Das Rezept auf Seite 32: Fattusch – Damaszener Brotsalat

am

Einmal monatlich, jeweils am zweiten Donnerstag des Monats stelle ich ein Kochbuch aus dem eigenen Bücherregal, eine Kochzeitschrift, eine Neuerscheinung oder ein mir zur Verfügung gestelltes Rezensionsexemplar mit dem Rezept auf Seite 32 vor. Ab und zu gesellen sich weitere Blogger*innen dazu, dann freue ich mich und nehme die Beiträge in einer Liste mit auf, sodass Interessierte sämtliche Beiträge einfach auffinden können. Wie alles seinen Anfang nahm, könnt ihr hier nachlesen.  

∼ ∼ ∼ ∼ ∼ ∼ ∼ ∼ ∼ ∼ ∼ ∼ ∼ ∼ ∼ ∼ ∼ ∼ ∼

Wer kocht, muss sich der Realität stellen

∼ ∼ ∼ ∼ ∼ ∼ ∼ ∼ ∼ ∼ ∼ ∼ ∼ ∼∼ ∼ ∼ ∼ ∼ ∼

Vor 15 Jahren entdeckte ich ein kleines Büchlein, das einer meiner Lieblingsautoren gemeinsam mit seiner Schwester geschrieben hat. Rafik Schami, der begnadete Geschichtenerzähler, der feinfühlig, spannend und humorvoll in seinen Erzählungen die arabischen und die deutschen Mentalitäten darzustellen weiß, kocht auch gerne. Schreiben und Kochen sind für ihn immer wieder riskante Experimente. Denn hier ein Wort und dort eine Prise zu viel, können das Gesamtwerk misslingen lassen. Wer am Herd immer nur die selben Schritte wiederhole, der koche trotz aller Professionalität – seiner Meinung nach – höchstens gut genug für die Kantine. Kurzum, Kochen bedarf Mut, Offenheit, Kreativität und Liebe. Das spricht mir aus der Seele.

Rafik Schami, der 2000 schon um die 25 Jahre in Deutschland lebte, hatte die Idee in einem Buch die Stadt  seiner Kindheit in Abstimmung mit den Gerichten in ihren Gassen vorzustellen und fand in seiner Schwester Marie Fadel eine sehr gute Unterstützerin.

Die beiden sprachen sich, verbunden über das Telefon, ab, teilten Erinnerungen und vereinbarten Touren durch das alte christliche Viertel von Damaskus. Frau Fadel wandelte diese dann Tag für Tag entlang. Dabei besuchte sie Verwandte, Freunde und Bekannte und sammelte deren Lieblingsrezepte. Abends telefonierte sie wieder mit ihrem Bruder, erzählte ihm alles, was sie beobachtet hatte und sandte ihm die Rezepte zu. Herr Schami tippte seine Tonbandaufzeichnungen der Telefonate ab, brachte sie in Form, ergänzte hier und da ein wenig, um bei uns Leser*innen Verständnis zu erzeugen, probierte die Rezepte und passte auch diese hier und da an die westeuropäischen Genussgewohnheiten an. Heute, nur 15 Jahre später, beschreibt dieses Buch eine Welt, die es so leider schon nicht mehr gibt. Das macht es für mich noch kostbarer.

Den folgenden Brotsalat „Fattusch“ widmet Marie Fadel ihrer Freundin Widad, einer Frau, die immer lachend um ihr Leben kämpfte und als Köchin besonders erfolgreich wurde, weil sie die  hohe Kunst beherrschte, aus Lebensmittelresten verführerische Köstlichkeiten zu bereiten.  Anfang 2000, als das Buch heraus kam, war es noch schwierig arabisches Brot in Deutschland zu erwerben, so wurde für das Rezept eine interessante Alternative gewählt:

Zutaten

  • 500 g Gurke
  • 500 g rote und grüne Paprika
  • 1 Kg Tomaten
  • 1 Bund Schalotten
  • 1 Bund Radieschen
  • 200 g Feldsalat
  • 1 großes Bund Petersilie
  • 1 kleines Bund Minze
  • ein paar Blätter Basilikum
  • 200 g kernlose schwarze Oliven
  • 200g kernlose grüne Oliven
  • 1 Knoblauchzehe
  • 3 EL Essig
  • 150 ml Olivenöl
  • Salz und Pfeffer
  • 250 g Knäckebrot

Zubereitung

Das Gemüse und den Salat gründlich waschen und putzen. Gurke, Paprika, Tomaten, Radieschen, geschälte Schalotten in kleine Würfel schneiden und in eine große Schüssel geben. Feldsalat von den Wurzeln und welken Blättern befreien und zum Salatgemisch geben. Petersilie, Pfefferminze und Basilikum waschen und feingehackt zum SAlat geben. Die Oliven dazugeben. Die geschälte Knoblauchzehe in eine Schale pressen und mit Essig, Öl, Salz und Pfeffer verrühren, zum Salat geben und gründlich untermischen.

Das Knäckebrot in kleine Stücke brechen und unmittelbar vor dem Servieren untermischen.

Mein Salat musste auf die Oliven und Radieschen verzichten und ich gebe es zu, mir war das Dressing zu ölig.

6 Kommentare Gib deinen ab

  1. Becky sagt:

    Ich liebe Fattusch! Und das Buch kannte ich noch gar nicht, aber es klingt ganz nach meinem Geschmack zu sein. Danke für den Tipp.
    Viele Grüße, Becky

    Gefällt 1 Person

  2. Ira Moritz sagt:

    Ich kenne da Buch, habe es aber leider noch nicht zu Hause, deine wunderbare wieder sehr persönliche Präsentation, macht mir Lust, es mir auch endlich nach Hause zu holen. Du hast wirklich ein großes Talent, die Geschichten hinter den Rezepten auf die Bühne zu holen. Das macht den Unterschied, die meisten – wie auch ich – haben ja Rezepte satt. Wir sehen uns jedoch nach Geschichten, die mit den Rezepten unweigerlich verknüpft sind und uns persönlich ansprechen.

    Gefällt 1 Person

    1. Wili sagt:

      Danke, liebe Ira, für deine anerkennenden Worte. Es überrascht mich immer wieder, wie du mein Geschreibsel empfindest. Das Buch kann ich dir aber wirklich ans Herz legen, auch wenn es ohne Foodfotos auskommt. Die Bilder entstehen, dank der Erzählungen im Kopf. Zudem erzählt hier in weiten Teilen Marie Fadel. Ihre Erzählweise unterscheidet sich deutlich von ihrem berühmten Bruder.

      Gefällt mir

  3. Alex sagt:

    Dein Fattusch sieht total einladend aus. Super!
    LG Alex

    Gefällt 1 Person

    1. Wili sagt:

      So soll es sein. Danke Alex, ein schöneres Kompliment kann man mir gar nicht schenken.

      Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s