für mich, würde mich von Innen wärmen und jede Erkältung in die Flucht jagen. Ich blickte ziemlich skepitsch auf die mir unbekannte „Grütze“ und mein Hunger quängelte nur noch eingeschüchtert leise aus der Magengegend hervor.  Eher widerwillig, aber höflich stippte ich den Löffel in die Suppe und führte ihn dann zum Mund. Eigentlich liebte ich ja alles, was Amons Mama kochte. Ich schloss die Augen und schmeckte eine wohltuende, würzige Säure, milde Kräuter, erdige Hülsenfrüchte, eingebettet in eine angenehm cremige Textur. Mein Hunger verbündete sich triumphierend mit meinem Genuss und zu Amons Vergnügen wollte ich einen Nachschlag.

Ash_e Djo ist eine dicke Suppe aus Gerste, Linsen, Kichererbsen und Bohnen mit einem Potpourri aus Kräutern , grünem Gemüse und Kashk.  Das erstaunliche Ernährungspotential dieser dicken Suppe liegt gerade in der Vielfalt der verwendeten Zutaten. Es braucht ein wenig Zeit, die Hülsenfrüchte müssen über Nacht einweichen und benötigen dann noch 1-2 Stunden, ehe sie schön gar gekocht sind und wie sooft bei Eintöpfen schmeckt auch dieser am nächsten Tag nach dem Aufwärmen gleich nochmal so gut. Das sollte eingeplant werden. Ich neige dazu einen riesengroßen Topf Ash_e Djo zu kochen und diese Portionsweise einzufrieren, ehe ich das Kashk oder alternativ saure Sahne hinzugebe. So komme ich gut damit über den ganzen Winter.

Zutaten für 4-5 Portionen

  • 125 g Rollgerste
  • 50 g weiße Bohnen (kleine)
  • 50 g Kichererbsen
  • 50 g Linsen
  • 30 g Basmatireis
  • 2 große Zwiebeln
  • 2-3 Knoblauchzehen
  • 500 g frische Kräuter (Lauch, Blattspinat, Koriander, Dill, Petersilie), alternativ 150 g getrocknete Kräuter
  • 1 EL getrocknete Minze
  • 1 TL Kurkuma
  • 1 1/2 EL neutrales Öl (Sonnenblumenöl, Rapsöl, Traubenkernöl)
  • Salz
  • 150 g Kask oder saure Sahne
  • 1 TL Limettensaft
  • 1 TL Traubenmelasse oder Rübenkraut oder Honig

Zubereitung

Gerste, Bohnen, Kichererbsen und Basmatireis am Vorabend gründlich abspülen und dann über Nacht in reichlich  Wasser einweichen (ihr könnt, Bohnen und Kicherebsen sowie Reis und Gerste jeweils zusammen einweichen).

Die Bohnen und Kichererbsen mit der doppelten Menge Wasser in einem sehr großen Topf aufsetzen und 1 Stunde köcheln lassen. Dann Reis, Gerste und Linsen und nochmals 1/2 Liter Wasser zugeben. Alles weiter köcheln lassen. Leider muss man dabei in der Nähe bleiben und das Ganze immer einmal umrühren, da es sonst ansetzt und leicht verbrennt. Auch muss ggfs. etwas Wasser nachgegeben werden (natürlich könnt ihr auch eine Gemüse- oder andere Brühe verwenden).

Nach weiteren 30 Minuten die Kräuter, Blattspinat und Lauch putzen, kleinwiegen und unter den Eintopf rühren. Die Zwiebeln und den Knoblauch häuten und in Streifen schneiden. In einer Pfanne 1 EL Öl erhitzen und die Zwiebel- und Knoblauchstreifen mit Kurkuma darin goldgelb sautieren. Das braucht ca 10 Minuten. Die Hälfte der Zwiebelmischung beiseite stellen. Die andere Hälfte in den Eintopf rühren. Nochmals etwas Öl in der Pfanne erhitzen und die getrocknete Minze darin kurz anbraten. Davon wieder einen Teil beiseite Stellen und einen Teil in den Eintopf geben.  Alles weitere 30 Minuten unter gelegentlichem Rühren simmern lassen.

15 Minuten vor dem Servieren das Kashk (oder die saure Sahne) mit dem Limettensaft und der Traubenmelasse (Rübenkraut/Honig) vermengen, 2-3 El für das Topping beiseite nehmen. Eine Kelle Suppe mit dem Kashk verrühren und das Ganze dann unter die Suppe heben, die jetzt nicht mehr aufkochen sollte. Mit Salz abschmecken.

Vor dem Servieren könnt ihr die Suppe mit den beiseite gestellten Zutaten belegen.

 

 

 

 

11 Kommentare Gib deinen ab

  1. GREENiki sagt:

    Das klingt spannend, werd ich ausprobieren! LG Niki

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    1. Wili sagt:

      Fein, das freut mich 🤗

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  2. Ira Moritz sagt:

    Ich weiß nicht was mir besser gefällt deine spannenden Rezepte oder die tollen Texte dazu? Danke für diesen wunderbaren Beitrag und das mir unbekannte Rezept.

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    1. Wili sagt:

      Diese Suppe kann ich dir empfehlen. Leider weiß ich noch nicht, wie man sie schneller zubereiten kann.

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  3. Das sieht ja wirklich sehr appetitlich aus!

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    1. Wili sagt:

      🙏🙏🙏

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  4. Das klingt so lecker und sieht auch so lecker aus, kann ich mir sehr gut vorstellen, daß das was richtig gutes für den Winter ist!

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    1. Wili sagt:

      Ja, das ist es und zudem einfach gemacht und recht preiswert, wenn man im Sommer fleißig Kräuter getrocknet hat 😉

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