Einmal kochend um die Welt: Portugal – Klippfischbratlinge (Pataniscas de Bacalhau) zu warmen Bohnensalat

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Das Kochbuch „Lissabon“ von Sylvie Da Silva hatte mich neugierig gemacht. Kurzentschlossen packte ich mein Köfferchen für einen Kurztripp im April nach Lisboa. Somit erhielt die melancholische Hauptstadt Portugals eine weitere, ihrer unzähligen Geschichten. Lisboa, diese fotogene Schönheit zwischen marodem Charme und modernem Hochglanz ist unermesslich reich an Touristen, Kultur, Vergnügen und Taschendieben.

Während ich am Morgen meines zweiten Tages die Kathedrale Sé Patriacal betrat, übte ein Organist auf der historischen Evangelien-Orgel seine Kirchenlieder ein. Hingerissen setzte ich mich nieder und lauschte ihm verträumt. Ein versonnener und unachtsamer Moment, der meine kleine Reise in neue Bahnen lenken sollte. Denn ich hatte nicht wahr genommen, dass mein Handtäschchen statt auf meinem Schoß, neben mir auf der Kirchenbank verweilte. Von mir völlig unbemerkt fingerte jemand die Geldbörse aus ihr. Darin bewahrte ich neben wenig Kleingeld – leichtsinnig wie ich nun einmal bin – sämtliche Karten auf. Ein freundlicher Geistlicher entschuldigte sich unzählige Male bei mir, dass dies leider Alltag in dieser schönen Kathedrale sei, ein lukratives Geschäft also für die Taschendiebe. Doch auch andere profitieren davon, wie mir der weitere Verlauf zeigen sollte. Die Kosten für den Ersatzpass, neuen Perso und neue Geldkarten ließen diese kleine Reise kostspieliger als geplant werden. Im ersten Moment war ich einfach dankbar, dass mein Smartphone nicht geklaut worden war. Denn das enthielt sämtliche Tickets, ein Foto vom Perso sowie die Sperrnummern für meine Geldkarten. Ein freundlich-ruhiger Portugiese brachte mich zur  Tourismuspolizei, die sich nur wenige Straßenzüge weiter am Praça dos Restauradores befand. Dort hatte ich das Glück zu den ersten Gästen zu zählen. Kurz nach meiner Ankunft füllte sich der kleine Warteraum mit Menschen jeder Generation, unterschiedlichster Kulturen, vom Back Packer bis zum Kreuzschiffreisenden. Wie wohl auf jeder Behörde dieser Erde ließen sich die freundlichen, uniformierten Damen und Herren hinter den Schaltern Zeit. Ihre Gelassenheit und ihr Humor übertrugen sich rasch auf die unterschiedlich gestressten Wartenden. In ihrer Langsamkeit wurden sie allerdings vom Personal der Deutschen Botschaft, die ich am nächsten Tag besuchen durfte, nochmals übertroffen.

Wer etwas über Entschleunigung für sich lernen mag, dem empfehle ich einen Besuch dieser Botschaft. Die Mitarbeiter stellten mir bei aller Gemächlichkeit zügig meine Ersatzpapiere aus. Insgesamt dauerte für mich der Berarbeitungsprozess meiner Unachtsamkeit vier Stunden, die sich auf zwei Tage verteilten. Dankbar möchte ich erwähnen, dass der Polizist, der mein Anliegen bearbeitete, mir mit Bargeld aus meiner kleinen Patsche half, das ich ihm dann online auf sein Konto zurück überwies. So konnte ich die Wartezeit vor der Botschaft mit einer Bica Cheia und einer Pasteis de Belém genüsslich in der Sonne überbrücken, während die stolzen Hähne in dem kleinen Park am Campo dos Mártires da Pátria laut krähten.  Ohne diesen Diebstahl wäre ich nicht zu diesem lauschigen Platz mit altem Baumbestand auf einen der sieben Hügel Lissabons gekommen. Anfang des 19. Jahrhunderts wurden hier elf Widerstandskämpfer erhängt. Zudem hätte ich die Verehrung der Portugiesen gegenüber Dr. Jose Tomas de Sousa Martins verkannt. Ich sah direkt von meinem Platz aus auf seine prächtige Statue. Die Menschen kamen, legten dieser Blumen zu Füßen oder zündeten Kerzen in einem nebenstehenden Schrank, um anschließend einen Moment betend zu verweilen. Das alles war schön anzusehen.

