Das Rezept auf Seite 32: Viennese Cream Puffs with Rose Water

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Einmal monatlich, jeweils am zweiten Donnerstag des Monats stelle ich ein Kochbuch aus dem eigenen Bücherregal, eine Kochzeitschrift, eine Neuerscheinung oder ein mir zur Verfügung gestelltes Rezensionsexemplar mit dem Rezept auf Seite 32 vor. Ab und zu gesellen sich weitere Blogger*innen dazu, dann freue ich mich und nehme die Beiträge in einer Liste mit auf, sodass Interessierte sämtliche Beiträge einfach auffinden können. Heute ist wortgeflumselkritzelkram mit einer leckeren  Suppe von roten Linsen aus dem Slow coocker dabei.

Wie alles seinen Anfang nahm, könnt ihr hier nachlesen.  

Heute möchte ich euch einen meiner englischsprachigen Kochbuchschätze vorstellen, der vor nun schon wieder 10 Jahren bei mir einzog und doch so modern und aktuell ist, als sei er erst gestern geschrieben worden.

Najmieh Batmanglij floh Ende 1979, als die iranische Revolution eine fundemantalistische Wende nahm, zunächst nach Frankreich und siedelte dann mit ihrer Familie in die USA über. Dort angekommen machte sie es sich nach und nach zu ihrer Lebensaufgabe, Tradition, künstlerischen Ausdruck und naturheilkundliches Wissen der persischen Küche an die Gegebenheiten der USA des  21. Jahrhunderts anzupassen. Mittlerweile forscht sie seit mehr als 40 Jahren nach authentischen persischen Rezepten, die sie an die Geschmäcker und Techniken des Okzidents anpasst. Die Washington Post feierte sie bereits vor Jahren als „Guru der persischen Küche“, Yotam Ottolenghi läßt sich gerne von ihr inspirieren und auch die Los Angeles Times lobt ihre Werke in höchsten Tönen.

‚Silk Road Cooking  – A vegetarian journey‘ erschien erstmals 2004 und wurde gleich von der New York Times in deren TOP10 der vegetarischen Kochbücher aufgenommen. Dabei ist dieses schöne Buch weitaus mehr als eine spannende Rezeptsammlung. Denn es beschreibt die Einheit und die Verbundenheit der okzidentalen und orientalischen Küche, erzählt von den gegenseitigen Einflüssen und Symbiosen der Kochtraditionen entlang der altehrwürdigen Handelswege zwischen Ost und West, die China über Iran mit Italien verbinden.  Najmieh Batmanglij betrachtet die persische Küche als die Mutter der mediterranen Küche und es war ihr ein Anliegen die Einflüsse der persischen Küche auf marokkanische, tunesische (nordafrikanische), türkische, griechische und italienische Kochtraditionen zu verdeutlichen. Deshalb reiste sie in mehreren Etappen, die sich auf rund 20 Jahren verteilten, von Xian in China über Samarkand im heutigen Usbekistan bis nach Isfahan im Iran, nach Istanbul in der Türkei und nach Italien, dem westlichsten Endpunkt der alten Handelswege, kochte mit regionalen Köchen und arbeitete die Eigenarten und gegenseitigen Einflüsse der Kochweisen heraus. Die Quintessenz ihrer Erkenntnisse und Erlebnisse vereinen sich in diesem Buch.

Auf Seite 264 erzählt Najmieh Batmanglij wie sie nach einer langen Fahrt durch Usbekistan von Samarkand nach Bokahara in dem kühlen Garten des Ismoil Restaurant zum Tee köstliches Gebäck präsentiert bekam, aussen knusprig, innen fluffig und mit einer rosensüßen, kühlen Creme gefüllt. Die Konditorin, die diese Köstlichkeit kreiert hatte, war eine achtzigjährige Polin, die seit den 1920er Jahren in Bokahara lebt.

Ich habe diese Wiener Windbeutel mit Rosenwaser am 1. Mai zu  Ehren meiner Mutter in Schwanenform nachgebacken. Denn in meiner Kindheit fehlten ihre hübschen Brandteigschwänchen auf keinem Familienfest.  Es war eine kleine Herausforderung für mich, die Schwänchen zu formen und sie wurden weit weniger filigran als die meiner Mama. Doch das machte nichts, sie schmeckten allen sehr gut und ich darf mich nun von Familienfest zu Familienfest darin üben, hübsche Brandteigschwäne zu spritzen.

Viennese Cream Puffs with Rose Water

Zutaten:

BRANDTEIG

  • 1 cup (120g) Mehl
  • 1 cup (240ml) kaltes Wasser
  • 60 g Butter
  • 1/4 TL Salz, ich nahm nur eine Prise
  • Das Mark einer Vanilleschote
  • 1 TL Rosenwasser
  • 4 Eier

FÜLLUNG

  • 240 ml Sahne
  • 6 TL Zucker
  • 1 TL Rosenwasser
  • Abrieb einer Orange

Glasur

  • 1 Eigelb
  • 2 TL Milch

Zubereitung

Für die Füllung die Sahne mit dem Zucker und dem Rosenwasser wenigstens 30 Minuten kühlen. Dann den Orangenabrieb dazu geben und die Sahne zügig aufschlagen bis sie Spitzen zieht, in einen Spritzbeutel umfüllen und im Kühlschrank bis zur Weiterverarbeitung aufbewahren.

Ein Backblech mit Backpapier auslegen und den Ofen auf 200º C vorheizen.

In einem hohen Topf Wasser, Salz und Butter aufkochen. Die Vanille und das Rosenwasser zufügen. Das Mehl einrühren und alles unter ständigem Rühren zu einer Paste verarbeiten, die sich vom Topfboden löst.

Den Teig abkühlen lassen und nach und nach die Eier unterrühren, bis ein glatter, glänzender Teig entsteht. Diesen mit einem Eisportionierer (oder einfach einem Löffel) auf das vorbereitete Backblech in kleinen Häufchen verteilen. Dabei beachten, dass der Teig stark aufgeht. Die Häufchen mit der Eigelb-Milch-Lasur bestreichen (das ließ ich weg) und auf der mittleren Schiene ca. 20 Minuten backen. Bei leicht geöffneter Ofentür die Windbeutel langsam abkühlen lassen, damit sie nicht zusammenfallen.

Die ausgekühlten Windbeutelchen mit der Sahne befüllen und mit Puderzucker (und Pistazienkrokant) bestreuen.

 

 

 

6 Kommentare Gib deinen ab

  1. Ich bin diesen Monat auch mal wieder dabei 😊

    Gefällt 1 Person

    1. Wili sagt:

      Das ist eine schöne Überraschung und freut mich sehr 🤗🙋

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  2. Susanne sagt:

    Dieses Buch steht auch in meinem Regal und ich liebe es sehr. An die Schwäne allerdings habe ich mich noch nicht herangetraut….

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    1. Wili sagt:

      Naja, nur Mut, meine sind ja auch alles andere als perfekt. Aber jetzt weiß ich, dass es kein nicht zu schaffendes Zauberwerk ist.

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  3. Sie sehen im wahrsten Sinne des Wortes zum anbeißen aus, deine Brandteigschwäne, gerade Schwäne passen, finde ich, so schön zu diesem zarten Gebäck!
    Liebe Grüße
    Monika.

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    1. Wili sagt:

      Danke, liebe Monika. Ein wirklich zartes Gebäck, dass es aber in sich hat 😉 Trotzdem hatte meine Mutter schnell zwei Stück davon verputzt und das will was heißen bei dem mittlerweile zierlichem Persönchen 😊

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