Während meiner verbleibenden Zeit in Lissabon war ich dann irgendwie wieder in meine mittellose Jugendreisezeit versetzt. Ich musste zwar nicht tanzen, singen oder malen, um etwas Geld für Speisen zu bekommen und doch wurde mir bewusst, wie selbstverständlich ich dem Konsum erlegen bin. So kam es auch, dass ich vor dem Fado Museum in Alfama bei einem günstigen Pratos do Dia die köstlichen Pataniscas de Bacalhau zu einem feinen Kichererbsensalat kennen lernte. Zurück in Hannover musste ich gleich versuchen, sie selber zuzubereiten. Statt der Kichererbsen wählte ich kleine weiße Bohnen dazu. Beide Varianten schmecken mir sehr gut.

Zutaten für 2 Portionen

Pataniscas de Bacalhau
  • 300-400 g Klippfisch
  • 5-6 EL Mehl
  • 1/2 TL Backpulver
  • 2 kleine Eier
  • 2 TL Portwein
  • 50 ml Weißwein
  • etwas frische Minze und Koriander
  • 1/2 rote Zwiebel
  • Salz
  • Olivenöl
Bohnensalat
  • 200 g gekochte kleine weiße Bohnen
  • 1 rote Zwiebel
  • 1/2 gelbe Paprika
  • 2 Tomaten
  • 1/2 Salatgurke
  • 2 EL gehackte Petersilie
  • 2 EL Olivenöl
  • 1 EL Granatapfelmelasse
  • Golpar
  • Salz und Pfeffer

Zubereitung

Den Klippfisch zwei Tage wässern, dabei mehrmals das Wasser erneuern, um ihn zu entsalzen. Dann kurz in frischem Wasser aufkochen, vom Herd nehmen und kurze Zeit ziehen lassen. Sein Fleisch sollte noch ein wenig glasig und zart sein. Das Fischstück aus dem Wasser heben, ein wenig abkühlen lassen, von Haut und Gräten befreien und in kleine Stückchen zupfen. Diese mit dem Portwein beträufeln und eine Weile marinieren lassen. In der Zwischenzeit Mehl, Backpulver, Eier, Kräuter, feingewogene Zwiebel und Wein zu einem zähfließendem Teig vermengen und etwas ausquellen lassen. Den Fisch unter diesen Teig heben.

Die Bohnen in dem Fischwasser aufwärmen. Tomaten, Gurke und Paprika entkernen und in kleine Stückchen schneiden, ebenso die Zwiebel und die Kräuter zerkleinern. Die Bohnen abschöpfen und mit dem Gemüse vermengen. Mit Olivenöl, Granatapfelmelasse, Golpar, Salz und Pfeffer abschmecken.

Das Olivenöl in einer tieferen Pfanne erhitzen. Löffelweise von dem Bacalhauteig hineingeben und kleine Puffer ausbacken. Diese mit dem Bohnensalat anrichten und servieren.

 

6 Kommentare Gib deinen ab

  1. Ira Moritz sagt:

    Das ist wieder mal ein so wunderschöner Bericht von Dir, ich bin ganz hingerissen! Ich liebe Portugal und war in den letzten 20 Jahren ein paar Mal dort. Mit dieser Leidenschaft habe ich auch meine Liebe zur Fado-Musik entdeckt, begonnen hat es mit einer CD von Mariza einer Fado-Sängerin, die gebürtig aus Mozambique kommt.

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    1. Wili sagt:

      Es war mein erster, aber bestimmt nicht letzter Portugalbesuch. Das Fado Museum hätte ich gerne besucht, aber ich war ja quasi mittellos. Dafür war vor dem Museum ein kleiner Kunsthandwerkermarkt und ein französisches Filmteam drehte darüber eine Filmsequenz. Dem konnte ich kostenfrei zuschauen 😅
      Mariza hast du schon einmal erwähnt. Seither höre ich sie auch sehr gerne. Liebe Grüße, Wili

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  2. D.S.K sagt:

    Mmh, irgendwie ganz anders dein Rezept, so mit Mehl und Portwein. Klingt aber ebenfalls sehr lecker. Auch der Bohnensalat klingt yummie. LG Cornelia

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    1. Wili sagt:

      Wie kennst du denn dieses Rezept?

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      1. D.S.K sagt:

        So klassisch, hatte ich vor zwei Monaten etwa auch auf dem Blog.

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      2. Wili sagt:

        Das hier ist ebenfalls ein klassisches Bacalhaurezept neben den Bolinhos de Bacalhau (Die habe ich erst zwei Beiträge zuvor mit präsentiert). Aber diese Pufferchen mit Weizenmehl hatte ich jetzt auch erst in Lissabon kennen gelernt.

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